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Verstörtes Schreiben - Fragmente

Leider nur Fragmente, aber das ist das Einzige, was ich zur Zeit zustande bringe. Auf vielfachen Wunsch wird es veröffentlicht, vielleicht auch auf meinen eigenen.

Thomas:
"Felicitas als Anfangs- und Endpunkt all meinen Denkens: erst nach ihrem Tod. Nie lässt es mich los, nie habe ich Ruhe davor: Warum? Und: Wie konnte sie nur? Ihr Tod bleibt unerklärlich, kein Nachdenken kann mich seinem Sinn näher bringen, er wird immer sinnlos bleiben. Sie hätte noch soviel vor sich gehabt, soviel erleben können, so viele Menschen wirklich bewegen können. Sie hätte, sie könnte. Sie kann nicht mehr. Vielleicht ist es besser, dass sie all die Enttäuschungen nicht mehr erleben muss, all die Rückschläge nicht mehr einstecken muss. Vielleicht ist es besser, dass sie nicht mehr leiden muss. Selbstmord als Erlösung? Es könnte bei ihr zutreffen. Und doch haben diese Gedanken nichts tröstendes, sie helfen kein bisschen weiter. Alles, was bleibt, ist eine riesige Lücke, ein Loch in meinem Leben, das weder durch Erinnerungen noch durch die Liebe zu ihr gefüllt werden kann. Die Liebe ist sinnlos, wenn es keinerlei Möglichkeit mehr zu ihrer Erfüllung gibt. Es ist nicht wie eine unerwiderte Liebe, diese hat Sinn in dem Gefühl und im Anhimmeln des Anderen, es ist, als würde man ein Schwarzes Loch anbeten, das jedes Gefühl in sich aufsaugt. Felicitas ist dieses Schwarze Loch für mich, nicht greifbar. Ihr Körper ist unerreichbar, ihr Grab kein Ersatz. Ihre Seele ist ausgelöscht, und trotzdem ist sie mehr als bloße Erinnerung für mich. Wahrscheinlich gibt es kein Wort für diesen Zustand, weil wenige Menschen je den Versuch gemacht haben, die Ohnmacht zu überwinden, die der sinnlose Tod mit sich bringt. Ein Paradoxon: Das Aufstehen wird unglaublich schwer jeden Morgen in dem Wissen, dass sie die Qual des Aufstehens, die sie bei mir hinterließ, nicht mehr erleiden muss. Jeder Tag wird trüb, grau, auch, wenn die Sonne scheint. Der Blick verdunkelt sich, der Sinn bleibt aus. Wozu studieren, wozu leben, wenn sie nicht mehr da ist? Wozu – leben? Ohne, dass die Welt es gemerkt hat, fehlt ihr ein Stück Sinn, ein Teil ihrer Daseinsberechtigung. Nichts in Aussicht, was sie ersetzen könnte, es gibt nichts. Wie damit leben, dass sie nie wieder da sein wird, nie wieder lächeln, nie wieder weinen wird? Wie damit umgehen, dass jeder Sinn verloren geht, sobald ich an sie denke? Wie damit umgehen? Folgen eigentlich alle Partner ihren Liebsten in den Tod? Romeo und Julia – am Ende waren sie beide tot. Vielleicht ist es die einzige Möglichkeit, es scheint keinen Weg zu geben, jemals wieder glücklich zu werden ohne an SIE zu denken. Sie wird immer da sein, dafür hat sie gesorgt. Auch das ist ein Selbstmord: das Einbrennen in das Gedächtnis des Anderen. Es ist egoistisch, ja, aber das ist Felicitas nicht vorzuwerfen. Sie sah sich selbst immer als minderwertig an, war nie davon überzeugt, jemandem zu genügen oder das Richtige zu tun. Immer glaubte sie zu stören, wollte lieber gehen anstatt sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Sie wollte sich nie einladen lassen, wenn es anders ging, wollte immer für sich selbst sorgen. Sogar, als sie bei mir wohnte gab sie ihr letztes Geld aus, um einzukaufen für uns beide. Wahrscheinlich konnte sie am Ende nicht anders, als ein einziges Mal egoistisch zu handeln. Wahrscheinlich hat sie diese Selbstsicht, diese altruistische, sehr stille Lebensweise dazu gedrängt.
Aber auch die ohnmächtige Wut gegenüber ihren Eltern. Wie konnten sie ihr das antun, wie konnten sie nur? Wahrscheinlich haben sie keine Träne vergossen, als sie es erfuhren. Oder hat es sie wachgerüttelt, aufgeweckt? Eher nicht. Manchmal würde ich gern zu ihnen gehen, sie anbrüllen, ihnen all das sagen, alle Schuld auf ihnen abladen. Warum haben sie ein schwaches, hilfloses Mädchen derart gequält, warum haben sie sie in den Tod getrieben? Wie konnten sie Felicitas schlagen, sie demütigen, sie derart quälen? Warum haben sie nicht gesehen, was sie anrichteten, warum haben sie nicht nachgedacht? All das würde ich ihnen gern entgegenbrüllen, ihre Sprachlosigkeit in mir aufsaugen und so von meiner eigenen Schuld ablenken. Meine Schuld – an ihrem Tod? Was habe ich dazu beigetragen, wie sie dazu getrieben? Viele Worte hat sie nie verloren, ihr Schweigen war oft lauter als die Stimme. Hätte ich es verhindern könnte, wenn? Ihr Tod ist so voller Fragen wie es ihr Leben nie sein konnte. Felicitas - . Nie wieder die Chance, sie anzuklagen deswegen. Nie wieder - .
"


-----

Felicitas:
"Thomas, wo bist du nur? Eben warst du noch hier, an meiner Seite. Du warst ganz nah, fast konnte ich deine Wärme spüren. Dein Atem ging langsam, es schien, als würdest du noch leben. Bist du wirklich schon weg, so ganz ohne mir Bescheid zu sagen? Das ist nicht nett, nein, gar nicht nett. Thomas ... komm wieder her. Du fehlst – sehr. Wann bist du nur gegangen, so ganz leise, dass ich es nicht hören konnte? Wann bist du mir entschwunden, heimlich, als ich schlief? Ich vermisse dich, Thomas. Wirst du wiederkommen, mich wieder umarmen? Werde ich jemals wieder deine Wärme spüren, deinem Atem beim leben lauschen können? Weg – wer für immer.

//

Was soll ich denn ohne Thomas anfangen? Nichts scheint zu gelingen, nichts scheint Sinn zu machen. Ein Leben ohne Thomas? – unvorstellbar. Und doch, es lebt sich vor sich hin, ohne mich, an mir vorbei, weit weg. WO er wohl gerade ist, was er gerade tut? Es ist, als wäre er gestorben für mich und würde nur in meinen Gedanken weiterleben. Was er tut – unwichtig. Es gibt keine Möglichkeit, zu ihm zurückzukehren, anders als in meinen Träumen mit ihm zusammen zu sein. Realität – unerträglich neben ihm. Kein Weg führt uns zueinander, zu vieles trennt uns. Was verbindet? Nur das Kennen, die Bekanntheit des Gesichtes des Anderen, der Stimme, des Geruchs. Vor allem der Geruch ... durchdringend. Diese Ohnmacht, die mich immer überfiel, wenn ich ihm gegenüber stand: sie ist gewichen. Keine Sprachlosigkeit mehr, wenn er einen Wortschwall auf den nächsten folgen lässt; keine Tränen mehr, wenn seine Wörter zu kalt werden, verletzend. Nur noch gute Erinnerungen, das Wissen, dass er seinen Weg gehen wird – wohl besser ohne mich. Auch, wenn er das nie wollte. Auch, wenn er zu oft sagte, dass er das nicht könne. Auch, wenn.
"
10.9.06 22:30
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Caro / Website (18.9.06 22:51)
"Viele Worte hat sie nie verloren, ihr Schweigen war oft lauter als die Stimme."

Ich kam schweigend, las, und sog jedes Wort in mir auf. Wunderschön... wieder.

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