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Von der Last eines guten Abiturs

oder: warum die Zukunft gern ungewiss ist.

Mein Abitur ist gut, das wissen die meisten von euch: 2,0. Damit ist man im vorderen Mittelfeld, kein ausgewiesenes genie, vielleicht ein unentdecktes, aber auch nicht schlecht,l nicht faul. Die meisten Unis sehen das genauso und schicken mir unablässig Zulassungsbescheide für Soziologie, Sozialwissenschaften, Geschichte. Mannheim, Potsdam, osnabrück, magdeburg, Halle, Duisburg-Essen, Jena. Alle wollen sie mich haben. Nur Düsseldorf nicht, dort, wo mein herz schlägt.
- "Warum willst du dahin?"
- "Weil es dort eine nette person gibt ..."
- "Achso, jaja .. "
Ist es utopisch, dass dort 94 Personen angenommen wurden, die einen Abischnitt bis 1,4 haben? Und: Wenn 94 personen einen Schnitt bis 1,4 haben, wie viele haben dann einen bis 2,0? ich sehe meine Chancen, dort noch einen Platz zu bekommen, schwinden, je mehr ich darüber nachdenke.
Nun also Duisburg-Essen. Die Städte sollen hässlich sein oder nicht so schlecht wie ihr Ruf, je nachdem, wen man fragt. Nächsten Mittwoch werde ich mich dort wohl einschreiben, wenn Bochum nicht bis dahin eine Annahme gesendet hat, denn der STudiengang geschichte dort findet teilweise in Frankreich statt. Das wär doch was.
Und: Ist es wirklich richtig, wegen der Liebe dorthin zu gehen? ja, ja, ja. Ja. Das ist die Zukunft, wir haben eine Zukunft. Auf der Zugfahrt von Wuppertal heim Sonntag Nacht fiel mir wieder einmal auf, dass es ganz egal ist, in welcher Stadt ich leben werde, an welcher Uni studieren. Ich werde überall klarkommen und trotzdem wird keine berlin sein, keine dieses Flair haben und ich diese vertrautheit, diese Sicherheit beim Lustwandeln durch die Straßen, diese Gedankenfülle. Es ist ganz egal, wohin ich gehe ...
Wenn ich nur schon eine Wohnung hätte. Aber irgendwie ist das alles auch sehr spannend, immer wieder Neues, ein wenig (zuviel) ungewissheit, das schnelle Umplanen meiner Zukunft bzw. das neue Schminken ihres Aussehens. Rainald im Ruhrgebiet, Rainald am Rhein ... Rainald bleibt Rainald und wird doch ganz anders. Ich freue mich ziemlich stark darauf, bald allein zu wohnen, in einem Wohnheimzimmer oder in meiner ersten eigenen Wohnung; Unabhängig zu sein und vielleicht auch frei. Ich will das seit langem und hätte vielleicht schon lange ausziehen sollen, habe es aber nie gewagt. Nun ist es bald soweit, in einem Monat oder etwas weniger oder mehr.
16.8.06 16:56
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Naomi (17.8.06 13:39)
Ich glaube, ich verstehe diesen Gedankenzwiespalt nicht, falls es hier überhaupt einen darstellt.

Denn was ist Liebe, wenn nicht "..diese vertrautheit, diese Sicherheit beim Lustwandeln durch die Straßen, diese Gedankenfülle.."?

Ahh, ich muss immerzu an heute Nacht denken.
Es tut mir leid.
Verzeih'.




Kathi (18.8.06 13:13)
mensch rainald, du wirst schon das richtige machen - da bin ich mir ganz sicher!
warum hast du schon bescheide bekommen und ich noch nicht??!
ach ja...wann kann man dir denn mal dein buch vorbeibringen?
kopf nicht hängen lassen und LG


Caro (20.8.06 21:02)
"...Es ist ganz egal, wohin ich gehe ..."
Aber was geschieht, wenn man sich mit keinem Ort richtig verbunden fühlt? Nichts wirklich seine Heimat nennen kann? Was passiert, wenn man so einen Halt noch nie gehabt hat? Oder ein solcher einem entrissen wurde oder sich nach langer Zeit als falsch herausstellte? Ich würde gerne genauso zuversichtlich sein wie du, ohne Angst oder Zweifel neu anfangen. Wie machst du das immer?


R (21.8.06 16:59)
Ich hänge keiner Heimat nach, die es nicht gibt. Heimat, das ist mein Herz, das bin ich, das ist kein Ort. Ich werde nicht existenziell anders, wenn ich woanders bin, bleibe doch in Grundzügen und Zielen immer derSELBE. Deswegen schätze ich die Wahlfreiheit und auch, dass ich aus einer Laune, aus einem spontanen gefühl ehraus entscheiden kann, wohin ich gehe.

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