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Das Ende der Einsamkeit

oder: Reflexion über Charaktere vor Mitternacht

Ich möchte nicht mehr allein sein. Die Einsamkeit bedrückt mich auf einmal weil ich weiß, dass sie nichts zwangsläufig ist. Sie zerdrückt meine Gedanken, macht mich unruhig, wenn ihre Anwesenheit mich beruhigt. Was haben Thomas und Felicitas gemeinsam? Sicher wüsste sie Antworten darauf. Was haben wir gemeinsam? Darauf gibt es wohl ebenso viele wie wenige Antworten, Alles und Nichts. Ist dies das Ende aller Interimszustände? Ja, das ist es. Kein Warten mehr, keine Ungewissheit über den eigenen Lebensweg, er ist auf einmal völlig klar: Gemeinsam die Welt verbessern. Das, was schon immer Ziel war, wird erneut dazu erhoben, schleicht sich langsam wieder in unsere Gedanken, durchdringt sie, wird oberstes Prinzip. Warum will Felicitas die Welt verbessern? Ist es, weil sie unzufrieden ist mit den herrschenden Zuständen, weil sie Leid nicht nur sieht, sondern fühlt, empfindet? Ist es, weil ihr Charakter auf Empfindsamkeit angelegt ist, weil sie Farben nicht nur sieht, sondern fühlt? Wenn Felicitas es aus Mit-Leid tut, warum tut es dann Thomas? Ist es die napoleonische Großmannsucht, die ihm gebietet, nichts weniger anzustreben als die Unsterblichkeit? Ja, ich fürchte schon. Thomas möchte unsterblich werden, unvergessen, weil ein Leben darunter keinen Sinn macht. Woher hat er das nur, diese Eigenschaft, woher bekommt man sie? Juli Zeh’s Spieltrieb handelt vom Nihilismus, wie sie selbst berichtet (Juli Zeh – Alles auf dem Rasen). Vielleicht ist es die Relativität aller Werte, der Verlust ihrer Absolutheit, der Thomas dazu bewegt, den Sinn in seinem Leben in der Unsterblichkeit zu suchen. Dazu muss er überregional bekannt werden, dazu wiederum viel arbeiten, viel Kommunikation betreiben, das, was man im erweiterten Sinne als Politik bezeichnet. Wird er das schaffen und wenn ja, wie? Gibt es einen Masterplan, den er für sein Leben hat? Andererseits: Hätte er eben diesen Plan, wie würde dann Felicitas zu ihm passen? Felicitas, die zwar langfristige Ziele hat, aber ebenso wie Thomas Schwester in den Tag hinein lebt, wenn auch weniger absichtlich als diese. Sie träumt, sie wünscht, aber sie handelt nicht. Sie ist nicht schnell entschlossen wie Thomas, hat weniger Energie als er. Eigentlich müsste Thomas schon auf dem Olymp sitzen, soviel Energie wie er besitzt. Doch ist er wirklich so oder bricht er nicht vielmehr oft genug zusammen, scheitert an niemand geringerem als sich selbst? Ein Ego von der Größe des Seinen verursacht viele Probleme, allen voran die Einsamkeit. Sicher, sie ist das Schicksal, die logische Folge dieses Charakters und, wie Napoleon schon sagte, der Preis der Unsterblichkeit. Doch ist die Unsterblichkeit wahnsinnig weit weg, und, auch wenn niemand daran zweifelt, dass er sie erringen wird, so ist die Einsamkeit doch oft genug überwältigend, einfach stärker als seine Kraft, das Leben zu bestehen. Dann trifft er Felicitas, dieses reinste aller Geschöpfe, fast hätte ich ihr Elbinnenohren verpasst. Was löst sie in ihm aus? Hingezogensein, ja, Interesse an ihrem Charakter, ja, aber was ist das Besondere, das Entscheidende? Was verbindet diese beiden so ungleichen Figuren? Auf den ersten Blick erkenne auch ich es nicht, weder im wahren Leben noch im Roman, doch hat es wohl damit zu tun, was SIE Weltverbesserungsgemeinschaft nennt. Es könnte zu beschreiben sein mit der Andersartigkeit beider, ihrer Abscheu allem Oberflächlichen gegenüber, ihrer Resistenz gegen den Spaß der gleichnamigen Gesellschaft. Tanzen, Feiern, Ficken Bumsen Blasen – alles auf dem Rasen? Nein, dagegen sind sie resistent, das bedeutet ihnen nicht. Vielmehr die Zeitlosigkeit eines fesselnden Buches, eines Buches, das ihnen etwas über die inneren Zusammenhänge des Lebens verrät. Was die Welt im Innersten zusammenhält – Thomas interessiert es mehr, um zu erfahren, wie er sie verändern kann, Felicitas will die Lebensgefühle der Protagonisten erfassen, nachempfinden. Sie will leicht sein, er erfolgreich, glorreich. Wird Thomas in einer Zeit, in der es keine Helden mehr gibt, ein Held werden? Wird Felicitas durch ihr Mitfühlen die Welt verändern? Wie werden sie sich gegenseitig beeinflussen, bereichern, verändern? Ich denke, das sind die drei entscheidenden Fragen des Buches, die nur WIR gemeinsam beantworten können, als exemplarisches Paar für diese Geschichte, als Ideengeber, als Vorbilder.
Thomas und Felicitas sind mir nun näher, ebenso ihre Geschichte, die trotzdem einer gewissen Abstraktion nicht ganz entbehrt. Doch die Einsamkeit ist, vielleicht gerade wegen der frühen Uhrzeit, nicht annehmbarer geworden. Warum Unglücklichsein akzeptieren, wenn man glücklich sein kann? Andererseits ist etwas Abstand für Reflexionen wie diese nicht verkehrt, einige Menschen würden behaupten, man erkennt erst, welchen Wert ein Mensch hat, wenn er nicht mehr da ist. Die Abwesenheit von Dingen als Wertsteigerung? Daran zweifle ich stark, zumal man sich nur jede Minute seines Glückes bewusst machen muss, anstatt dem Rausch komplett zu erliegen. Räusche waren, bis auf den Schreibrausch und das Rauschen der Nacht, meine Sache sowieso noch nie.
Nun, diese Pause war recht nett, aber die Figurenkonstellation wartet, ebenso die Charakterisierung, die ich heute abschließen möchte, um morgen mit der Konzeption für den Inhalt der Erzählung beginnen zu können, der Entwicklung der Beziehung einen Rahmen zu geben.
28.7.06 22:59
 


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