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Rhein

Immer, wenn ich mit der Bahn über den Rhein fahre, denke ich: „hier wohnst du jetzt, hier bist du jetzt zuhause.“ Und fühle es. Einer der seltenen Augenblicke des Zugehörigkeitsgefühls zu dieser Fremde. Der Rhein als Lebensader: ein kitschiges Bild. Doch dieser Anblick der Wassermassen, er beruhigt und wühlt zugleich auf. Lauter Schiffe, am Ufer Kraftwerke und Industrie, ein Hafen, Wiesen. Natur – dort, wo sie nicht erwartet wird. Und jetzt, 5 Sekunden noch, dann wieder Tristesse, noch ein kurzer Blick, ein durchatmen, solange wir noch überm Wasser schweben, dann wieder: Fremde. Das leben wird zum Spiel, wenn man sich nicht zugehörig fühlt. Alle emotionalen Bindungen sind nichtexistent, alles wird möglich gerade dadurch. Wer bin ich heute, wer will ich morgen sein? Ein Clown, ein Ritter, ein Bettler oder ein Held? Student, Intellektueller, Partylöwe, nett, böse, arrogant, zutraulich – Listen lassen sich beliebig erweitern. Was werde ich morgen? Politiker. Ja, warum eigentlich nicht, schließlich wollte ich das nie werden. Die Selbststilisierung als Spiel, dessen Spielregeln ich selbst festlege. Woher kommt dieser Spieltrieb? Ist es die Endgrenzung, die Entwurzelung, das Ungeheuer aus der Tiefe? Wenn nichts a priori eine Bedeutung hat, muss man für alles Bedeutungen kreieren – oder nicht? Gut, ich habe mich zur Wahl aufstellen lassen, FSR, nichts großes, keine Politik. Und doch juckt es mich in den Fingern, Küngelrunden anzuberaumen, Hinter-Dem-Rücken-Gespräche, Intrigen. Gegen wen, ich habe nichts gegen diese Menschen? Ganz egal, Hauptsache Spiel. Alles wird so leicht, wenn es keine Bedeutung hat. Die Möglichkeiten wachsen exponentiell, alles wird möglich, ist möglich. Endgrenzung. Menschliche Beziehungen werden zu Spielzeugen, wenn man sie durchschaut, Worte zu Spielsteinen, zu Instrumenten. Leise Machtausübung, fast ungewollt, das festlegen eines anderen Menschen auf eine bestimmte Richtung, das herantasten an die Möglichkeiten anderer Menschen – spielerisch leicht. Und immer wieder: Der Rhein als bodenständiges Element, als Erinnerung daran, dass es Dinge gibt im Leben, die etwas bedeuten, die a priori Gefühle hervorrufen. Als Ruhepol, diese endliche Weite, als Anfangs- und als Endpunkt.
To be continued
7.12.06 13:18
 


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