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Was macht eine gute Lehre aus?

Welcher Student kennt es nicht: Überfüllte Lehrveranstaltungen, uninformierte Dozenten, Chaos bei den Prüfungen und schlichtweg fehlende Veranstaltungen, die zum schnellen Studium notwendig werden. Dies soll sich nun, in Zeiten von Studiengebühren, ändern. Seitdem der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner eine Exzellenzinitiative für die Lehre ins Gespräch brachte, häufen sich die Beiträge mit Gedanken, wie diese aussehen könnte und wie man die Lehre verbessern könnte. Bildungsforscher schreiben Zeitungsartikel, Hochschulen schaffen kleinere Preise für eine gute Lehre und die Zeit schreibt ein Expertengremium aus, das derartige Vorschläge bewerten soll. Was aber macht eine gute Lehre aus? Es sollen zuerst die Voraussetzungen des Lehrpersonals erläutert werden und in einem zweiten Abschnitt soll auf die strukturellen Aspekte einer guten Lehre eingegangen werden.

Was vorausgesetzt werden kann und sollte ist die Kompetenz der Lehrenden auf seinem Fachgebiet. Dass damit nicht immer eine spürbare Begeisterung für den zu lehrenden Stoff einhergeht, mag auch an einem Mangel didaktischer Fähigkeiten liegen, auf die später eingegangen wird, ist jedoch für eine gute Lehre nicht zwingend notwendig. Doch wird es heutzutage immer wichtiger, dass die Lehrenden auch ein zumindest überblickartiges Wissen über das gesamte Fach haben, aus dem sie ein Teilgebiet lehren. Auch interdisziplinäres Wissen gewinnt zunehmend an Bedeutung. So können die immer komplexer werdenden Zusammenhänge erklärt werden, beispielsweise das Funktionieren von Teilgebieten der Gesellschaft oder deren Zusammenspiel. Auch dem Wissensdurst der Studierenden, die gerade am Anfang ihres Studiums noch nicht im fachlichen Rahmen denken, kann so beigekommen werden. Dieser kann natürlich auch nur gestillt werden, wenn die Dozenten Fragen innerhalb von Seminaren und auch Vorlesungen zulassen und diese auch nicht nur abwehrend beantworten. Auch in Sprechstunden, am Telefon und per eMail sollten Studenten die Möglichkeit haben, mit den Dozenten auch längere inhaltliche und organisatorische Sachverhalte zu erörtern. Für die letzten beiden Punkte ist es unerlässlich, dass die Dozierenden ein vitales Interesse am Lernerfolg der Studierenden haben, was viele Studenten bei ihnen vermissen.
Um das Wissen herüberzubringen, was die Lehrenden aufgrund ihrer positiven Einstellung zu Studierenden und ihrer Sachkompetenz, über die sie verfügen, ja eigentlich könnten, benötigen sie gewisse didaktische Fähigkeiten. Doch werden sie oftmals, wie Jan-Martin Wierda schrieb, als ‚unausgebildete Hilfslehrer’ in ihren Beruf geworfen, die über solche Fähigkeiten nicht oder kaum verfügen, sofern sie nicht autodidaktisch angeeignet sind. Da dies gehäuft auftritt, kann man es sowohl als individuelles wie auch als strukturelles Problem bezeichnen. Auch dazu gibt es einige gute Ideen wie Weiterbildungszentren (Kompetenzzentren) für Lehrende, in denen ihnen in der vorlesungsfreien Zeit didaktische Fähigkeiten, Präsentationstechniken und technische Möglichkeiten näher gebracht werden, durch die ihre Lehre sich verbessern soll. In Zeiten fortschreitender technischer Entwicklungen ist vor allem der Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln wie Powerpointpräsentationen sowohl für Studierende als auch Lehrende eine große Erleichterung und sollte ausgebaut werden, ohne die klassische Lektüre wissenschaftlicher Literatur zu verdrängen. Zum vitalen Interesse am Lernerfolg der Studierenden gehört natürlich auch die regelmäßige Überarbeitung dieser Unterlagen und Hinweise auf die neuesten Ausgaben von Lehrbüchern und weiterführender Literatur. Auch eine Anknüpfung an neuere Theoriedebatten ist vor allem (aber nicht nur) in höheren Semestern erwünscht und sinnvoll.
Weiterhin lassen Dozenten Kenntnisse über Aufbau und Lernziele der angebotenen Studiengänge und Ziele einzelner Veranstaltungen oft vermissen. Das mag an mangelnder Schulung (strukturell) oder persönlichem Desinteresse (persönlich) liegen, erschwert jedoch die Lehre unnötig und ist, seitdem Studenten mit Studiengebühren belastet sind, nicht mehr hinzunehmen. So kommt es häufig zu Dopplungen von Inhalten, auch in den eigentlich gut strukturierten Bachelor- und Masterstudiengängen. Die Umetikettierung von alten Diplom- in neue Bachelorstudiengänge soll hier nur kurz erwähnt werden und ist zu komplex, um vertiefend darauf einzugehen.
Als wichtigstes strukturelles Problem, welches eine gute Lehre erschwert, ist die schlechte Lehrplanung vieler Institute anzusprechen. Die mit (realen oder fiktiven) Sachzwängen begründeten Beschränkungen auf immer weniger Lehrveranstaltungen mit immer mehr Studierenden gehen eklatant zu Lasten ihrer Qualität. Es ist kaum möglich, eine große Anzahl Studenten mit in die Veranstaltungen mit einzubeziehen, mit und nicht nur zu ihnen zu kommunizieren. Schwierig ist es weiterhin, in Seminaren mit 50-60 Personen zu diskutieren oder in Vorlesungen mit 300 oder mehr Personen Fragen zu stellen. Lehrforschungsprojekte mit mehr als 30 Leuten bieten keinen Raum für Einblicke in die Forschung, eines der für Studenten interessantesten Gebiete des Studiums. Um eine gute Lehre zu ermöglichen, muss 1) sichergestellt werden, dass es zu jeder Teildisziplin des Faches wie im Studienverlaufsplan (Modulhandbuch) Veranstaltungen gibt und dass diese 2) in einem angemessen kleinen Rahmen stattfinden, der jedem Studenten die Möglichkeit zur individuellen Beteiligung gibt. Dazu können die Studiengebühren zu ihrem originären und gesetzlich verankerten Zweck – der Verbesserung der Lehre – eingesetzt werden, ohne dass Landesmittel gestrichen werden.

Es gibt viele Anknüpfungspunkte, wie eine gute Lehre aussehen kann. In diesem Beitrag wurde versucht, sie nach individuellen und strukturellen Punkten zu gliedern und zu problematisieren. Teilweise wurden Beispiele aus der Praxis mit aufgenommen und an die Schwierigkeiten des Bologna-Prozesses an deutschen Hochschulen angeknüpft. Die Punkte sind nicht als abschließende Aufzählung zu betrachten sondern sollen einen kurzen Überblick darüber geben, was eine gute Lehre ausmacht. Dass sie möglich ist, beweisen viele Dozenten, denen die Bewunderung des Autors und vieler anderer Studenten gebührt.


Geschrieben für Zeit Campus - mal schauen, was sie damit oder mit mir machen.
22.4.07 22:32
 


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