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Neudefinition

Das Leben als vollständige Neudefinition des eigenen selbst. Das mag soziologisch klingen oder literarisch, je nach Hintergrund des Rezipienten. Wichtig ist jedoch die dahinter stehende Aussage, auch und vor allem für mich: Das Leben ist eine Veränderung, in der man seinen eigenen Status und die damit verbundenen Rollen ständig neu definiert. Sich neu definiert. Und, wie in meinem Falle, seine Aufgabe.
Ich merke zur Zeit an jedem meiner langen Tage, wie sich dieser Prozess der Neudefinition nicht mehr nur schleichend fortbewegt, sondern aktiv von mir angetrieben und gesteuert wird. Als mir die Richtung dessen klar wurde, als ich wusste, wer oder was ich sein möchte in meinem Leben, ab diesem Zeitpunkt begann alles viel schneller zu gehen. Es muss ungefähr mit meiner Lektüre dutschkes begonnen haben dass ich aufhörte, zu zweifeln. An den Möglichkeiten, die sich nie bieten würden. An meinen Fähigkeiten. Ich bin mir jetzt sicher, dass ich schaffen kann, was immer mir vorschwebt. Und ich weiß, wie ich es schaffen werde.
Mein Selbst bewegt sich immer mehr hin zu einem politischen Aktivisten. Ich mag den Vergleich zu Dutschke nicht und doch sehr. Nicht, weil mir einiges an Fähigkeiten fehlt, die er besaß. Schon, weil er mich antreibt, sein Leben mir als Vorbild dient. Weil seine Ideen in mir wieder aktuell werden (und sicher auch in anderen), aber vor allem seine Art und Weise des Umgangs mit Menschen und Fragestellungen. Ich merke, wie ich weniger sarkastisch und zynisch bin, viel konstruktiver arbeite und auch denke. Und mehr arbeite, mehr lese vor allem. Mehr mache. Es gab keinen Zeitpunkt an dem ich wirklich aufhörte, Privatleben und Beruf zu trennen, aber mir fiel es in den letzten Tagen besonders auf. Welche Hobbies sollen in meinem Lebenslauf, wenn alle Freizeit Beruf und aller Beruf Freizeit ist? Letztlich ist alles Berufung, Selbst-Berufung. Die Zeit des Lebens, die wenige, die jeder von uns doch zur Verfügung hat, ist mir zu schade, um sie zu verschwenden. Um fernzusehen - sinnlosen quatsch. Um stillzustehen, mich über alle Maße auszuruhen. Vielleicht fehlt mir dazu auch das Sinn-Verständnis oder die Ruhe eines Zen-Buddhisten. Vielleicht ist meine übersprudelnde Energie, die mich oft erfasst, einfach nur Unruhe. Unruhe wie heut in dem schlechten Seminar mit dem schlechten Hiwi, der es leitete. Oder wie jeden Tag auf dem Weg zum Bahnhof, den ich unheimlich schnell zurücklege. Oder und und.
Und es läuft gut zur Zeit. Ich schaffe etwas, wohl auch durch den regelmäßigen Tagesablauf. Nie soviel, wie ich will, aber doch mehr als vorher. Und ich weite mein Engagement aus, was mich befriedigt. Es soll noch mehr werden, vor allem aber, ganz in DUtschke-Manier, mehr Kontakte zu potenziell wichtigen Personen. Personen, mit denen ich politisch arbeiten kann. Auch das ein begriff, der erst vor kurzen Einzug in meine persönliche Selbstbeschreibung fand. Politisches Arbeiten bei teilweiser Verachtung der Politikerelite. Elite sein und Elite verachten - in vielen Sinnen - das scheint dialektisch.
Aber es wird mir auch immer klarer, dass es wenige Menschen gibt, die bereit sind, Opfer zu bringen. Opfer, die ich wohl als Bereicherung ansehe wie etwa das aufgeben jeglicher Freizeit durch die Aufgabe des Begriffes. Opfer wie das unbedingte, unopportunistische Einstehen für seine Worte und Taten. Ich denke, dass ich dafür langsam bereit bin: mich für mich selbst zu verantworten, es auch tun zu können. Vielleicht hat das auch immer mehr mit dem Wandel meines Selbstbildes zu tun.
Und immer wieder: die Soziologie. Wozu ist sie da? Heute wieder eine kleine Vorstellungsrunde dazu: warum studiert ihr es? Interesse größtenteils, an der Gesellschaft. Aber auch: Personalabteilung, Marktforschungsinstitut. Sofort exmatrikulieren - das wäre meine Meinung. DIe SOziologie wird mir immer mehr zum Instrument des Verständnisses der Gesellschaft - ihr originärer Anspruch. Aber nicht nur ein Verstehen des Verstehens willen, sondern um zu verändern. Um ansetzen zu können, Hebel zu bewegen. Um lenin auf die Füße zu stellen.
Was jedoch immer mitschwebt ist die Frage, wann der STurz kommt. Es ging immer auf und ab in meinem Leben - wie wohl in den meisten. Dies ist der größte Aufschwung, den ich jemals erlebte. Wann und wie kommt der Abschwung? ich kann und will mich dagegen nicht wappnen, das würde bremsen und ein STück weit Utopien zerstören, die wichtig sind, um vorwärts zu kommen. Die Utopie, dass ich etwas Einfluss hätte vielleicht. oder, dass ich leute bewegen könnte, sich einzusetzen. Wohl verfehlt. Und die Utopie, dass es immer weiter aufwärts gehen kann.
Was sich herauskristallisiert sind vor allem längere Tage und noch kürzere Nächte. Es sind Treffen, die meine Tage füllen, Gremien und Gruppen oder wie man diese Versammlungen auch immer soziologisch fassen will. Es ist ein Leben auf Achse, ein Bahncardleben, ein Traum. Ein Traum, den ich hoffentlich nicht so ganz allein Träume, ein Traum von Fortschritt und der Möglichkeit einer besseren Welt, die nicht auf einer Insel liegt. Die Möglichkeit keiner Insel also.
19.4.07 22:00
 


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