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auf Reisen.

In Berlin war ich ständig versucht, alle STereotypen über mich mit dem Begriff des "Reisenden" wegzuwischen bzw. auszuschalten. Reisender in doppeltem Sinne: Zwischen verschiedenen Städten, Ländern, jetzt auch Inseln auf der einen Seite, also geographischen Orten und Theorierichtungen, Gedanken, Lebensstilen, Möglichkeiten des Lebens und Wissens auf der anderen. Ein Reisender also theoretisch-praktisch, wie (wieder einmal) Dutschke sagen würde.
Dies kam mir heut wieder in den Sinn und ich kann es nur für mich selbst bestätigen und wiederholen. Der Urlaub auf Borkum tat mir gut, ebenso wie die anderen beiden Reisen unmittelbar davor. Aber vor allem Borkum: auch persönlich sehr schön. Wenig gelesen, dafür entspannt wiedergekommen und eine schöne Insel kennen gelernt, es lohnt sich, dort Urlaub zu machen. J. sagte auch, ich wäre braun geworden - quasi als äußerliche Manifestation der Entspanntheit.
Und es geht mir gut zur Zeit - wohl wissend, wie fragil dieser Zustand ist und nicht ist. Paradox? Ja und nein. Es kann sich sehr schnell ändern, ja, doch ging es mir seit dem Beginn des Studiums nicht mehr richtig schlecht. Immer war - und ist - eine perspektive da. ich glaube, dass ich - wie Star sagt - meinen Weg gefunden habe. Nicht nur die Ziele wie vorher, sondern auch den Lebensstil, den ich pflegen will und muss, um diese zu erreichen. Dutschke hat mir dabei zweifellos geholfen - als Vorbild und Anstoß. Nicht unbedingt seine politischen Vorstellungen sind es, die mich faszinieren (wenn auch teilweise sympathisch), vielmehr der Mensch und seine Lebensweise. Das ständige Infragestellen des eigenen Leben sowie der politischen und gesellschaftlichen realität, das ausdiskutieren jeglicher Probleme und Konflikte und der unbändige Wille, die Welt nach den antiautoritären, sozialistischen Vorstellungen zu verändern sind mehr als vorbildhaft.
EIgentlich sollte mich das viele, was ich so tue, schon ausfüllen. Ich bin zufrieden (denn Glück strebe ich nicht an) mit meinem Leben, allerdings fehlt mir eine wirkliche praktische politische Tätigkeit. Zwar verachte ich teilweise das, was in unserer Gesellschaft als Politik tituliert wird, halte es für strukturell wirkungsschwach. Doch glaube ich, dass eine andere politische Wirklichkeit etabliert werden kann. Eine auf Wissen beruhende, nicht auf Macht. Eine, die den Menschen hilft, nicht sich selbst. Habe noch kein Konzept dafür, aber viele (gute?) Ansätze, die es weiter zu verfolgen lohnt.
bald werde ich 20 - und es bedeutet mir so gar nichts. Das spärliche Reden darüber ist ein Spiel mit der Konvention der Menschen wie der Sprache (und damit wiederum der Menschen), ein Abklatsch ihrer Denkweisen. Ich freue mich vielmehr, dass Samstag Ausflugswetter wird, vielleicht für einen See, Bewegung, kein Stillstand (und weg von den ganzen Anrufen). Freue mich, dass D. wiederkommt - unsere theoretische (und praktische?) Arbeit kann dann hoffentlich endlich beginnen. Vielleicht wird das auch eine Perspektive für ihn, die er so lange gesucht zu haben scheint.
Was bleibt vom Thema des Eintrages, dem Reisen? Falsche Frage, vielmehr sollte es lauten: Wie äußert sich das Reisen in all diesen Handlungen/Gedanken?
Wohl als fortschreiten, besser formuliert: als streben. D. sagte mir letztens, dass ich radikal leben würde - was mich überaschte und zum Nachdenken brachte. Vielleicht hat er recht, auch, wenn er konsequent meinte. Von radikal bin ich zu weit entfernt. Doch Konsequenz ist mir wichtig, im Denken wie dann eben auch im Handeln. Es ist ein zu erstrebendes Ideal, vielleicht ein Grundsatz, den ich befolgen will. Deshalb den ganzen tag lesen, viel engagieren, wenn es sinnvoll erscheint und so vieles mehr, was sich in Kleinigkeiten äußert. Für mich ist das wohl einer der wichtigsten Aspekte von einem Leben, das ich führen kann (muss?).
Genug auf Reisen werde ich niemals gewesen sein, doch weile ich jetzt eine Weile in Duisburg. Zeit, die es zu nutzen gilt um die 10.000 Werke, die noch gelesen werden wollen, zu beginnen und auch mal ein paar Bücher zu beenden. Dutschke hat erst kurz vor seinem Tod ein Buch ausgelesen.
Und nun zurück zu den Büchern, noch bis ~1 Uhr ...
11.4.07 22:28


Neudefinition

Das Leben als vollständige Neudefinition des eigenen selbst. Das mag soziologisch klingen oder literarisch, je nach Hintergrund des Rezipienten. Wichtig ist jedoch die dahinter stehende Aussage, auch und vor allem für mich: Das Leben ist eine Veränderung, in der man seinen eigenen Status und die damit verbundenen Rollen ständig neu definiert. Sich neu definiert. Und, wie in meinem Falle, seine Aufgabe.
Ich merke zur Zeit an jedem meiner langen Tage, wie sich dieser Prozess der Neudefinition nicht mehr nur schleichend fortbewegt, sondern aktiv von mir angetrieben und gesteuert wird. Als mir die Richtung dessen klar wurde, als ich wusste, wer oder was ich sein möchte in meinem Leben, ab diesem Zeitpunkt begann alles viel schneller zu gehen. Es muss ungefähr mit meiner Lektüre dutschkes begonnen haben dass ich aufhörte, zu zweifeln. An den Möglichkeiten, die sich nie bieten würden. An meinen Fähigkeiten. Ich bin mir jetzt sicher, dass ich schaffen kann, was immer mir vorschwebt. Und ich weiß, wie ich es schaffen werde.
Mein Selbst bewegt sich immer mehr hin zu einem politischen Aktivisten. Ich mag den Vergleich zu Dutschke nicht und doch sehr. Nicht, weil mir einiges an Fähigkeiten fehlt, die er besaß. Schon, weil er mich antreibt, sein Leben mir als Vorbild dient. Weil seine Ideen in mir wieder aktuell werden (und sicher auch in anderen), aber vor allem seine Art und Weise des Umgangs mit Menschen und Fragestellungen. Ich merke, wie ich weniger sarkastisch und zynisch bin, viel konstruktiver arbeite und auch denke. Und mehr arbeite, mehr lese vor allem. Mehr mache. Es gab keinen Zeitpunkt an dem ich wirklich aufhörte, Privatleben und Beruf zu trennen, aber mir fiel es in den letzten Tagen besonders auf. Welche Hobbies sollen in meinem Lebenslauf, wenn alle Freizeit Beruf und aller Beruf Freizeit ist? Letztlich ist alles Berufung, Selbst-Berufung. Die Zeit des Lebens, die wenige, die jeder von uns doch zur Verfügung hat, ist mir zu schade, um sie zu verschwenden. Um fernzusehen - sinnlosen quatsch. Um stillzustehen, mich über alle Maße auszuruhen. Vielleicht fehlt mir dazu auch das Sinn-Verständnis oder die Ruhe eines Zen-Buddhisten. Vielleicht ist meine übersprudelnde Energie, die mich oft erfasst, einfach nur Unruhe. Unruhe wie heut in dem schlechten Seminar mit dem schlechten Hiwi, der es leitete. Oder wie jeden Tag auf dem Weg zum Bahnhof, den ich unheimlich schnell zurücklege. Oder und und.
Und es läuft gut zur Zeit. Ich schaffe etwas, wohl auch durch den regelmäßigen Tagesablauf. Nie soviel, wie ich will, aber doch mehr als vorher. Und ich weite mein Engagement aus, was mich befriedigt. Es soll noch mehr werden, vor allem aber, ganz in DUtschke-Manier, mehr Kontakte zu potenziell wichtigen Personen. Personen, mit denen ich politisch arbeiten kann. Auch das ein begriff, der erst vor kurzen Einzug in meine persönliche Selbstbeschreibung fand. Politisches Arbeiten bei teilweiser Verachtung der Politikerelite. Elite sein und Elite verachten - in vielen Sinnen - das scheint dialektisch.
Aber es wird mir auch immer klarer, dass es wenige Menschen gibt, die bereit sind, Opfer zu bringen. Opfer, die ich wohl als Bereicherung ansehe wie etwa das aufgeben jeglicher Freizeit durch die Aufgabe des Begriffes. Opfer wie das unbedingte, unopportunistische Einstehen für seine Worte und Taten. Ich denke, dass ich dafür langsam bereit bin: mich für mich selbst zu verantworten, es auch tun zu können. Vielleicht hat das auch immer mehr mit dem Wandel meines Selbstbildes zu tun.
Und immer wieder: die Soziologie. Wozu ist sie da? Heute wieder eine kleine Vorstellungsrunde dazu: warum studiert ihr es? Interesse größtenteils, an der Gesellschaft. Aber auch: Personalabteilung, Marktforschungsinstitut. Sofort exmatrikulieren - das wäre meine Meinung. DIe SOziologie wird mir immer mehr zum Instrument des Verständnisses der Gesellschaft - ihr originärer Anspruch. Aber nicht nur ein Verstehen des Verstehens willen, sondern um zu verändern. Um ansetzen zu können, Hebel zu bewegen. Um lenin auf die Füße zu stellen.
Was jedoch immer mitschwebt ist die Frage, wann der STurz kommt. Es ging immer auf und ab in meinem Leben - wie wohl in den meisten. Dies ist der größte Aufschwung, den ich jemals erlebte. Wann und wie kommt der Abschwung? ich kann und will mich dagegen nicht wappnen, das würde bremsen und ein STück weit Utopien zerstören, die wichtig sind, um vorwärts zu kommen. Die Utopie, dass ich etwas Einfluss hätte vielleicht. oder, dass ich leute bewegen könnte, sich einzusetzen. Wohl verfehlt. Und die Utopie, dass es immer weiter aufwärts gehen kann.
Was sich herauskristallisiert sind vor allem längere Tage und noch kürzere Nächte. Es sind Treffen, die meine Tage füllen, Gremien und Gruppen oder wie man diese Versammlungen auch immer soziologisch fassen will. Es ist ein Leben auf Achse, ein Bahncardleben, ein Traum. Ein Traum, den ich hoffentlich nicht so ganz allein Träume, ein Traum von Fortschritt und der Möglichkeit einer besseren Welt, die nicht auf einer Insel liegt. Die Möglichkeit keiner Insel also.
19.4.07 22:00


Herbert Marcuse

Die Reihe 'Große Denker' von Panorama macht gute Bücher - Einführungen in das Leben eben großer Denker. Ich las in weniger als 24 Stunden die Ausgabe über Herbert Marcuse von H. Brunkhort und G. Koch. Was mir wirklich gefiel, ja mich bewegte war seine Verbindung von politischer Theorie und Praxis, die man bei den anderen Vertretern der Kritischen Theorie wohl nie so deutlich findet wie bei ihm. Auch war er der einzige aus der Frankfurter Schule, der nach dem krieg in den USA blieb und lehrte. Hier einige Zitate:

" Unter der konservativen Volksbasis befindet sich jedoch das Substrat der Geächteten und Außenseiter: der Ausgebeuteten und Verfolgten anderer Rassen und Farben, die Arbeitslosen und die Arbeitsunfähigen. Sie existieren außerhalb des demokratischen Prozesses; ihr Leben bedarf am unmittelbarsten und realsten der Abschaffung unerträglicher Verhältnisse und Insitutionen. Damit ist ihre Opposition revolutionär, wenn auch nicht ihre Bewußtsein. Ihre Opposition trifft das System von außen und wird deshalb nicht durch das System abgelenkt; sie ist eine elementare Kraft, die die Regeln des SPiels verletzt und es damit als ein aufgetakeltes Spiel enthüllt. Wenn sie sich zusammenrotten und auf die STraße gehen, ohne Waffe, ohne Schutz, um die primitivtsne Bürgerrechte zu fordern, wissen sie, daß sie Hunden, Steinen und Bomben, dem Gefängnis, Konzentrationslagern, selbst dem Tod gegenüberstehen. Ihre Kraft steht hinter jeder politischen Demonstration für die Opfer von Gesetz und Ordnung. Die Tatsache, daß sie anfangen, sich zu weigern, das SPiel mitzuspielen, kann die Tatsache sein, die den Beginn des Endes einer Periode markiert."


Und an anderer Stelle über das Widerstandsrecht:
"Es gibt kein derartiges Recht für irgendeine Gruppe oder ein Individuum gegen eine verfassungsmäßige Regierung, die von der Mehrheit der Bevölkerunggetragen wird, und es kann ein solches Recht auch nicht geben. Aber ich glaube, daß es für unterdrückte und überwältigte Minderheiten ein >Naturrecht< auf Widerstand gibt, außergesetzliche Mittel anzuwenden, sobald die gesetzlichen sich als unzulänglich herausgestellt haben. ... Es gibt keine anderen Richter über ihnen außer den eingesetzten Behörden, der Polizei und ihrem eigenen Gewissen. Wenn sie Gewalr anwenden, beginnen sie keine neue Kette von gewalttaten, sondern zerbrechen etablierte. Da man sie schlagen wird, kennen sie das Risiko, und wenn sie gewollt sind, es auf sich zu nehmen, hat kein Dritter , und am allerwenigsten der Erzieher und Intellektuelle, das Recht, ihnen Enthaltung zu predigen."

abschließendes Fazit über ihn im Buch:
Die interne STruktur von Marcuses Argumentation zeigt deutlich, daß er sein philosophisches Erbe für ein politisches hielt. Der Kantische Kategorische Imperativ lag ihm da näher als ein subjektiver Materialismus.

Warum sollte uns das nicht Vorbild sein?
22.4.07 22:30


Was macht eine gute Lehre aus?

Welcher Student kennt es nicht: Überfüllte Lehrveranstaltungen, uninformierte Dozenten, Chaos bei den Prüfungen und schlichtweg fehlende Veranstaltungen, die zum schnellen Studium notwendig werden. Dies soll sich nun, in Zeiten von Studiengebühren, ändern. Seitdem der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner eine Exzellenzinitiative für die Lehre ins Gespräch brachte, häufen sich die Beiträge mit Gedanken, wie diese aussehen könnte und wie man die Lehre verbessern könnte. Bildungsforscher schreiben Zeitungsartikel, Hochschulen schaffen kleinere Preise für eine gute Lehre und die Zeit schreibt ein Expertengremium aus, das derartige Vorschläge bewerten soll. Was aber macht eine gute Lehre aus? Es sollen zuerst die Voraussetzungen des Lehrpersonals erläutert werden und in einem zweiten Abschnitt soll auf die strukturellen Aspekte einer guten Lehre eingegangen werden.

Was vorausgesetzt werden kann und sollte ist die Kompetenz der Lehrenden auf seinem Fachgebiet. Dass damit nicht immer eine spürbare Begeisterung für den zu lehrenden Stoff einhergeht, mag auch an einem Mangel didaktischer Fähigkeiten liegen, auf die später eingegangen wird, ist jedoch für eine gute Lehre nicht zwingend notwendig. Doch wird es heutzutage immer wichtiger, dass die Lehrenden auch ein zumindest überblickartiges Wissen über das gesamte Fach haben, aus dem sie ein Teilgebiet lehren. Auch interdisziplinäres Wissen gewinnt zunehmend an Bedeutung. So können die immer komplexer werdenden Zusammenhänge erklärt werden, beispielsweise das Funktionieren von Teilgebieten der Gesellschaft oder deren Zusammenspiel. Auch dem Wissensdurst der Studierenden, die gerade am Anfang ihres Studiums noch nicht im fachlichen Rahmen denken, kann so beigekommen werden. Dieser kann natürlich auch nur gestillt werden, wenn die Dozenten Fragen innerhalb von Seminaren und auch Vorlesungen zulassen und diese auch nicht nur abwehrend beantworten. Auch in Sprechstunden, am Telefon und per eMail sollten Studenten die Möglichkeit haben, mit den Dozenten auch längere inhaltliche und organisatorische Sachverhalte zu erörtern. Für die letzten beiden Punkte ist es unerlässlich, dass die Dozierenden ein vitales Interesse am Lernerfolg der Studierenden haben, was viele Studenten bei ihnen vermissen.
Um das Wissen herüberzubringen, was die Lehrenden aufgrund ihrer positiven Einstellung zu Studierenden und ihrer Sachkompetenz, über die sie verfügen, ja eigentlich könnten, benötigen sie gewisse didaktische Fähigkeiten. Doch werden sie oftmals, wie Jan-Martin Wierda schrieb, als ‚unausgebildete Hilfslehrer’ in ihren Beruf geworfen, die über solche Fähigkeiten nicht oder kaum verfügen, sofern sie nicht autodidaktisch angeeignet sind. Da dies gehäuft auftritt, kann man es sowohl als individuelles wie auch als strukturelles Problem bezeichnen. Auch dazu gibt es einige gute Ideen wie Weiterbildungszentren (Kompetenzzentren) für Lehrende, in denen ihnen in der vorlesungsfreien Zeit didaktische Fähigkeiten, Präsentationstechniken und technische Möglichkeiten näher gebracht werden, durch die ihre Lehre sich verbessern soll. In Zeiten fortschreitender technischer Entwicklungen ist vor allem der Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln wie Powerpointpräsentationen sowohl für Studierende als auch Lehrende eine große Erleichterung und sollte ausgebaut werden, ohne die klassische Lektüre wissenschaftlicher Literatur zu verdrängen. Zum vitalen Interesse am Lernerfolg der Studierenden gehört natürlich auch die regelmäßige Überarbeitung dieser Unterlagen und Hinweise auf die neuesten Ausgaben von Lehrbüchern und weiterführender Literatur. Auch eine Anknüpfung an neuere Theoriedebatten ist vor allem (aber nicht nur) in höheren Semestern erwünscht und sinnvoll.
Weiterhin lassen Dozenten Kenntnisse über Aufbau und Lernziele der angebotenen Studiengänge und Ziele einzelner Veranstaltungen oft vermissen. Das mag an mangelnder Schulung (strukturell) oder persönlichem Desinteresse (persönlich) liegen, erschwert jedoch die Lehre unnötig und ist, seitdem Studenten mit Studiengebühren belastet sind, nicht mehr hinzunehmen. So kommt es häufig zu Dopplungen von Inhalten, auch in den eigentlich gut strukturierten Bachelor- und Masterstudiengängen. Die Umetikettierung von alten Diplom- in neue Bachelorstudiengänge soll hier nur kurz erwähnt werden und ist zu komplex, um vertiefend darauf einzugehen.
Als wichtigstes strukturelles Problem, welches eine gute Lehre erschwert, ist die schlechte Lehrplanung vieler Institute anzusprechen. Die mit (realen oder fiktiven) Sachzwängen begründeten Beschränkungen auf immer weniger Lehrveranstaltungen mit immer mehr Studierenden gehen eklatant zu Lasten ihrer Qualität. Es ist kaum möglich, eine große Anzahl Studenten mit in die Veranstaltungen mit einzubeziehen, mit und nicht nur zu ihnen zu kommunizieren. Schwierig ist es weiterhin, in Seminaren mit 50-60 Personen zu diskutieren oder in Vorlesungen mit 300 oder mehr Personen Fragen zu stellen. Lehrforschungsprojekte mit mehr als 30 Leuten bieten keinen Raum für Einblicke in die Forschung, eines der für Studenten interessantesten Gebiete des Studiums. Um eine gute Lehre zu ermöglichen, muss 1) sichergestellt werden, dass es zu jeder Teildisziplin des Faches wie im Studienverlaufsplan (Modulhandbuch) Veranstaltungen gibt und dass diese 2) in einem angemessen kleinen Rahmen stattfinden, der jedem Studenten die Möglichkeit zur individuellen Beteiligung gibt. Dazu können die Studiengebühren zu ihrem originären und gesetzlich verankerten Zweck – der Verbesserung der Lehre – eingesetzt werden, ohne dass Landesmittel gestrichen werden.

Es gibt viele Anknüpfungspunkte, wie eine gute Lehre aussehen kann. In diesem Beitrag wurde versucht, sie nach individuellen und strukturellen Punkten zu gliedern und zu problematisieren. Teilweise wurden Beispiele aus der Praxis mit aufgenommen und an die Schwierigkeiten des Bologna-Prozesses an deutschen Hochschulen angeknüpft. Die Punkte sind nicht als abschließende Aufzählung zu betrachten sondern sollen einen kurzen Überblick darüber geben, was eine gute Lehre ausmacht. Dass sie möglich ist, beweisen viele Dozenten, denen die Bewunderung des Autors und vieler anderer Studenten gebührt.


Geschrieben für Zeit Campus - mal schauen, was sie damit oder mit mir machen.
22.4.07 22:32





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