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eigentlich geht es mir gut

Ich hatte eigentlich geplant, dieses Blog nicht als Seelenstriptease zu gestalten, nicht so sehr über mich zu schreiben, denn ich bin uninteressant im Gegensatz zu der großen Welt da draußen, die darauf wartet, beschrieben und entdeckt zu werden. Doch musste ich heute eine Feststellung machen, so einfach wie komplex, die mein Lebensgefühl momentan ausdrückt, mich ausdrückt: eigentlich geht es mir gut.
Ich führe genau das Leben, was ich schon immer führen wollte: Frei in der Ausgestaltung, viel lesen und immer wieder Wissen, Wissen, Wissen. ich beginne zu verstehen, wie diese Welt, wie die Gesellschaft als namenloses Großes funktioniert und weiß doch gar nichts. Anwenden kann ich die soziologischen Theorien, kann die Instituationalisierung der Macht anhand meiner selbst erklären und dabei doch so unverständig wirken, als würde ich nicht so recht wissen, was ich da tue. Mich umgeben Menschen, mit denen ich mich umgeben möchte, die ich mir ausgesucht habe als Zeitgenossen, die intelligent sind und belesen, die aber auch eines tun: verstehen. Verstehen, dass es im Leben um mehr geht als viel geld zu verdienen, die Liebe des Lebens zu finden und das konservative Familienbild in seiner Gänze auszufüllen. Verstehen, dass es nict auf die Kleidung und den ersten Eindruck ankommt. Beginnen zu verstehen, dass das Leben nur ein Ziel haben kann: Ewigkeit. Vielleicht erlebe ich zum ersten Mal in meinem Leben soetwas wie wirkliche Freundschaft, zumindest fühlt es sich danach an. Sie tun mir gut und ich hoffe, sie ebenso bereichern zu können durch meine nicht immer Höflichkeitskonforme, aber doch selbst ausgesuchte Art. Nicht zuletzt N., das intellektuelle Hegelwürmchen, tut mir gut. Unsere gemeinsamen Vorhaben, unsere literarischen Experimente und unsere gemeinsame Zeit: so eine Beziehung wollte ich immer führen. Voller gemeinsamen Engagements, voller Literatur, voller Gedanken. Fernab vor allem von dem, was die Jugend heut (und wohl auch gestern) Leben nennt und auch lebt.
Und doch: es bleibt dieser Wunsch nach mehr, der mich schon immer begleitete und nie versiegen wird. Meine Zeit ist jetzt schon knapp und durchgeplant, trotzdem will ich mich mehr engagieren, denn es ist die einzige Möglichkeit. Mein Regal ist voller ungelesener Bücher, doch will ich mehr. Mein Stundenplan ist voll und ich bin oft erschöpft von soviel Uni, trotzdem will ich gern mehr Kurse belegen, mir mehr Wissen aneignen. Nicht um Elite zu sein, um besser zu sein als andere - ich brauche keine Noten zur Bestätigung. Nur, um die Möglichkeit zu bekommen, mir immer mehr Wissen anzueignen, zu lernen, zu forschen. Ein Semester studiert und schon habe ich das Thema für meine Doktorarbeit gefunden, ein Thema, das sich nicht in sich selbst erschöpft. Ein Semester studiert und ich fühle mich eingetaucht in diesen Kosmos der Uni, wo andere noch nicht so recht angekommen sind. Nicht zuletzt will ich mehr tun, um anderen Menschen zu helfen, in einem immer größeren Maßstab als jetzt, doch je mehr ich tue, desto größer wird der Maßstab.
Voller Tatendrang bin ich heut, meine Schreibweise leidet etwas darunter, dass ich soviel gleichzeitig möchte. Darum werde ich jetzte Katharina Hacker auslesen, danach Murakami eine zweite Chance geben gemäß Daniel, der sich so ziemlich jedes Buch empfehlen lässt, ohne Vorurteile zu haben.
21.2.07 23:18


einmal leben

Dieses Leben, das andere intellektuell nennen würden, langweilt mich. Es langweilt mich solange, wie es nur aus Wissen ansammeln besteht, nur aus lernen, lesen. Es ist öde, Theorien nur zu kennen, sie nicht anzuwenden. Das mag die Sache anderer sein, meine ist es jedenfalls nicht. Das ist doch kein Leben, dieses bloße Wissen von Dingen, das eben doch nicht Wissen ist, weil die Anwendung fehlt.
Einmal Teil einer Jugendbewegung sein - wie ein Freund schon sagte. Das ist ein Traum. Einmal die Massen bewegen, aufklären, einmal diese taube und stumme Gesellschaft durchbrechen, ihr die eigene Unmündigkeit, Trägheit, ich will fast sagen: Faulheit aufzeigen. Ihr zeigen, was geht, dass es anders geht, dass Gesellschaft eben machbar ist. Was übrigens schon die alten griechen erkannt hatten, doch vieles von dem, was sie damals wussten, ist heut wieder verloren gegangen. Aber keine Idealisierung archaischer, vielleicht schon direktdemokratischer Zustände, das führt zu nichts und wäre vor allem unkritisch.
Die Jugend ist heut entweder auf Spaß aus oder auf Erfolg, manchmal auf beides. Doch wer engagiert sich noch, wer setzt sich ein, nicht nur für die eigenen Ziele? Es widerstrebt mir, solche Menschen Elite zu nennen, doch ist es so, dass sie einander anschauen können und eine Bindung verspüren, eine Art Verwandtschaft der Ziele. Oder, technischer ausgedrückt: sie haben ähnliche Determinanten. Ich fühle mich sehr wohl im Kreise solcher Menschen um nicht gar zu sagen: nur dort. Sie wissen, worum es geht, und vor allem: worum es nicht geht. Nicht ums Aussehen, nicht um den Schein, nicht ums Geld. Nicht darum, sich besser zu fühlen, weil man andere schlecht machen kann. Das kann jeder und es ist ehrlich gesagt sehr trivial, sehr einfach gemacht. Doch kommt es darauf an im Leben keine Party verpasst zu haben um die eigene Jugend noch zu spüren?
Ich sage nein. Die Jugend verspürt man nicht auf der nächstbesten Party, nicht mit seiner Zunge im Hals eines dahergelaufnene. Das ist nicht Jugend, sie bietet soviel mehr. Jugend als Mobilität, als Kraft, wie sie leider oft ideologisch missbraucht wurde. Nicht als Wert an sich, aber als nutzbare Eigenschaft (zugegeben: askriptive Eigenschaft). Jugend als Zeit um aufzubegehren, um etwas entgegenzusetzen, der Gesellschaft, ihrer Verkurstetheit, ihrer Beschäftigung mit dem Unwichtigen. Es hat mich schon immer aufgeregt, dass die Politik sich halbe Jahre mit einer Gesundheitsreform beschäftigt, eine dringend notwendige Bafögerhöhung aber ohne viel Sachverstand innerhalb von 5 Minuten ablehnt. Deutschland die Wissensgesellschaft? ha! Aber warscheinlich haben sie nur nie Denken gelernt im BWL-STudium ...
Und sie kommen durch damit, weil die Betroffnene schweigen. Gab es einen Aufschrei, eine Stimme, die die presse erhört hätte? Nicht einmal Springer meldete sich lautstark zu Wort, nur Agenturmeldungen, kommentarlos. Die Jugend schaut gleichgültig zu.
Das müsste nicht so sein, wenn die Aufklärung sich wirklich durchgesetzt hätte. Kant schrieb vielerichtige Sätze dazu, die leider bei vielen nie angekommen sind. eigene Unmündigkeit? Weit verbreitet. Vernunft? Ha! - wo denn? Vernünftig wäre es, sich gemeinsam für gesellschaftliche Ziele einzusetzen, als Jugendbewegung FÜR etwas zu kämpfen. Aber nichts, niemand setzt etwas ernsthaft dagegen. Jetzt prescht sogar die FDP NRW zurück, will bei Studiengebühren Gesetzeslücken schließen - weil wer etwas tat?
Jedenfalls nicht die Studenten, die es betraf.
25.2.07 16:03


Katharina Hacker - Die Habenichtse

Ab jetzt gibt es zu allen Bücher, die ich lese, hier Rezensionen. Und weil das so schön und sogar von einigen Menschen erwünscht ist, fang ich sofort damit an. Habe vorhin das Buch von Hacker beendet und muss sagen, dass ich heut den gesamten Vormittag sehr verstört war wegen des Buches. Es hat mich auf eine sehr destruktive Art berührt und mir vor AUgen geführt, wie schlecht die Welt bzw. die Menschen sein kann/können. Ich weiß wirklich nicht, ob ich das Buch gut finden soll oder nicht bzw., um es weniger normativ zu formulieren: mag oder nicht mag. Es ist anders als die vielen Geschichten, die man kennt, die Handlung wird nur gestreift. Auch lebt dieses Buch von Andeutungen, von Nebensätzen, die Handlung darstellen oder nur geträumt sind, immer unterscheiden kann man das nicht. Es lebt sehr von Stimmungen und von der Sinnlosigkeit, die es einem zeigt, nein: auf die man als leser gestoßen wird. Dass das Leben sinnlos ist erkennen auch die Protagonisten und verstricken sich immer mehr darin, ja suchen nach etwas, was ihrem leben das Gefühl zurückgibt. Eigentlich haben sie alles, was ein junges und erfolgreiches Paar haben sollte - da folge ich dem Klappentext. Doch fehlt dem ganzen ein Sinn, ein Ziel, vielleicht auch ein übergeordneter Plan. Ihr Leben ist ein Treibenlassen, ein indenTagleben, nicht gesteuert. Was immer passiert, sie werden fertig damit, gewinnen ihm etwas Gutes ab.
Es gibt keinen radikalen bruch in dem Buch, wie ich ihn erwartet hatte. Vielmehr schleicht die Sinnlosigkeit sich in das Bewusstsein der Menschen ein, langsam, aber zäh, zeigt ihnen, wie wenig das Leben, das sie führen, ihnen eigentlich bedeutet. Wie wenig das alles eigentlich bedeutet. Immer wieder taucht auch der 11. September auf als großer Knall, als Moment, in dem sie begriffen, wie klein sie eigentlich sind und dass sie auch im nächsten Moment Opfer eines Terroranschlags werden könnten.
Das Ende hat mich, wie so oft, enttäuscht. Ich habe an sich nichts gegen offene Enden, aber dieses sagt so gar nichts aus - ebenso wie das gesamte Buch. Es sei denn, ich bin einfach nicht hinter die Aussage gestiegen, also will ich nicht abstreiten, dass andere Menschen einen Sinn dahinter sehen.
Trotz allem würde ich es empfehlen zu lesen. Weil es anders ist, einen anderen Blick auf die Welt offenbahrt, anders geschrieben ist.
Katharina Hacker, geboren in dem Jahr, als Kurras Benno Ohnesorg erschoss, hat zuvor schon einige Bücher veröffentlicht, doch dieses ist bisher an verkaufszahlen gemessen ihr größter Erfolg.
27.2.07 18:57





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