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Ambivalenz

Wo soll ich studieren? Dem Verstand oder dem Herzen folgend - das sind die 2 Optionen. Freiheit oder Glück, was steht mir besser zu Gesicht? Sicherheit oder Risiko? Geld - oder Liebe?

Ich schreibe zu wenig in letzter Zeit, lese viel. Manchmal vergesse ich dabei vollkommen die Zeit, wundere mich, wie spät es schon ist. Einzig die Stunde zwischen 17 und 18 Uhr bekomme ich voll mit - und warte. Warte auf Nachrichten, auf ein Zeichen aus der Neuen Welt.

Thorvald hat sich heut kurz mit mir unterhalten. Entgegen der Meinung anderer Menschen ist er mir absolut sympathisch, vielleicht wegen seiner sehr offenen Art, Weltoffenheit sagt man wohl, oder auch wegen seiner übergroßen Intelligenz. Intelligente Menschen mit Charakter findet man leider selten, noch seltener welche, die das WIR größer schreiben als das ich.

Ich habe mich von einem Gedanken getrennt diese Woche: Es gibt, entgegen aller Wünsche, keine Menschen auf der Welt die sind wie ich. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht.

Gestern waren wir in der Uni, Mikro, Kathi, janine, ich. Janine ist bald gefahren, was blieb waren wir drei. Komische Menschen, das muss man sagen. ich glaub, ich würde sie nie auf Dauer aushalten, auch, wenn wir uns verstehen. Auch sie sind nicht wie ich oder sollte ich besser sagen: ich bin nicht wie sie?
Lustig: Es gibt etwas, was diese beiden Menschen nicht über mich wussten. Zumindest Kathi hat es sehr intressiert, wenn ihr mich fragt, sie hätte es merken müssen. Na ja, Menschenkenntnis und damit auch das Interesse für Menschen scheint nicht sehr weit gesäht.

Morgen: zensurenschluss
Dienstag: letzter Schultag
Bald: Abiprüfung Deutsch
danach: Abiball und -fahrt
dann: Freiheit.

Weimar, ich komme. Im Herzen bin ich schon da, auch, wenns am Samstag nur in die Nachbarstadt Jena geht. Uni, wohin auch sonst.

ich würde gern jemandem den letzten Teil, den ich geschrieben habe, vorlesen. Er nist anders, assoziativer, freier geschrieben als anderes, aber auch abgehackter.

Was ich schon immer mal sagen wollte: Caro Heinz ist eine Nervensäge vom Format Janas. Wenn sie das nächste Mal anruft, bin ich doch tatsächlich nicht da. Jetzt weiß ich ja, wem diese Nummer gehört.

Sturmfrei zu haben ist schön, aber es nimmt meinen Tagen jeglichen Rahmen. ich vergesse mich selbst, bade noch um Mitternacht, Schule wird auffallend kürzer. Oder wie Thorvald sagte: "Du liest ja ne ganze Menge, davon wird man doch unheimlich klug." Ein schmunzelnder Satz ist das, ein wahrer, ein bewundernder aus seinem Munde. Wahrscheinlich wäre ich auch von seinem Potenzial enttäuscht, wenn ich es näher kennen würde.

ich glaube, ich brauche einen Menschen, der mir ebenbürtig ist. Auch, wenn das zumindest ein leser nicht so gern hört: ich fühl mich unterfordert mit den Menschen, mit denen ich öfters zu tun habe. Nichtmal Eva kann diskutieren bzw. sie will es nicht, viel lieber zieht sie ihre Augenbraue hoch.
Eine Erinnerung: Eva in Rom mit einer Modezeitschrift,. Aber: Niemand wollte mit ihr in ein Zimmer, K. tat das sogar mehr als laut kund, genau wie gestern ihre Sexgewohnheiten. Auch an diese Primitivität gewöhnt man sich - leider.

Nun werde ich schließen liebe leser - ein Satz aus Uwe Timms "Am Beispiel meines Bruders". Ein schönes Buch, lesenswert, inspirierend, wenn auch weniger als sein gegenstück "Der Freund und der Fremde".

PS: Ich hatte heut nachmittag einen Albtraum. S. hatte aufgegeben, ich versuchte sie von der Schönheit des lebens zu überzeugen und schaute jeden Tag, ob Blut an ihrem fenster klebte und eine Klinge dalag, als sie nicht mehr mit mir redete. Komisch, nach einer Leiche schaute ich nicht. Als ich aufwachte, pochte mein herz unheimlich schnell, ich war geschockt, als hätte ich gar nicht geschlafen. Ich glaube, wir werden uns nie wieder sehen.
18.5.06 18:36


Ambivalenz

Wo soll ich studieren? Dem Verstand oder dem Herzen folgend - das sind die 2 Optionen. Freiheit oder Glück, was steht mir besser zu Gesicht? Sicherheit oder Risiko? Geld - oder Liebe?

Ich schreibe zu wenig in letzter Zeit, lese viel. Manchmal vergesse ich dabei vollkommen die Zeit, wundere mich, wie spät es schon ist. Einzig die Stunde zwischen 17 und 18 Uhr bekomme ich voll mit - und warte. Warte auf Nachrichten, auf ein Zeichen aus der Neuen Welt.

Thorvald hat sich heut kurz mit mir unterhalten. Entgegen der Meinung anderer Menschen ist er mir absolut sympathisch, vielleicht wegen seiner sehr offenen Art, Weltoffenheit sagt man wohl, oder auch wegen seiner übergroßen Intelligenz. Intelligente Menschen mit Charakter findet man leider selten, noch seltener welche, die das WIR größer schreiben als das ich.

Ich habe mich von einem Gedanken getrennt diese Woche: Es gibt, entgegen aller Wünsche, keine Menschen auf der Welt die sind wie ich. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht.

Gestern waren wir in der Uni, Mikro, Kathi, janine, ich. Janine ist bald gefahren, was blieb waren wir drei. Komische Menschen, das muss man sagen. ich glaub, ich würde sie nie auf Dauer aushalten, auch, wenn wir uns verstehen. Auch sie sind nicht wie ich oder sollte ich besser sagen: ich bin nicht wie sie?
Lustig: Es gibt etwas, was diese beiden Menschen nicht über mich wussten. Zumindest Kathi hat es sehr intressiert, wenn ihr mich fragt, sie hätte es merken müssen. Na ja, Menschenkenntnis und damit auch das Interesse für Menschen scheint nicht sehr weit gesäht.

Morgen: zensurenschluss
Dienstag: letzter Schultag
Bald: Abiprüfung Deutsch
danach: Abiball und -fahrt
dann: Freiheit.

Weimar, ich komme. Im Herzen bin ich schon da, auch, wenns am Samstag nur in die Nachbarstadt Jena geht. Uni, wohin auch sonst.

ich würde gern jemandem den letzten Teil, den ich geschrieben habe, vorlesen. Er nist anders, assoziativer, freier geschrieben als anderes, aber auch abgehackter.

Was ich schon immer mal sagen wollte: Caro Heinz ist eine Nervensäge vom Format Janas. Wenn sie das nächste Mal anruft, bin ich doch tatsächlich nicht da. Jetzt weiß ich ja, wem diese Nummer gehört.

Sturmfrei zu haben ist schön, aber es nimmt meinen Tagen jeglichen Rahmen. ich vergesse mich selbst, bade noch um Mitternacht, Schule wird auffallend kürzer. Oder wie Thorvald sagte: "Du liest ja ne ganze Menge, davon wird man doch unheimlich klug." Ein schmunzelnder Satz ist das, ein wahrer, ein bewundernder aus seinem Munde. Wahrscheinlich wäre ich auch von seinem Potenzial enttäuscht, wenn ich es näher kennen würde.

ich glaube, ich brauche einen Menschen, der mir ebenbürtig ist. Auch, wenn das zumindest ein leser nicht so gern hört: ich fühl mich unterfordert mit den Menschen, mit denen ich öfters zu tun habe. Nichtmal Eva kann diskutieren bzw. sie will es nicht, viel lieber zieht sie ihre Augenbraue hoch.
Eine Erinnerung: Eva in Rom mit einer Modezeitschrift,. Aber: Niemand wollte mit ihr in ein Zimmer, K. tat das sogar mehr als laut kund, genau wie gestern ihre Sexgewohnheiten. Auch an diese Primitivität gewöhnt man sich - leider.

Nun werde ich schließen liebe leser - ein Satz aus Uwe Timms "Am Beispiel meines Bruders". Ein schönes Buch, lesenswert, inspirierend, wenn auch weniger als sein gegenstück "Der Freund und der Fremde".

PS: Ich hatte heut nachmittag einen Albtraum. S. hatte aufgegeben, ich versuchte sie von der Schönheit des lebens zu überzeugen und schaute jeden Tag, ob Blut an ihrem fenster klebte und eine Klinge dalag, als sie nicht mehr mit mir redete. Komisch, nach einer Leiche schaute ich nicht. Als ich aufwachte, pochte mein herz unheimlich schnell, ich war geschockt, als hätte ich gar nicht geschlafen. Ich glaube, wir werden uns nie wieder sehen.
18.5.06 18:36


Gestern habe ich eine freudige Nachricht erhalten, die mein Leben nachhaltig beeinflussen wird. Oder? Ja, doch, das hat sie wirklich gesagt, ja, das hab ich nbicht nur geträumt. Warum bin ich dann nicht glücklic`h? Ich sollte es sein, das ist mir schon gestern aufgefallen, doch irgendwie will sich dieses Glücksgefühl nicht einstellen. Ist es, weil ich immer mehr will, als ich bekommen kann? Ein Alkoholiker sagte mir mal, dass er deswegen zum Alkohol gegriffen hat, also vorsicht. Warum kann ich nicht einfach zufrieden sein mit dem, was ich habe und bekommen kan`n? Es macht mein Leben ungleich schwieriger, dass ich so bin wie ich bin. Das fällt mir immer wieder auf, auch, wenn ich vielleicht (laut der Aussage eines einzelnen Lesers) in den Himmel kommen werde.
Heut hab ich mich mit meinem Notebook an den Potsdamer Platz gesetzt, Sony Center. Bekanntlich ist da ja ein Hotspot, leider nur funktionierte das bei mir so gar nicht mit dem surfen. Anscheinend war ich da der einzige, denn niemand anders wechselte andauernd den Standort - nur ich.
Stattdessen hab ich dann Stadium Arcadium von den RHCP eingelegt, frisch gekauft, Kopfhörer rein und ein Kapitel von Venice Queen weiter geschrieben. Teilweise hat die Geschichte ein neues Gesicht angenommen, ist vielseitiger geworden. Thomas hat jetzt eine Schwester, ein echtes Problemkind. Ihr Name? In stetiger Verehrung einer bloden Göttin: kathi. :P Heb nicht ab deswegen, gib mir lieber mein Buch wieder.
Zurück zum eigentlichen Thema: Warum bin ich so unersättlich? Warum strebe ich danach, alle Menschen auf dieser Welt zu kennen? Es macht mich selbst wahnsinnig, immer alles zu wollen und nur selten das zu bekommen, was ich will. Vielleicht sollte ich es mir öfters nehmen, vielleicht weniger wollen. Was davon ist weniger unwahrscheinlich?
6.5.06 20:24


"... und das ist auch gut so"

Erster Mai - Tag der Arbeit. Natürlich, die ehemalige Arbeiterpartei gibt ein Fest. Vorher musste ich mich durch ein Volksfest zwängen, es störte mich so ziemlich alles daran. Die laute Musik,. der Gestank des Essens, aber vor allem die Menschen. Noch nie habe ich so viele (pardon) hässliche Menschen auf einen Haufen gesehen. Hässlich von der Sorte "Hart IV und stolz drauf" - heruntergekommen, meckernd, gaffend. Außerdem Nazis in Hülle und Fülle, aber bei Klaus Wowereits Anblick - meistens waren sie nur mit der Freundin unterwegs - waren sie ganz klein und leise.
Ja, Klaus Wowereit war auch da, das hat mich überascht. Groß ist er und wahnsinnig braun, die Hand wollte ich mir von ihm aber nicht schütteln lassen. Er ging durch den winzigen Kreis des Festes, hielt an jedem Stand, hinter ihm e9ine Traube von pseudowichtigen Personen, die im September zur Wahl stehen.
Ich habe mich irgendwann an den Rand gesetzt, alles drehte sich. Habe dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Walter Momper, und der Justizsenatorin Schubert zugehört, außerdem der Band.
Da - ein vorpubertäres Mädchen, das auf mich zukommt, mit mir redet - ohne Probleme. Karins Tochter Sophia - ein offenes, kluges Kind. Mir wurde bewusst, wie unbeschwert ihr Leben aus meiner Sicht ist. Sie ist behütet, keine auffalmmende Sexualität verstellt ihr den Blick oder leitet ihn, wie es bei Jugendlichen oft der Fall ist. Bald kommt sie auf meine (dann ehemalige) schule. Viel Glück.
Dann: Ein Muffin, der mir spendiert wurde, ich wollte schon zahlen. Doch Karin reicht schnell einen Euro rüber, vergeben und vergessen. Auf ihrem Arm Emilia, ein halbes Jahr alt. Große blaue Augen strahlten mich an, ein pummeliges Lächeln. Auch mich rührt so ein Baby.
Der Heimweg wieder durch die hässlichen Massen. Sie stoßen mich ab, Ekel überkommt mich. SOll ich sie alle überzeugen, dass Intelligenz wichtig ist, Bildung, Engagement? Nein, das schafft kein Menschenleben. Ich habe meine Taktik geändert, vor einiger Zeit schon. Von der Massenwirksamkeit zur Avantgarde, der einzigen Möglichkeit, wo ich nicht andauernd abgestoßen werde oder abpralle an verschiedenen Menschen. Vielleicht habe ich diese Taktik schon immer verfolgt.
Heute Abend: Wieder joggen, eine STunde der Sonne entgegen. Ich würde nie so lange laufen, wäre die Sonne nicht so wunderschön und warm, das Herz ergreifend. Die Welt scheint manchmal so einfach zu sein in dieser täglichen Stunde, mein Leben fast lächerlich. Meine Probleme lösen sich in Luft bzw. Sonne auf, alles wird leicht, nur die Waden und Knie Schmerzen. Hoffentlich reißt die Achillissehne nicht.

Diese Woche: Es soll warm und sonnig werden. Ich hab viel vor, werde wenig davon schaffen. Jusos? Mal schauen, ob ich eine bestimmte Person dort wirklich treffen will. Vielleicht werde ich auch damit bald abschließen.

PS: Die Absagen, die ich bekam, waren eher schlecht. Gute Ausreden sind wohl nicht mehr nötig?
1.5.06 22:10


"Wohin reist du: In einen Blick. Wo willst du ankommen? In einem Blick. Was siehst du, was treibt dich? Das Bild eines Kopfes, der sich auf einem Arm ablegt. Das Bild einer schmalen, abgearbeiteten Hand, die den Tee reicht, ein Gelächter, unterlegt mit den Geräuschen von Autohupen, kalt blasende Klimaanlagen, kleine Rum-Räusche, lange bunte Fingernägel. Eine Grabbelkiste der Stereotypen. Wohin reist du? Aus dem Warten hinaus, an das Ende aller Interimszustände, in ein Schweigen der Schlagzeilen und Slogans hinein, in die selbstständige Bewegung, dem geborgten Selbstverlust, einem anderen Zeitgefühl entgegen."
Roher Willemsen: Afghanische Reise S.10

Dieser Abschnitt des bis jetzt wudnerbaren Buchs hat mich sehr berührt. Ich saß auf dem Schulhof inmitten der Sonne, Amplifier tönte leise rauschend in meinem Ohr, das Buch las ich blinzelnd. Neben mir lag ein Mädchen, lesend, welches heute früh geweint hatte. Sie hatte geweint neben mir, ich glaube, sie ist verliebt. Das hat mich berührt, ich habe es zwar lächelnd ignoriert, doch ist es mir tief gegangen. Weint man in diesem Alter noch wegen der Liebe? Es scheint so und das macht mich glücklich. Nicht alle Menschen sind also gnadenlos abgedroschen, haben mit 18 schon die ganze Welt inhaliert und wünschen sich nun extremere, immer neue Zustände. Aber vielleicht sollte gerade ich diesen Satz nicht schreiben ...
Warten ist es, was nun schon seit bald 9 Monaten mein Lebensgefühl ist. Das Leben als Interimszustand, Willemsen beschreibt es vortrefflich. Ich Warte auf bessere Zeiten, weil ich das, was ich möchte, leider nicht erreichen kann. Soweit weg ist es, personifiziert am anderen Ende der Welt, so wenig kann ich dagegen tun, dieser Entfernung ausgeliefert zu sein. Doch es gibt Hoffnung: Jeden tag rückt ein Ende der Interimszustände näher, bald werde ich Frieden schließen können mit mir selbst und vielleicht eine Waffenruhe mit der Welt - wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum.
Aus den Augen, aus dem Sinn? Nein, wohl nicht. Viele Menschen sind gegangen in diesen 9 Monaten, ihren eigenen Weg, weg von mir. Das ist ok, das ist gut so, ich trauere ihnen nicht nach, zumal ich die meisten selbst ohne Wasser in die Wüste geschickt habe. Doch wenn wirklich ein Band zwischen 2 Menschen besteht, wenn sie sich wirklich etwas bedeuten, dann kann auch ein Jahr kompletter physischer und partieller geistiger Trennung ihrer Zuneigung keinen Abbruch tun. Ist das der Traum romantischer Liebe? Ich bin vollkommen unromantisch.
Ich gehe nun, einem anderen Zeitgefühl entgegen, jeden Tag ein bisschen schneller, und lese dieses wunderbare Buch in den nächsten paar Stunden bei durchs offene Fenster hereingelassener Sonne aus.

PS: Die Literatur hat mich vielleicht wieder ...
25.4.06 16:33


Promirennen auf engen Sitzen

Eigentlich wollte ich zu ner Lesung. Ja, das stand auch auf meiner Karte und dem Programm, das man mir in die Hand drückte. Also 15.30 los, Auto wurde mir aufgedrängt, dann an den Pariser Platz nach einen kurzem Zwischenstopp bei Dussmann und Jokers. Starbucks Kaffee und ein Buch, mehr brauchte ich auf meiner Bank für Stunden nicht. Die silbern angestrichene lebende Statue machte ihre Scherze mit den Leuten, ein paar davor liegende Punks wiederrum mit ihr. Irgendwann tauchten dann auch wieder die beiden Musikantinnen auf, die am Philosophentag dagewesen waren, ich war fast gewillt, ihnen mein ganzes Kleingeld zu vermachen doch gingen sie gerade, als ich das tun wollte und ein sich cool vorkommender junge wagte soetwas wie einen ultracoolen Flirtversuch bei der einen. Also weitergelesen mit dem schweren Kleingeld in der Tasche. Dann kam, überraschend, Sophie vorbei, grüßte kurz, kam zurück, fragte, ob ich sie und ihre Touristen fotografiere. Mach ich doch glatt, dann weiterlesen. Langsam wurde es eiskalt - kein Wunder nach Stunden. Dann schlichen 2 Frutten aus niederer Klasse aus meiner Schule über den Hof und setzten sich, zu meinem Erstaunen, auch an den Rand. Was machen solche Menschen dort? Vielleicht unterschätze ich sie ja.
Auf zur Lesung, Claus Peymann hatte geladen. Roger Willemsen bzw. meine volle Blase trieb mich schnurstracks ins Theater, beim Anstehen schleich Willemsen freundlich grüßend vorüber, ein Riese, während Artuori Ui laut brüllt im BE nebenan. Also rein in die immer überhitzte Probebühne, wo die Temperatur russisch reguliert wird: Fenster auf, Fenster zu. Claudia Roth, ihres Zeichens die halbe Parteivorsitzende der Grünen, trat herein. Nach Willemsen dachte ich ja, keinen größeren Menschen mehr zu erblicken an diesem Abend, doch Frau Roth schaffte locker 15 cm mehr. Auch sie nahm Platz, leise angestarrt von den Menschen.
Willemsen betritt die Bühne - Applaus. Dann: andächtiges Schweigen, es bewegt, was er über Guantanamo zu sagen hat, es kommt tief im Herzen der Menschen an. Er kann das, dieses Erzählen, er erreicht sie alle. Mein Po war da schon lange eingeschlafen, doch die Geschichten fesselten zu sehr als dass er das bemerkt hätte. Kleine Szene mit Hermann Beil, Dramaturg des BE, gelesen - beeindruckend. Dann weiter erzählt, geredet und geredet, am Ende lauter und extralanger Applaus. Beeindruckend. Diesem Menschen sollten die Leute zuhören!
Schnell noch ein Signum geholt, ihm einen schönen Abend gewünscht, dann bin ich glücklich heim gefahren mit ein paar zu besoffenen Halbstarken. ich glaube, das Mädchen hat ihren Mund etwas nah an den entblößten Unterleib des einen Jungen geführt, vor versammelter Mannschaft. Glücklicherweise wird sie sich morgen nicht mehr daran erinnern.

Was ist Glück? - fragte mich der Philosoph. Heute Abend ist es für mich die Literatur, gepaart mit politischem und sozialen Engagement, um "die Linie dazwischen ein bisschen mehr zu verwischen", wie Willemsen treffend in seinen Vortrag einstieg. Ich war glücklich heute Abend, so ganz allein, auch wenn ich dieses Glück gern mit jemandem geteilt hätte. Seis drum, niemand wollte mit und ich lasse mich von der Unlust und dem Zeitmangel anderer nicht vom Leben abhalten.

Gute Nacht

PS: Glück ist ein befreiendes Kinderlachen!
21.4.06 23:13


Schlachtensee

Seit über 4 Stunden hab ich mit niemandem geredet. Kann es etwas schöneres geben? Jedenfalls nichts erreichbares.
Ich nehm das Fotoprojekt in Kunst als Vorwand, andauernd mit meinen Kameras in die Stadt zu fahren, neue Orte zu erkunden. Heute: Zehlendorf, Schlachtensee, Mexikoplatz, Grunewald. Ich war da, außer in Grunewald, noch nie. Der Schlachtensee ist wunderschön, so ruhig, friedlich. Hab viele Fotos gemacht, Thema Wasser. Dazu Deftones, ein Buch über Literaturwissenschaften und das Geräusch der anfahrenden S-Bahn, die Sonne im Gesicht. Ein schöner Tag, nicht einsam, aber allein. Weit weg von meinem Leben, von den Fotos, die ich vorhin angeschaut hab und all den Sehnsüchten darin.
Schlachtensee und Zehlendorf sind übrigens wirklich schön, idyllisch. Es scheint, als wäre dort eine heile Welt. Sogar Brunnen haben sie vor den Bahnhöfen. Aber irgendwie schien es mir auch langweilig zu sein, alle Menschen dort waren entweder alt oder hatten einen Anzug an - oder beides. Vielleicht gibt es ja doch noch andere Stadtteile als Neukölln und Rütli-Town in Berlin oder good ol' Köpenick. Aber vielleicht täuscht der Schein ja. Muss mal Nina fragen, ob man das leben kann oder vor Langeweile langsam abstirbt.
Tagesmotto: Schweigen ist Gold.
18.4.06 17:41


Der persische Philosoph oder Die Geschichte des Sied Alaaddin Sied Shahabi

Der persische Philosoph oder
Die Geschichte des Sied Alaaddin Sied Shahabi

Es war Nachmittag, als ich wieder zum Pariser Platz kam und den Film in meiner Kamera wechselte. 36 Bilder in Schwarz/Weiß, allesamt Spiegelungen in verschiedenen Gebäuden. Komisches Schulprojekt. Ich lehnte an einem Geländer, neben mir spielten zwei Mädchen auf Gitarren und sangen. Andauernd klimperte Geld in ihre Gitarrentasche, dabei sahen sie alles andere als bedürftig aus. Doch ihr Gesang verzauberte auch mich, Ronan Keeting, Oasis, Bob Dylan und andere in Sopran. Ein wenig Fröhlichkeit lag über diesem Platz auf dem Touristen flanierten, Fotos schossen; Kutschen parkten, Taxis langsam vorwärts rollten und mir viele verschiedene Sprachen entgegen sprangen. Auf dem Fußweg malte eine Künstlerin im liegen riesige Bilder, sie schien glücklich zu sein. Hinter mir das Rauschen eines Brunnens, die Musik, die sich darunter mischte. Ja, ich war glücklich in diesem Moment und entgegen meinem ursprünglichen Plan, weitere Fotos zu machen, diesmal digital, holte ich den Block mit dem angefangenen Brief heraus und versuchte, „die Atmosphäre einzufangen für einen Menschen, der gerade leider nicht hier sein kann“. Nicht hier ist untertrieben, sie weilt am anderen Ende der Welt. Gerade, als ich nach eingehendem Einfangen schreiben konnte, dass ich glücklich bin, setzte sich ein kleiner Mann auf das Geländer neben mir, ein wenig zu dicht dafür, dass soviel Platz war. Die Musikerinnen waren eben gegangen, leise singend, nur das Rauschen des Brunnens untermalte den lauen Vorabend. Ich schaute kurz auf, wollte gerade wieder ansetzen zum Schreiben als er mich von der Seite fragte, ob er mich unterbrochen habe. Genau genommen stellte er es fest und fügte ein „hm?“ an. Ich lehnte, wie es meine Art ist, ab. Was er als nächstes sagte, weiß ich nicht mehr genau. Irgendetwas wie „ich bin hier eben gelaufen und dann bin ich zurückgelaufen, weil ich gesehen habe, dass du da schreibst und das fand ich schön.“ Schnell verwickelte er mich in ein Gespräch, ich ließ mich darauf ein. Es war einer der ersten Frühlingstage und meine Laune gut, Zeit war genug da, was konnte es also schaden? Er stellte sich mir in gebrochenem Deutsch als Philosoph vor, der sich auf die Schönheit des Lebens spezialisiert hatte. Kurz danach hatte ich seltsame Ausdrucke in der Hand, einen über Adam Opel und die möglichen Zusammensetzungen des Opelzeichens, dann einen bunten über die Staatsverschuldung Deutschlands.
Seine Statur war klein, eine Halbglatze zierte seinen braunen Kopf. Perser sei er, ein Studium hatte er angefangen, 54 Jahre als und seit 30 in Deutschland. Früher war er Busfahrer hier in Berlin, „mit schönen Erinnerungsfotos“, jetzt ist er ‚arbeitsunfähiger’ Rentner. Seine Augen sind braun wie meine, nur etwas heller, im linken ist unten ein dunkler Punkt. Die Zähne schlecht, aber alles sehr gepflegt, sogar die Fingernägel. Er trug gute Schuhe, ein Jacket, in dessen Innentaschen viele Schätze versteckt waren.
Bis zu dem Prospekt mit der Staatsverschuldung dachte ich an einen Pädophilien. Doch dann ließ ich mich darauf ein, wir gingen zum Bund der Steuerzahler in der Französischen Straße, nur kurz um die Ecke. Er argumentierte, fragte mich nur sehr dezent aus. Angekommen schauten wir uns die Uhr an, die die sekündliche Verschuldung Deutschlands zeigt, wie auf seinem Foto. Auf der anderen Seite ein Plakat mit Marcelinho, er argumentierte, er sehe gewalttätig aus. Gewalt ist sinnlos, darüber waren wir uns einig und redeten kurz über die Gewalt an Schulen. Er ließ sein Deutsch gern verbessern, was er mit einigen Fehlern aber recht gut sprach. Immer, wenn ich redete, und das war nicht viel, hörte er aufmerksam zu. Ich musste langsam und deutlich sprechen, damit er verstand. In seiner Argumentation wartete er immer auf ein Nicken, wenn er sprach oder ein andere Zeichen, dass ich verstanden hatte. Dann zeigte er wieder, an die Wand gelehnt, einige Karten, teilweise in Farsi und immer sauber eingeschweißt in Folie.
„ich heiße Ali, wie heißt du?“
Seitdem heiße ich Herr Rainald. Das klingt niedlich in gebrochenem Deutsch, ich fühlte mich wie in einem istanbuler Straßencafé. Die Menschen starrten uns an, weil er so laut redete und dabei mit der linken Hand wild gestikulierte, selten mit der rechten. Es ging Philosophie, ums sein und um den Schein. Irgendetwas erinnerte mich an Sciencetology. Die karten, die er mir aus seiner privaten und korrekt eingeschweißten Sammlung geschenkt hatte, hat er mir wieder abgenommen an dieser Wand. Er zeigte auf ein Auto und versicherte mir, wie viel Geist darin steckte, schließlich hatte Adam Opel es erfunden. Nur leider dächte niemand daran, wenn er ein Auto kaufe. Außerdem erzählte er mir die Geschichte von Arnold Brockhaus, anscheinend sein Lieblingslexikon. Als ich auf die Frage „Du bist doch intelligent, oder?“ antwortete „ich hoff’s doch“ meinte er vollkommen humorlos, entweder wüsste ich es oder ich wäre es nicht. Wir liefen wieder, an 4 Statuen, die die vier Elemente symbolisierten vorbei. Irgendwie schien mir, als würde er diesen Weg nicht zum ersten Mal redend durchlaufen, seine Argumente schienen immer zu passen, die Objekte für passende Beispiele immer parat zu sein. Als ich ihm sagte, es gäbe mehrere Varianten der Schöpfungsgeschichte, widersprach er mir vehement. „Ich kenne die Wahrheit und man muss immer korrekt sein.“
Wir setzten uns wieder an eine eiskalten, recht ruhigen Ecke auf noch kältere Steine. Nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich Agnostiker sei, blieb er zwar respektvoll (ich musste ihm erst das Wort erklären), aber seine Argumentation wurde aus dem Konzept gebracht. Überhaupt redete er sehr umständlich, was weniger seinem nicht ganz perfekten Deutsch als eher seinen zu ausführlichen Sätzen geschuldet war. Meist wusste ich schon am Anfang des Satzes, wo er am Ende, in 5 Minuten, sein würde. Er erklärte mir, indem er auf Zigarettenstummel zeigte, die dort wohl schon Jahre verrotteten, dass dies auch Menschen seien, dass dies auch zu mir wie zu ihm gehörte und dass sie uns sehen würden, in „ihrer Zeit“. Er erklärte mir auch, dass von jedem einzelnen Menschen aus gesehen die Welt zu ihm gehören würde wie seine Hand und man sie deswegen schützen müsse, also vor absichtlicher Gewalt oder ähnlichem schützen müsse. Ich zitterte inzwischen, mir war eiskalt.
Er habe einen Aufsatz darüber geschrieben auf Deutsch und ein Buch auf Farsi, „das kann ich ja mal übersetzen vielleicht irgendwann“. Ich könne zu ihm gehen und es auf dem Computer lesen oder er könne zu mir kommen und meine „Eltern, Schulkameraden, Lehrer, Direktor, alle“ kennen lernen und sie von seiner Philosophie überzeugen. Denn das sei es, was er tue: argumentieren. Auch das hatte er mir schon in der ersten Etappe am Pariser Platz gesagt. Auch spiele er mir offenen Karten und könnte jedem Menschen besuchen, denn er hätte ja nichts zu verbergen, „was soll ich denn verbergen, hm?“ Diese Zitate wiederholte er ungefähr in jedem 2. Satz was sie nicht gerade verkürzte, seine Beispiele waren aber teilweise großartig und wirklich zu Ende gedacht. Wir machten aus, dass ich seine Adresse bekam (deshalb der Personalausweis), weil er keinen Telefonanschluss mehr habe seit Jahren und ich ihm vielleicht schreiben würde oder vorbeikommen. Dann würde ihm vielleicht irgendwann auch Frau Merkel zuhören, wenn er meine „Eltern, Schulkameraden, Lehrer, Direktor, alle“ erreichen würde durch mich. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass er einen Multiplikator für seine Ideen suchte, die er als „Wahrheit“ betitelte, als einzige, die er mit allen Menschen teilen wollte.
Wir verabschiedeten uns, ich war fast erfroren und meine Blase drückte auch schon seit 4 Stunden. Ein seltsamer Mensch, ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll. Viel habe ich weggelassen in diesem Bericht, an einiges erinnere ich mich auch nicht mehr vollständig, vor allem seine Argumentationsketten waren so lang, dass ich zwischendurch einfach abschaltete. Aber er war aufmerksam wie ein Fuchs, als ich nur auf die Uhr schielte oder einen anderen Menschen anschaute, merkte er es sofort und fragte, warum ich das täte.
Ein ungewöhnlicher Vorfall, wahrlich. Der Gedanke einer Sekte lässt mich nicht los, aber er schien vollkommen einsam aber dabei doch so überzeugt von seiner Sichtweise zu sein. Ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll. Vielleicht lasse ich ihm eine Kopie dieses Textes zukommen, vielleicht schlafe ich erstmal ein paar Nächte drüber. Der persische Philosoph und ich – klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht, oder?

PS-Zitat:
- "Ich bin seit 30 Jahren hier und dieses Land hat mir soviel gegeben, ich will auch etwas dafür tun."
- "da würde sich Angela Merkel aber freuen."
- "ja, aber die hört mir ja nicht zu."
15.4.06 23:09


Strange days

Spiegelungen - das war das Thema, was ich für den heutigen Tag erwählt habe. Als Fotoprojekt in Kunst zuerst, ich habe Spiegelungen in den Fassaden der Regierungsgebäude aufgenommen, schön viel Sonne, alles in S/W. 36 Bilder, alles in ca. einer Stunde, zwischendurch andere Bilder als Kompositionsübung. Gott, ich war glücklich heute, für einen Moment. Da saß ich auf einem Geländer am Pariser Platz, neben mir spielten 2 Mädchen Gitarre und sangen, wunderschön, alle möglichen Sprachen tönten mir entgegen. Vor mir: Eine Künstlerin, die auf dem Boden Bilder malte. Dann fing ich an zu schreiben, einen nicht versprochenen Brief, die diesesn glücklichen Moment leider nicht miterleben konnte. Dann fing ich an zu frieren. Die Musik hörte auf, sie gingen von dannen, ich roch Diesel und schrieb. Plötzlich kommt ein kleiner Mann neben mich, setzt sich etwas zu nah dafür, dass soviel Platz ist. Ich schreibe noch einige Worte, einen Abschluss, irgendetwas Nichtiges, dann fragt er, ob er mich unterbrochen hat ... die Geschichte folgt, ich schreib sie gleich auf, wenn mir wieder warm ist.
Jetzt ist es kurz nach 9, 5 Stunden war ich unterwegs. Mir ist eiskalt und dieses Erlebnis mit dem persischen Philosophen lässt mich nicht los. Ich werde jetzt wohl baden gehen, falls die Liebste nicht da ist, und es dann aufschreiben und reinstellen. Wirklich ein seltsames Erlebnis ...
15.4.06 21:08


update meines Lebens

kurzes kommentiertes Update meines Lebens:
gestern: fast zusammengebrochen, wohl wegen Unterzuckerung beim joggen, bin den ganzen Weg heim gefroren - nicht lustig, hoffentlich nicht so schnell wieder

heute: Roger Willemsen - Und Du so? Kabbaret in den Wühlmäusen mit meiner Mami (Geburtstagsgeschenk). War sehr lustig, er ist ein Sprachgenie, sehr unterhaltsam, hat 2 Stunden am Stück über die Misserfolge in seinem Leben geredet.

Morgen: Melancholie-Ausstellung. Hab nen Plakat davon am Theo gesehen, will da morgen hin. Wird bestimmt schön, nur das Museum, die Bilder, ich und meine Audioführung.
außerdem: Sophie wird 17. Da sie sich ja nicht meldet, werd ichs tun. Nett wirds nicht werden, aber vielleicht ein Abschluss von irgendwas, ich weiß nicht wovon.

Donnerstag: 10 Uhr bei Karin Zehrer, lustiges Drucker-reparieren und Wahlprogramm diskutieren. Was man halt so macht.

Freitag: Auch bekannt als "der schwarze Freitag". Taugt glatt zu nem Börsencrash bzw. würde das tun, wäre kein Feiertag und die Börse damit geschlossen. Schade eigentlich.
Abends: Theater: Beckett - Warten auf Godot mit meinen Eltern im BE, danach Essen nebenan im Stef.

danach: relativ ungewiss, noch mehr lesen wahrscheinlich und diese Ruhe in meinem Leben genießen, vor allem die nachts wie jetzt, wo alles schläft.

Freitag darauf: nochmal Roger Willemsen, diesmal ne Lesung. Ich wollt ja Sophie ne Karte zum Geb. schenken, aber da sie anscheinend keinen Wert mehr auf meine Anwesenheit oder Person legt geh ich halt Allein. To do: Bücher signieren lassen, vor allem das von naomi.

Schöne Ferien euch allen, liebe Leser, wir sehen uns in weniger als 2 Wochen oder nie, nie wieder.
12.4.06 00:11


Was Hoffnung macht

Habe ich zufällig mehrmals gesagt, ich würde niemals in die Politik gehen wollen? Dann habe ich wohl sicher auch angefügt, dass ich wohl dort enden werde. Denn ich glaube, das erste revidieren zu müssen - leider. Es sollte anders gehen, in Form einer APO. Aber nirgends gibt es Menschen außerhalb der Politik, die sich wirklich dafür engagieren wollen, geschweige denn Jugendliche. Ehrlich gesagt fühle ich mich wohl dort bei diesen Menschen. Sie sind wie ich der festen Überzeugung, dass etwas getan werden muss. ANders als die meisten, die nur meckern, tun sie aber tatsächlich etwas. Sie setzen sich als Kommunalpolitiker tagtäglich mit dem wirklich mühsamen Geschäft auseinander, ohne Dank dafür zu bekommen. Eher werden sie beschimpft, trotzdem tuen sie es: aus Überzeugung. Was macht der Rest der Jugend an einem Freitag Abend? Tanzen, Trinken ..
Davon wird die Welt nicht besser! Davon bekommen diese Menschen nicht einmal eine bessere Zukunftsaussicht für sich selbst, geschweige denn für andere. Aber sie werden bestätigt in ihrem kulturpessimistischen Weltbild, das sagt, alles sei schlecht. Leider.
Außerdem gibt es noch eine große Gruppe dazwischen, die zwar meint, dass vieles verbessert werden muss, aber sobald sie bei sich selbst anfangen sollen, nervt man schon wieder. Ja, einige Leser dürfen sich jetzt angesprochen werden. Politik, meine lieben, lebt vom Mitmachen und nicht vom Zuschauen! Das sagte Tom Schreiber, der heut sein Modell gegen Extremismus präsentierte, mehrfach. und er hat recht! Durch Faulheit wird sich gar nichts bewegen! Meiner Meinung nach wird die Welt nur besser, wenn große Massen der indifferenten Gesellschaften sich bewegen, bereit sind, sich für alle einzusetzen und dafür ihre Faulheit zu überwinden sowie ihre Zeit zu opfern, die sie sonst mit Spaß verbringen würden. Leider ist es in diesem Zeitalter nicht mehr so einfach, massen zu bewegen, falls es das jemals war. Der Trend geht sogar in entgegen gesetzte Richtung, wie die gestiegen Zahl der Nichtwähler am vorigen Wochenende zeigte.
Vielleicht sollte jeder sich mal an seine eigene Nase fassen, was er denn tun kann, anstatt nur zu meckern oder genervt zu sein. Möglichkeiten gibt es genug, bei Bedarf sag ich euch gern welche. Doch nur rumsitzen und sich fragen, wie man ein "softes" Leben haben kann, wann man den nächsten Joint rauchen kann oder sich mal wieder besaufen, das ändert nichts. Das wäre für mich nicht mal ein Leben, das Sinn machen würde. Den Sinngehalt dieser Tätigkeiten erreicht man auch im Sarg unter der Erde. Ehrlich, davon wird die eigene Zukunft auch nicht rosiger, kein Arbeitsplatz rückt näher, man verdient nicht mehr Geld. Von der Freundlichkeit und dem Funktionieren der Gesellschaft will ich hier gar nicht anfangen, denn dazu fehlt den meisten leider der Weitblick.

Was bleibt, ist wie immer Tom Schreiber.
Demokratie lebt vom Mitmachen, nicht von Zuschauen. <(i>
Mach mit!
7.4.06 23:34


prekäre Jugend

In Frankreich toben die Proteste gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes, in Deutschland wird über Gewalt an Schulen und Integration debattiert. Ich habe lange gewartet, mich lange zurückgehalten mit Äußerungen dazu, obwohl Stoff genug da ist und auch die Wut auf verschiedene Gruppen von Menschen.
Vorhin sah ich die Aktuelle Stunde im Bundestag zum Thema "Gewalt an Schulen". Es war wirklich grausam: Da stellen sich Politiker, vor allem aus der konservativen Ecke, hin und fordern Respekt, fordern Werte (ihre Werte), reden aber andauernd unkonstruktiv dazwischen, wenn ein Redner einer anderen Fraktion vorn steht. Die Schüler auf den Rängen waren mucksmäuschenstill, während Renate Künast bei einer cdu-rednerin kurzerhand ihren MP3-Player anschmiss und Musik hörte.
"Respekt? Ja, bitte, aber fang nicht bei mir an."
Ich bin kein großer Fan von Respekt, einige dürften das wissen. Aber diese Politiker sollten, wenn sie ihn fordern, bei sich selbst anfangen.
Außerdem wurde diese verkappten Diskussion bestimmt von gegenseitigen Schuldzuweisungen, vollkommen unproduktiv. Gab es Lösungsansätze? Nein! Ein Redner sprach sehr kurz die AUsbildung von Schülern als Mediatoren aus, aber nach einem Satz war das abgegessen. Auch der Einsatz von Sozialarbeitern wurde befürwortet, schön und gut, aber bekommen die Jugendlichen davon eine perspektive? Denn darum dreht sich doch alles: ihnen ist alles gleichgültig, da sie eh nie das Leben führen können werden, was sie sich erträumen. Warum dann also noch träumen und streben?
So geht es leider vielen jugendlichen, in Frankreich, schweden, Polen, Russland und nicht zuletzt in Deutschland. Ich befürworte die Studentenproteste in Frankreich sehr und finde es schade, dass hier niemand auf die Straße geht und einfach mal seine Wut über die Untätigkeit der Politik bei der Senkung der Jugendarbeitslosigkeit herausbrüllt. Ein generalstreik, leider in Deutschland nicht durchsetzbar, wäre meiner Meinung nach ein klares SIgnal: Blockiert wirtschaftlich wichtige Objekte, Bahnhöfe, Großbaustellen, Flughäfen. Leider ziemlich unmöglich, aber eine Idee, die beeindrucken würde.
Warum ist es nicht möglich?
Gerade las ich ein Streitgespräch zwischen einer französischen Studentenführerin und einem deutschen STudenten. Sie tritt für das ein, wovon sie überzeugt ist, sorgt sich um die Zukunft ihrer Generation. Er ist nicht einmal in einer politischen organisation, möchte sich nicht zu früh festlegen, erst gar nicht erwachsen werden (VGL. ZEIT S. 67). Warum zum Teufel will sich die deutsche Jugend nicht binden? Um ihre geistige Unabhängigkeit zu bewahren? Das ist Schwachsinn, Unabhängigkeit hat nichts mit der Gebundenheit an eine Partei oder Organisation zu tun. Außerdem wird durch diese angebliche Unabhängigkeit nichts besser, es werden keine ARbeitsplätze geschaffen, Menschen werden nicht integriert, nicht einmal die eigene Zukunft wird gesichert. Doch statt dies einzusehen und sich für ihre Generation zu engagieren machen die Studenten lieber noch ein unbezahltes Praktikum mehr und hoffen, dass es gut aussieht im Lebenslauf. Wozu das ganze? Es wäre so einfach, eine wirkliche Bewegung zu schaffen in der Jugend für eine bessere Zukunft, würden sich nur mehr engagieren. Aber selbst die Parteijugenden sind still, halten sich auf mit dem organisieren von Demos, mit Parteiinternen Dingen, mit ergebnislosen Diskussionen. Warum gehen sie nicht auf die STraße für etwas, was sie wirklich angeht anstatt nur gegen ein Häufchen armseeliger Nazis? Nicht, dass sie dies nicht tun sollten, es ist gut und wichtig, aber nicht genug. Die Politiker, die wirklich etwas entscheiden können, sollen wissen, dass die Jugend es sich nicht gefallen lässt, dass sie sich nicht die Perspektive nehmen lässt. Und die Jungen sollten erkennen, dass sie sich engagieren müssen, wenn sie eine bessere Zukunft für sich und auch für ihre Kinder haben möchte, die sie ja laut allgemeingültiger Meinung so shcnell wie möglich bekommen soll. ich will nur darauf hinweisen: Wenn nur Unterschichten Kinder bekommen, verdummen wir irgendwann. Aber das nur ein gedanke.

Engagiert euch und versteckt euch nicht hinter eurer angeblichen Unabhängigkeit! Auch ich habe mir meine kritische Unabhängigkeit bewahrt, vertrete keine Parteimeinung sondern meine eigene. Diese trage ich dann dorthin, diskutiere mit und hoffe, irgendwann soviel gelernt zu haben, dass ich etwas bewegen kann.
5.4.06 19:45


Texanische Impressionen

Ich hab eben in Kanada angerufen, es meldete sich der gewohnte Ton von Texas, der texanische Akzent ihrer Gastmutter. Kurzes Gespräch, halbe Minute vielleicht, und um mich herum wurde es warm, sonnig, schwül, es roch nach Klimaanlagen - ein essentieller Geruch im sommerlichen Houston. Auf einmal war es alles wieder da und ist es noch: die ewig langen Straßen, die den Horizont küssen, die vielen Autos, die hoch stehende Sonne, die extrem dicken oder dünnen Menschen, vor allem aber diese geschleifte Aussprache. Auch das Glück, es lässt sich kurz betasten von mir, die Leichtigkeit des Seins, die ich dort empfinden konnte.
Jeden Morgen überlegten wir, was wir tun könnten, war es zu heiß, gings gleich in den Pool bis 1, 2 Uhr, zu heiß zum Mittagessen. Nachtmittags: Der Geruch von Jims Büro oder dem Büro bei Uli daheim: viele neue technische Geräte, leises Lüfterrauschen, draußen eine Affenhitze. Danach: Spontan Kino, viel zu öft, immer eingeladen. Wunderbar diese riesigen Kinos, Platz, Liegesitze, salziges Popkorn und ne Coke. Ein Traum von Urlaub, vielleicht einer von Leben für mich.
Es gäbe sicher noch viel zu erzählen, interessieren wird diese Schwärmerei weniger. Ich wollte es nur einfangen, dieses Gefühl der Leichtigkeit und des Glücks, dass ich dort empfand, wohlwissend, dass ich bald heim fliegen und dort ein noch größeres Glück erwarten durfte. Das alles war so anders als das Leben jetzt, dieser stupide Alltag, denen nur das ewige Lesen guter Bücher ein wenig Sinn verleiht.
Der 16. Juli ist definitiv Stichtag fürs Glück!
28.3.06 23:00


"und so ging ich in die Welt hinaus .."
25.3.06 21:05


Buchmesse Leipzig

Vor 5 Minuten bin ich rein, seit 6.30 auf den Beinen nach wenigen, oberflächlichen Stunden Schlaf. Kurze 1 1/2 Stunden fährt man nach Leipzig, man ist gerade erst losgefahren, dann ist man schon wieder da - sehr angenehm.
Mama flüsterte mir eben aus dem Halbschlaf zu, dass mein Telefon ewig geklingelt haben soll. Ich habe heute keine Lust, zu telefonieren, selbst zum wütend werden fehlt mir die Kraft. Allerdings befürchte ich, dass es gleich wieder klingeln wird ... sollte ich einfach weiter das Arschloch sein, dass sich von seinem Leben löst?
Die Messe an sich war toll, wenn auch wieder einmal unglaublich anstrengend. zwar ist Frankfurt nicht nur größer, sondern auch besser organisiert, so war es trotzdem wunderbar, diese Horden vor allem junger Menschen zu sehen, die sich für Literatur (oder Anime) interessieren. Die vielen barfüßigen möchtegernmangafiguren waren eine Augenweide, auch wenn man bei manchen vor lauter Haut den SToff nicht mehr sah. Es war trotzdem lustig, alle sahen anders aus. Danach noch kurz durch Leipzig gefroren, nen Buch gekauft (Julia Zeh: Adler und Engel) in nem wunderbaren Buchladen á la thalia weimar, italienisch essen gewesen und vollkommen pleite. Auf dem Bahnhof dann ein paar pseudonazis, die nichtmal wissen, mit welcher Hand man ihren Gruß macht - peinlich für sie, irgendwann hörten sie auf zu gröhlen, wahrscheinlich hatte ihnen die Polizei erklärt, was sie falsch machten.
Traurig: Polizeikontrollen von Ausländenr auf dem Bahnhofsgelände, sowas muss doch nicht sein, nur, weil sie arabisch aussehen. Uns haben sie gar nicht beachtet.
Alles in allem ein wunderbarer Tag, ich überlege, ob ich nochwas dazu schreibe, aber wohl eher nicht. Ich werds genießen.
18.3.06 22:33


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