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Würmchentheorie

Warum befolgen Menschen gesatztes Recht und ungeschriebene Gesetze?

Wenn eine große Menge von Menschen dies nicht mehr tun würden, aus welchen Gründen auch immer, was würde passieren?

Würde sich, frei nach juli zeh, a) eine neue Form von sich selbst regulierender Anarchie entstehen oder b) unkontrollierte, blutrünstige Anarchie?
Würde der Staat (hier als Nationalstaat) c) diese Regelverstöße und -missachtungen gnadenlos unterdrücken oder sich d) in Richtung einer supranationalen ordnung weiterentwickeln? (siehe auch: a))
6.1.07 23:11


Rhein

Immer, wenn ich mit der Bahn über den Rhein fahre, denke ich: „hier wohnst du jetzt, hier bist du jetzt zuhause.“ Und fühle es. Einer der seltenen Augenblicke des Zugehörigkeitsgefühls zu dieser Fremde. Der Rhein als Lebensader: ein kitschiges Bild. Doch dieser Anblick der Wassermassen, er beruhigt und wühlt zugleich auf. Lauter Schiffe, am Ufer Kraftwerke und Industrie, ein Hafen, Wiesen. Natur – dort, wo sie nicht erwartet wird. Und jetzt, 5 Sekunden noch, dann wieder Tristesse, noch ein kurzer Blick, ein durchatmen, solange wir noch überm Wasser schweben, dann wieder: Fremde. Das leben wird zum Spiel, wenn man sich nicht zugehörig fühlt. Alle emotionalen Bindungen sind nichtexistent, alles wird möglich gerade dadurch. Wer bin ich heute, wer will ich morgen sein? Ein Clown, ein Ritter, ein Bettler oder ein Held? Student, Intellektueller, Partylöwe, nett, böse, arrogant, zutraulich – Listen lassen sich beliebig erweitern. Was werde ich morgen? Politiker. Ja, warum eigentlich nicht, schließlich wollte ich das nie werden. Die Selbststilisierung als Spiel, dessen Spielregeln ich selbst festlege. Woher kommt dieser Spieltrieb? Ist es die Endgrenzung, die Entwurzelung, das Ungeheuer aus der Tiefe? Wenn nichts a priori eine Bedeutung hat, muss man für alles Bedeutungen kreieren – oder nicht? Gut, ich habe mich zur Wahl aufstellen lassen, FSR, nichts großes, keine Politik. Und doch juckt es mich in den Fingern, Küngelrunden anzuberaumen, Hinter-Dem-Rücken-Gespräche, Intrigen. Gegen wen, ich habe nichts gegen diese Menschen? Ganz egal, Hauptsache Spiel. Alles wird so leicht, wenn es keine Bedeutung hat. Die Möglichkeiten wachsen exponentiell, alles wird möglich, ist möglich. Endgrenzung. Menschliche Beziehungen werden zu Spielzeugen, wenn man sie durchschaut, Worte zu Spielsteinen, zu Instrumenten. Leise Machtausübung, fast ungewollt, das festlegen eines anderen Menschen auf eine bestimmte Richtung, das herantasten an die Möglichkeiten anderer Menschen – spielerisch leicht. Und immer wieder: Der Rhein als bodenständiges Element, als Erinnerung daran, dass es Dinge gibt im Leben, die etwas bedeuten, die a priori Gefühle hervorrufen. Als Ruhepol, diese endliche Weite, als Anfangs- und als Endpunkt.
To be continued
7.12.06 13:18


Was war das?


Was passiert, wenn 2 Menschen, die sich nicht kennen und noch nie zuvor gesehen haben, ja nicht einmal wussten, dass es den anderen gibt, sprich: vollkommen unbekannt miteinander sind, aufeinander zulaufen, in schnellem Schritt, sich um den Hals fallen und küssen?
Die Szenerie: Ein heruntergekommener Bahnhof. Es ist dunkel, aber gerade einmal Abend, ein leichter Wind weht, es ist nicht kalt. Der Bahnsteig halb überdacht, ein zweiter daneben. Kaum Personen, schummriges Licht von hohen Laternen. Fernes Rauschen von Autos, Lichter einer Stadt. Der Bahnhof ist abgeschottet, ein eigener Raum fast in der Weite der Landschaft.
Die Personen: Ein junger Mann, gerade 20, allein, still auf den Zug wartend. Ein Mädchen, telefonierend, noch nicht ganz Frau.

Sie kommt die Treppen heraus, impulsiv, telefonierend. Läuft den Bahnsteig entlang, verlässt den überdachten Bereich und läuft weiter, bis ans dunkle Ende. Was ist dort? Nichts, sie sieht nichts. Dreht sich wieder um, geht schlendern zurück, redend. Mit wem redet sie da? Vielleicht eine Freundin, jemand, dem sie sehr viel zu erzählen hat auf jeden Fall. Jemand, der ihr nahe steht.
Was macht er? Er steht, ans Treppengeländer gelehnt, Musik hörend. Steht da, wartet. Tut nichts, telefoniert nicht, liest nicht. Nichts, dass ihn dazu bewegen würde, irgendetwas zu tun, kein Aufbruchsignal bisher gekommen. Wartet.
Sie kommt zurückgeschlendert, immer noch, sehr langsam, schlingernd. Legt irgendwann auf, noch ganz im Gespräch lächelnd. Doch auf einmal, ganz plötzlich, verändert sich ihr Gesichtsausdruck, wird ernst, wird entschlossen. Wird determiniert, als gäbe es nur noch eins. Ihr Gang wird zielstrebig, wird gerade, hat sein Ziel gefunden, als gäbe es nichts anderes, als hätte sie nur darauf gewartet, aufzulegen.
Er steht im einen Moment noch genauso reglos da wie vorher, im nächsten geht er, als hätte ihn etwas gestochen, als wäre ihm der Abendstern erschienen, in ihre Richtung, auf sie zu. 10 Meter, 20, 25. Der Bahnsteig ist lang, noch stehen sie nicht voreinander, aber sie gehen aufeinander zu, rennen nicht ganz. Als wäre es selbstverständlich, als würden sie sich schon immer kennen, das jeden Tag machen. Hatte sie schon vorhin so braune Haare, so dunkle Augen? Er weiß es nicht, hat sie kaum bemerkt, wie sie in der Dunkelheit verschwand.
Doch jetzt, sie stehen sich fast gegenüber, blickt er tief hinein, in diese dunklen, fast schon tiefen Augen. Blickt tief und glaubt etwas zu erkennen, das ihm bekannt ist. Das ihm gar eigen ist. Ist das sein Verlangen, dass sich dort spiegelt oder ihres? Begierde auf den ersten Blick – ohne sich vorher angeschaut zu haben?
Doch keine Zeit bleibt für Gedanken, die Lippen nähern sich, berühren sich fast, berühren sich, pressen sich aufeinander. Die Arme, umschlungen, die Münder öffnen sich, ein leiser Seufzer, die Köpfe, sich windend. Langsam kommen die Zungen zum Einsatz, umkreisen sich wie die beiden Körper, berühren sich, zärtlich, mehr als das, fast schon derb. Ein Geräusch, ein Seufzer, noch kein Stöhnen. Wer ist sie, wer er? Warum? Noch immer ist kein Ende in Sicht, die Begierde – das Verlangen – woher? Die Münder aufeinander gepresst, keines Gedankens fähig ob ihrer Wildheit, fest entschlossen, diesen Augenblick Ewigkeit werden zu lassen. Einmaligkeit.
Plötzlich, genauso plötzlich wie das zielstrebige aufeinander zulaufen, wie dieser Kuss, wie die Eingebung, so plötzlich lösen sie sich voneinander, fast synchron. Lösen sich und laufen, er zurück zur Treppe, die Treppe hinunter, weg, als wäre nichts gewesen, als müsste er weg. Sie geht den Bahnsteig entlang, lang ist er und dunkel, geht zum Ende, geht herunter vom Bahnsteig, den Schienen folgend in die dunkle Weite, ins Nichts, aus dem sie gekommen ist.

Was war das?
21.11.06 23:08


Uni

10.10.06
Nun also Duisburg, dieser verkörperte schlechte Ruf, dreckigste Stadt, hässlichster Bahnhof, schlimmstes Viertel. Verkörperung aller Schlechtigkeiten, die Journalisten jemals erfinden könnten, Projektionsfläche gescheiterter Entwicklung. Diese Stadt gibt es nicht. Es gibt eine riesige Schar von Studenten, modernste Hörsäle. Den Rhein. Die ewig summenden und brummenden Kraftwerke, die 60er Jahre Bauten, die belebten Straßen. Multikulti – Verkehrssprache Deutsch – ist doch nicht gescheitert. Duisburg als Gegensatz, der Rhein als Grenze: Rheinhausen. Drüben die Hüttenwerke, ein dampfender Schlot, Scheinwerfer. Immer dieses ewige brummen und klappern, davor lautlose Wasser, unhörbare Schiffe von der Größe eines Häuserblocks. Schafe, Kühe, ein Pferd mit Reiter: die Rheinauen. Hundebesitzer, Pferdeäpfel, eine Kaninchenfamilie, die unvermittelt am Wegesrand das unwirkliche Szenario ihrer Lebenswelt betrachtet. So friedlich das linke Ufer, so unwirtlich ist das rechte. Die beiden großen Gegensätze der Menschheit, Natur und Technik, Unberührtheit und Fortschritt, vereint und doch getrennt.
Warum Duisburg? – Warum eigentlich nicht. Die Uni als neue Lebenswelt, als Hort der Wissenschaft, vor allem als Möglichkeit. Ein Ort der verirrten, der bestimmten, der selbstvergessenen und selbstverliebten. Dieses Wohlgefühl von Anfang an: Hier bin ich richtig. Eine neue Chance, so fernab der geliebten Heimat Berlin und doch so wunderbar prickelnd neu, so ohne Angst und voller Zuversicht. Orientierungslose Junge, schüchterne Gespräche: alles neu. Niemand kennt mich, ich kenne niemanden. „Macht ja nichts, kann man ja kennen lernen.“ , wie man mir heute sagte. Der Umgang mit Menschen: wieder kinderleicht. Kommunikation als Spiel, nie ohne einen Hauch Ironie. „Dir sind Informationen schon wichtig, oder?“ Das Buch als Möglichkeit, nicht nur, um die Zeit zu vertreiben. Das Buch als Symbol. „Sie dort hat ein Buch geschrieben“ – großes Staunen über ein selbstbewusstes Persönchen mitten in der Selbstrezension. Oder Sätze wie: „Et is schon janz gut, datt ick datt mal allet lerne, denn wenn man datt später mal verändern will, Politik und so, dann sollte man auch wissen, wie datt allet so funktioniert.“
Eine neue Lebenswelt, eine neue Chance, ein neues Leben. Und viel Hoffnung, viel Zuversicht, wie immer am Anfang. Dies ist der Zauber des Anfangs, der entzaubert wird, aber nie das magische, nie das poetische verlieren wird.

11.10.06
Nachwehen
Dort steht sie, einsam, allein. Mein Blick ein Tunnel: nur auf sie gerichtet. Warum sie, warum hier? Nachwehen einer Vergangenheit, der ich zu entfliehen versuchte. Sie war nicht schrecklich, war nicht schlimm, sie war nur. Was macht sie hier, warum gerade hier? Einmal durch die halbe Republik, eine andere Welt, man möchte fast meinen: ein gänzlich anderes Land. Nichts ist hier Berlin, alles ist weit weg. Nur sie. Einsam in ihr Handy tippend: Kein Zweifel, das ist Berlin. Einst wohnte sie nur ein Kilometerchen von mir entfernt, Lehrerkind, vollkommen unpolitisch. Wir hatten nie ein gutes oder schlechtes Verhältnis zueinander, lebten parallel, redeten, verstanden. Verstanden uns. Warum einmal durchs Land ziehen, wenn die Vergangenheit mir doch begegnet? Scheinbar unausweichlich. Dieses unbestimmte Gefühl, welches Angst nicht sein will, ein Zögern, eine Unsicherheit nach der grandiosen Sicherheit der letzten Tage, eine leichte Verstimmung nach dem Hochgefühl der Möglichkeiten. Unser Verhältnis war immer geprägt durch intellektuelles, vielleicht charakterliches Verstehen. Sie: so anders als ich, trotzdem freundlich, meinen Charakter ironisierend. Sie als Gefahr, weil sie die Fähigkeit besitzt, zu verstehen. Wie damit umgehen? Heute bin ich nicht zu ihr gegangen, sie sah mich nicht, auch, wenn ich genau in ihrem Blickfeld saß. Man sieht selten Dinge, die man nicht erwartet, auch ich musste mehrmals prüfen, ob mich mein Blick nicht täuscht. Ein Schock? Vielleicht. Was macht sie gerade hier? Sie könnte der Strich durch die Rechnung sein, die lähmende Macht der alten, verlassenen Welt scheint durch. Mein leichtfüßiger Umgang mit den vielen neuen Gesichtern, selbstbewusst-schüchterne Gespräche mit anderen Studenten: Sollte das alles bald zu Ende sein, weil ich mich rechtfertigen muss vor der alten Welt? Verlassen habe ich sie, bin meinem Herzen gefolgt, nicht ohne Zweifel. Letztlich dürfte es egal sein, wo ich hingehe, ankommen werde ich dort, wo es mich hin zieht: weiter nach oben. Keine Karriere, nein, niemals. Wie kann verhindert werden, dass sie der Strich durch die existenzialistische Rechnung sein wird? Es wäre wohl möglich, sich 3 Jahre lang nicht zu begegnen auf einem Campus, den lediglich 5000 Studenten teilen. Wäre es? Es wäre, sie erwartet nicht, mich hier zu treffen. Überhaupt: Mich jemals wieder zu treffen. Oder doch? Informationen sind oft schneller, als Betroffene ahnen, ich müsste das wissen, Informationen sind mein Grundnahrungsmittel. Also Frontalangriff: Auf sie zugehen mit der gleichen ironisierenden Ehrlichkeit wie auf andere, die sich dann fragen „Hat er das jetzt so gemeint?“. Sie überraschen, überfallen. Überwältigen. Vielleicht nutzen – Informationen als Nahrungsmittel. Die Welt als Welt voller Möglichkeiten, voller Chancen: Warum eigentlich nicht? Eine Informationsverbindung zur alten Welt, keine Brücke, als Einwegflasche ohne Pfand. Wird sie es durchschauen? Vielleicht. Wenn jemand dazu in der Lage ist, dann sie, die einerseits einiges Wissen über mich hat, andererseits die Fähigkeit, mich zu durchschauen aus der relativen Ferne.

12.10.06
Menschen als Erinnerung an vergangene Zeiten. Ein Blick, ein Runzeln, zwei Augen, tief selbstbewusst starrend: woher kenn ich diesen Blick? Irgendwoher, es muss lange her sein, in einem anderen Lebensgefühl angesiedelt, fast verdrängt. Ja genau, das ist F., die da durchscheint in ihrem starken Selbstbewusstsein, nur diesmal so ganz ohne Augenringe.
Die Suche nach Felicitas: Wo ist sie unter all den Menschen, welcher Teil von ihr steckt in diesem oder jenen? Fast hätte ich sie hinter mir gelassen, doch los lässt mich ihre Aura des Unbestimmten nie. Felicitas, du Staunen, du Grübeln meiner leisen Nächte. Felicitas. Ich habe lange nicht mehr geschrieben, lange nicht mehr an dem Buch gearbeitet. Zu lange. Die Geschichte, das Lebensgefühl: zu weit weg. Vor 1 ½ Jahren war es da, präsent, der Aufbruch, der Idealismus, die Unbedingtheit der beiden. Heute wieder ein Aufbruch, morgen zwei, doch anders, bodenständiger, leider politischer. Wieder sehe ich das Leben, das ich leben möchte, greifbar vor mir, ein Ergebnis vieler kleiner Schritte, die getan werden müssen. Ein Leben zwischen Vergangenheit und Gegenwart, ein Leben in der Zukunft. Rufe aus der fernen Heimat, Sympathiebekundungen. Niemand kennt mich hier – wer kannte mich dort?
Die Tage sind voll von Freude, von Lächeln; sind Aufbruch, sind vorwärtstreibend. So viel Neues, alles wirkt vertraut. So viel Unsicherheit: Nicht bei mir, nur bei anderen. Bin ich glücklich? Wahrscheinlich. Zu erkennen, dass man glücklich war, ist leicht. Zu erkennen, dass man glücklich ist, ist Kunst. (Kettcar)
Wann geht es endlich los, wann kann ich meine Fähigkeiten beweisen – mir und anderen? Montag die erste Vorlesung, 18-20 Uhr, die früheste um 12 Uhr: Paradies. Jetzt noch genug Geld haben, um mir meine Wünsche zu erfüllen: ein perfekter Traum. Lange habe ich gewartet auf diese Zeit, diese Freiheit, diesen Aufbruch, endlich ist er da und besser, als ich dachte. Nur Felicitas habe ich nicht wieder gefunden, sie ist unnahbar, fast unsichtbar.
12.10.06 21:00


Verstörtes Schreiben - Fragmente

Leider nur Fragmente, aber das ist das Einzige, was ich zur Zeit zustande bringe. Auf vielfachen Wunsch wird es veröffentlicht, vielleicht auch auf meinen eigenen.

Thomas:
"Felicitas als Anfangs- und Endpunkt all meinen Denkens: erst nach ihrem Tod. Nie lässt es mich los, nie habe ich Ruhe davor: Warum? Und: Wie konnte sie nur? Ihr Tod bleibt unerklärlich, kein Nachdenken kann mich seinem Sinn näher bringen, er wird immer sinnlos bleiben. Sie hätte noch soviel vor sich gehabt, soviel erleben können, so viele Menschen wirklich bewegen können. Sie hätte, sie könnte. Sie kann nicht mehr. Vielleicht ist es besser, dass sie all die Enttäuschungen nicht mehr erleben muss, all die Rückschläge nicht mehr einstecken muss. Vielleicht ist es besser, dass sie nicht mehr leiden muss. Selbstmord als Erlösung? Es könnte bei ihr zutreffen. Und doch haben diese Gedanken nichts tröstendes, sie helfen kein bisschen weiter. Alles, was bleibt, ist eine riesige Lücke, ein Loch in meinem Leben, das weder durch Erinnerungen noch durch die Liebe zu ihr gefüllt werden kann. Die Liebe ist sinnlos, wenn es keinerlei Möglichkeit mehr zu ihrer Erfüllung gibt. Es ist nicht wie eine unerwiderte Liebe, diese hat Sinn in dem Gefühl und im Anhimmeln des Anderen, es ist, als würde man ein Schwarzes Loch anbeten, das jedes Gefühl in sich aufsaugt. Felicitas ist dieses Schwarze Loch für mich, nicht greifbar. Ihr Körper ist unerreichbar, ihr Grab kein Ersatz. Ihre Seele ist ausgelöscht, und trotzdem ist sie mehr als bloße Erinnerung für mich. Wahrscheinlich gibt es kein Wort für diesen Zustand, weil wenige Menschen je den Versuch gemacht haben, die Ohnmacht zu überwinden, die der sinnlose Tod mit sich bringt. Ein Paradoxon: Das Aufstehen wird unglaublich schwer jeden Morgen in dem Wissen, dass sie die Qual des Aufstehens, die sie bei mir hinterließ, nicht mehr erleiden muss. Jeder Tag wird trüb, grau, auch, wenn die Sonne scheint. Der Blick verdunkelt sich, der Sinn bleibt aus. Wozu studieren, wozu leben, wenn sie nicht mehr da ist? Wozu – leben? Ohne, dass die Welt es gemerkt hat, fehlt ihr ein Stück Sinn, ein Teil ihrer Daseinsberechtigung. Nichts in Aussicht, was sie ersetzen könnte, es gibt nichts. Wie damit leben, dass sie nie wieder da sein wird, nie wieder lächeln, nie wieder weinen wird? Wie damit umgehen, dass jeder Sinn verloren geht, sobald ich an sie denke? Wie damit umgehen? Folgen eigentlich alle Partner ihren Liebsten in den Tod? Romeo und Julia – am Ende waren sie beide tot. Vielleicht ist es die einzige Möglichkeit, es scheint keinen Weg zu geben, jemals wieder glücklich zu werden ohne an SIE zu denken. Sie wird immer da sein, dafür hat sie gesorgt. Auch das ist ein Selbstmord: das Einbrennen in das Gedächtnis des Anderen. Es ist egoistisch, ja, aber das ist Felicitas nicht vorzuwerfen. Sie sah sich selbst immer als minderwertig an, war nie davon überzeugt, jemandem zu genügen oder das Richtige zu tun. Immer glaubte sie zu stören, wollte lieber gehen anstatt sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Sie wollte sich nie einladen lassen, wenn es anders ging, wollte immer für sich selbst sorgen. Sogar, als sie bei mir wohnte gab sie ihr letztes Geld aus, um einzukaufen für uns beide. Wahrscheinlich konnte sie am Ende nicht anders, als ein einziges Mal egoistisch zu handeln. Wahrscheinlich hat sie diese Selbstsicht, diese altruistische, sehr stille Lebensweise dazu gedrängt.
Aber auch die ohnmächtige Wut gegenüber ihren Eltern. Wie konnten sie ihr das antun, wie konnten sie nur? Wahrscheinlich haben sie keine Träne vergossen, als sie es erfuhren. Oder hat es sie wachgerüttelt, aufgeweckt? Eher nicht. Manchmal würde ich gern zu ihnen gehen, sie anbrüllen, ihnen all das sagen, alle Schuld auf ihnen abladen. Warum haben sie ein schwaches, hilfloses Mädchen derart gequält, warum haben sie sie in den Tod getrieben? Wie konnten sie Felicitas schlagen, sie demütigen, sie derart quälen? Warum haben sie nicht gesehen, was sie anrichteten, warum haben sie nicht nachgedacht? All das würde ich ihnen gern entgegenbrüllen, ihre Sprachlosigkeit in mir aufsaugen und so von meiner eigenen Schuld ablenken. Meine Schuld – an ihrem Tod? Was habe ich dazu beigetragen, wie sie dazu getrieben? Viele Worte hat sie nie verloren, ihr Schweigen war oft lauter als die Stimme. Hätte ich es verhindern könnte, wenn? Ihr Tod ist so voller Fragen wie es ihr Leben nie sein konnte. Felicitas - . Nie wieder die Chance, sie anzuklagen deswegen. Nie wieder - .
"


-----

Felicitas:
"Thomas, wo bist du nur? Eben warst du noch hier, an meiner Seite. Du warst ganz nah, fast konnte ich deine Wärme spüren. Dein Atem ging langsam, es schien, als würdest du noch leben. Bist du wirklich schon weg, so ganz ohne mir Bescheid zu sagen? Das ist nicht nett, nein, gar nicht nett. Thomas ... komm wieder her. Du fehlst – sehr. Wann bist du nur gegangen, so ganz leise, dass ich es nicht hören konnte? Wann bist du mir entschwunden, heimlich, als ich schlief? Ich vermisse dich, Thomas. Wirst du wiederkommen, mich wieder umarmen? Werde ich jemals wieder deine Wärme spüren, deinem Atem beim leben lauschen können? Weg – wer für immer.

//

Was soll ich denn ohne Thomas anfangen? Nichts scheint zu gelingen, nichts scheint Sinn zu machen. Ein Leben ohne Thomas? – unvorstellbar. Und doch, es lebt sich vor sich hin, ohne mich, an mir vorbei, weit weg. WO er wohl gerade ist, was er gerade tut? Es ist, als wäre er gestorben für mich und würde nur in meinen Gedanken weiterleben. Was er tut – unwichtig. Es gibt keine Möglichkeit, zu ihm zurückzukehren, anders als in meinen Träumen mit ihm zusammen zu sein. Realität – unerträglich neben ihm. Kein Weg führt uns zueinander, zu vieles trennt uns. Was verbindet? Nur das Kennen, die Bekanntheit des Gesichtes des Anderen, der Stimme, des Geruchs. Vor allem der Geruch ... durchdringend. Diese Ohnmacht, die mich immer überfiel, wenn ich ihm gegenüber stand: sie ist gewichen. Keine Sprachlosigkeit mehr, wenn er einen Wortschwall auf den nächsten folgen lässt; keine Tränen mehr, wenn seine Wörter zu kalt werden, verletzend. Nur noch gute Erinnerungen, das Wissen, dass er seinen Weg gehen wird – wohl besser ohne mich. Auch, wenn er das nie wollte. Auch, wenn er zu oft sagte, dass er das nicht könne. Auch, wenn.
"
10.9.06 22:30


Von der Last eines guten Abiturs

oder: warum die Zukunft gern ungewiss ist.

Mein Abitur ist gut, das wissen die meisten von euch: 2,0. Damit ist man im vorderen Mittelfeld, kein ausgewiesenes genie, vielleicht ein unentdecktes, aber auch nicht schlecht,l nicht faul. Die meisten Unis sehen das genauso und schicken mir unablässig Zulassungsbescheide für Soziologie, Sozialwissenschaften, Geschichte. Mannheim, Potsdam, osnabrück, magdeburg, Halle, Duisburg-Essen, Jena. Alle wollen sie mich haben. Nur Düsseldorf nicht, dort, wo mein herz schlägt.
- "Warum willst du dahin?"
- "Weil es dort eine nette person gibt ..."
- "Achso, jaja .. "
Ist es utopisch, dass dort 94 Personen angenommen wurden, die einen Abischnitt bis 1,4 haben? Und: Wenn 94 personen einen Schnitt bis 1,4 haben, wie viele haben dann einen bis 2,0? ich sehe meine Chancen, dort noch einen Platz zu bekommen, schwinden, je mehr ich darüber nachdenke.
Nun also Duisburg-Essen. Die Städte sollen hässlich sein oder nicht so schlecht wie ihr Ruf, je nachdem, wen man fragt. Nächsten Mittwoch werde ich mich dort wohl einschreiben, wenn Bochum nicht bis dahin eine Annahme gesendet hat, denn der STudiengang geschichte dort findet teilweise in Frankreich statt. Das wär doch was.
Und: Ist es wirklich richtig, wegen der Liebe dorthin zu gehen? ja, ja, ja. Ja. Das ist die Zukunft, wir haben eine Zukunft. Auf der Zugfahrt von Wuppertal heim Sonntag Nacht fiel mir wieder einmal auf, dass es ganz egal ist, in welcher Stadt ich leben werde, an welcher Uni studieren. Ich werde überall klarkommen und trotzdem wird keine berlin sein, keine dieses Flair haben und ich diese vertrautheit, diese Sicherheit beim Lustwandeln durch die Straßen, diese Gedankenfülle. Es ist ganz egal, wohin ich gehe ...
Wenn ich nur schon eine Wohnung hätte. Aber irgendwie ist das alles auch sehr spannend, immer wieder Neues, ein wenig (zuviel) ungewissheit, das schnelle Umplanen meiner Zukunft bzw. das neue Schminken ihres Aussehens. Rainald im Ruhrgebiet, Rainald am Rhein ... Rainald bleibt Rainald und wird doch ganz anders. Ich freue mich ziemlich stark darauf, bald allein zu wohnen, in einem Wohnheimzimmer oder in meiner ersten eigenen Wohnung; Unabhängig zu sein und vielleicht auch frei. Ich will das seit langem und hätte vielleicht schon lange ausziehen sollen, habe es aber nie gewagt. Nun ist es bald soweit, in einem Monat oder etwas weniger oder mehr.
16.8.06 16:56


Das Ende der Einsamkeit

oder: Reflexion über Charaktere vor Mitternacht

Ich möchte nicht mehr allein sein. Die Einsamkeit bedrückt mich auf einmal weil ich weiß, dass sie nichts zwangsläufig ist. Sie zerdrückt meine Gedanken, macht mich unruhig, wenn ihre Anwesenheit mich beruhigt. Was haben Thomas und Felicitas gemeinsam? Sicher wüsste sie Antworten darauf. Was haben wir gemeinsam? Darauf gibt es wohl ebenso viele wie wenige Antworten, Alles und Nichts. Ist dies das Ende aller Interimszustände? Ja, das ist es. Kein Warten mehr, keine Ungewissheit über den eigenen Lebensweg, er ist auf einmal völlig klar: Gemeinsam die Welt verbessern. Das, was schon immer Ziel war, wird erneut dazu erhoben, schleicht sich langsam wieder in unsere Gedanken, durchdringt sie, wird oberstes Prinzip. Warum will Felicitas die Welt verbessern? Ist es, weil sie unzufrieden ist mit den herrschenden Zuständen, weil sie Leid nicht nur sieht, sondern fühlt, empfindet? Ist es, weil ihr Charakter auf Empfindsamkeit angelegt ist, weil sie Farben nicht nur sieht, sondern fühlt? Wenn Felicitas es aus Mit-Leid tut, warum tut es dann Thomas? Ist es die napoleonische Großmannsucht, die ihm gebietet, nichts weniger anzustreben als die Unsterblichkeit? Ja, ich fürchte schon. Thomas möchte unsterblich werden, unvergessen, weil ein Leben darunter keinen Sinn macht. Woher hat er das nur, diese Eigenschaft, woher bekommt man sie? Juli Zeh’s Spieltrieb handelt vom Nihilismus, wie sie selbst berichtet (Juli Zeh – Alles auf dem Rasen). Vielleicht ist es die Relativität aller Werte, der Verlust ihrer Absolutheit, der Thomas dazu bewegt, den Sinn in seinem Leben in der Unsterblichkeit zu suchen. Dazu muss er überregional bekannt werden, dazu wiederum viel arbeiten, viel Kommunikation betreiben, das, was man im erweiterten Sinne als Politik bezeichnet. Wird er das schaffen und wenn ja, wie? Gibt es einen Masterplan, den er für sein Leben hat? Andererseits: Hätte er eben diesen Plan, wie würde dann Felicitas zu ihm passen? Felicitas, die zwar langfristige Ziele hat, aber ebenso wie Thomas Schwester in den Tag hinein lebt, wenn auch weniger absichtlich als diese. Sie träumt, sie wünscht, aber sie handelt nicht. Sie ist nicht schnell entschlossen wie Thomas, hat weniger Energie als er. Eigentlich müsste Thomas schon auf dem Olymp sitzen, soviel Energie wie er besitzt. Doch ist er wirklich so oder bricht er nicht vielmehr oft genug zusammen, scheitert an niemand geringerem als sich selbst? Ein Ego von der Größe des Seinen verursacht viele Probleme, allen voran die Einsamkeit. Sicher, sie ist das Schicksal, die logische Folge dieses Charakters und, wie Napoleon schon sagte, der Preis der Unsterblichkeit. Doch ist die Unsterblichkeit wahnsinnig weit weg, und, auch wenn niemand daran zweifelt, dass er sie erringen wird, so ist die Einsamkeit doch oft genug überwältigend, einfach stärker als seine Kraft, das Leben zu bestehen. Dann trifft er Felicitas, dieses reinste aller Geschöpfe, fast hätte ich ihr Elbinnenohren verpasst. Was löst sie in ihm aus? Hingezogensein, ja, Interesse an ihrem Charakter, ja, aber was ist das Besondere, das Entscheidende? Was verbindet diese beiden so ungleichen Figuren? Auf den ersten Blick erkenne auch ich es nicht, weder im wahren Leben noch im Roman, doch hat es wohl damit zu tun, was SIE Weltverbesserungsgemeinschaft nennt. Es könnte zu beschreiben sein mit der Andersartigkeit beider, ihrer Abscheu allem Oberflächlichen gegenüber, ihrer Resistenz gegen den Spaß der gleichnamigen Gesellschaft. Tanzen, Feiern, Ficken Bumsen Blasen – alles auf dem Rasen? Nein, dagegen sind sie resistent, das bedeutet ihnen nicht. Vielmehr die Zeitlosigkeit eines fesselnden Buches, eines Buches, das ihnen etwas über die inneren Zusammenhänge des Lebens verrät. Was die Welt im Innersten zusammenhält – Thomas interessiert es mehr, um zu erfahren, wie er sie verändern kann, Felicitas will die Lebensgefühle der Protagonisten erfassen, nachempfinden. Sie will leicht sein, er erfolgreich, glorreich. Wird Thomas in einer Zeit, in der es keine Helden mehr gibt, ein Held werden? Wird Felicitas durch ihr Mitfühlen die Welt verändern? Wie werden sie sich gegenseitig beeinflussen, bereichern, verändern? Ich denke, das sind die drei entscheidenden Fragen des Buches, die nur WIR gemeinsam beantworten können, als exemplarisches Paar für diese Geschichte, als Ideengeber, als Vorbilder.
Thomas und Felicitas sind mir nun näher, ebenso ihre Geschichte, die trotzdem einer gewissen Abstraktion nicht ganz entbehrt. Doch die Einsamkeit ist, vielleicht gerade wegen der frühen Uhrzeit, nicht annehmbarer geworden. Warum Unglücklichsein akzeptieren, wenn man glücklich sein kann? Andererseits ist etwas Abstand für Reflexionen wie diese nicht verkehrt, einige Menschen würden behaupten, man erkennt erst, welchen Wert ein Mensch hat, wenn er nicht mehr da ist. Die Abwesenheit von Dingen als Wertsteigerung? Daran zweifle ich stark, zumal man sich nur jede Minute seines Glückes bewusst machen muss, anstatt dem Rausch komplett zu erliegen. Räusche waren, bis auf den Schreibrausch und das Rauschen der Nacht, meine Sache sowieso noch nie.
Nun, diese Pause war recht nett, aber die Figurenkonstellation wartet, ebenso die Charakterisierung, die ich heute abschließen möchte, um morgen mit der Konzeption für den Inhalt der Erzählung beginnen zu können, der Entwicklung der Beziehung einen Rahmen zu geben.
28.7.06 22:59


Praktikum

Warum tue ich das? Warum mache ich ein Praktikum beim SPD-Kreis, warum bin ich Mitglied, wo ich doch so vollkommen weit weg stehe von aller Politik, überparteilicher bin als mancher Journalist? Ich tue es, weil ich auf der Suche bin nach etwas, mich überzeugen lassen will von etwas, von dem ich mich selbst noch nicht überzeugen konnte. ich tue es, um zu lernen, und wie bei so ziemlich allem was ich tue: zu erkennen, wie diese Welt funktioniert. Das war und ist Voraussetzung dafür, sie zu verändern, nicht zufällig, sondern gerichtet. Ich werde vieles lernen - hoffentlich - unter Anderem Veranstaltungsmangement Vielleicht hilft es mir ja, vielleicht ist das das Sprungbrett, der Anfang, auf den ich schon zu lange warte. Außerdem ists eine Möglichkeit, diesem Zuhause hier zu entkommen, eine von 2en. Die andere wäre herumreisen a la Jack Kerouac, auch sehr verlockend.
Warum gerade jetzt, warum schreibe ich das gerade heute? Heute IST das vorläufige Ende aller Interimszustände, das Ende des Wartens. Das endgültige wird wohl Sonntag sein, der Anfang von etwas, von etwas großartigem. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, so ist es auch hier. Ich könnte singen, tanzen, werde ganz leicht vor Vorfreude auf das, was kommt. Vielleicht schaffe ich es endlich, das Buch abzuschließen, dessen Rahmen seit langem feststeht. Vielleicht schaffe ich es, wieder so zu werden, wie ich es einmal war: mutig, mich selbst überwindend, fröhlich-leicht und doch immer zielgerichtet. Vielleicht - ganz sicher - es fängt ein neuer Lebensabschnitt an, noch bevor er auch geographisch beginnt.
Countdowns werden ab heute nicht mehr in Monaten, Wochen oder Tagen gezählt, sondern in Stunden.
11.7.06 12:06


Ein neuer Tag beginnt



dafür hat sich der Abiball gelohnt
29.6.06 14:23


DEMO & MODE

Kennst du das Gefühl, das entsteht, wenn du bergab fährst und die Bremsen loslässt? Wenn du einfach hinunter rast ins Leben, der Wind um deine Ohren saust, die Freiheit greifbar wird?
Nachts, wenn die Straßen leer sind und ein Großteil der Menschen schläft ist dieses Gefühl besonders schön. Immer, wenn ich mich den Berg hochgekämpft habe durch die fast völlige Dunkelheit freue ich mich darauf, auf der vollkommen schlaglochübersähten Straße die Bremsen lösen zu können, Musik im Ohr und das Rauschen des Windes, um das Gefühl zu haben, ich könnte fliegen. Vielleicht kann ich das auch für diesen einen Moment.
Loslassen können - etwas, was vielen schwer fällt. Mir auch, wenn auch seltener als anderen und in den unmöglichsten Fällen. Aber vielleicht habe ich heute losgelassen, etwas altes, überkommenes, als ich bei Depeche Mode zwischen 20.000 anderen Menschen stand und an die Zukunft dachte, meine Zukunft. Where do you go, where do you come from?
Ich sagte einmal, die Zukunft werde glorreich werden. ein sehr verklärtes, altmodisches Bild, ein überkommenes wohl. Die Wahrheit ist: ich habe recht genaue Vorstellungen davon, wo ich in einem, 2, fünf, 10 Jahren, wo ich am Ende meines lebens stehen will und wo dessen Höhepunkt liegen wird. Ich weiß auch, was die Bilanz des Lebens sein wird, das, was bleibt. Es ist nicht das gute Aussehen, die gute Figur, all das Oberflächliche, auf das so viele Menschen wert legen. Was am Ende bleibt, und das ist das einzige, was zählt, ist der Geist der Menschen. Er und ihr Lebenswerk, alles, was sie geschaffen und verändert haben sind das, was wirklich zählt im Leben. Nicht der Augenblick, denn der ist vergänglich und kaum jemand bekommt ihn mit, zählt, sondern das, worum dieser Augenblick das Leben bereichert hat.
Dies ist ein geistiger Abschied von so vielem, von einer Welt, die mal war und nicht mehr ist. Es ist ein Anfang ohne Ende, der Beginn meines Lebens.
Tschüß, wir werden uns vielleicht wiedersehen.
29.6.06 00:18


Der Existenzialismus ist tot

Gott auch. Vielleicht sogar mehr als der Existenzialismus, denn letzterer mag bei anderen vielleicht funktionieren - bei mir nicht. Ich kann nicht einfach Personen verlassen und sie vergessen, kann nicht einfach weiterleben mit einer Erfahrung, aber ohne jegliche Wehmut oder den Wunsch, es ein wenig anders gemacht zu haben. Es sind viele Menschen da, die ich nie vergessen konnte, einige sind zurück gekommen, andere nicht. Und da ist dieser eine Mensch, dieser eine Fehler, den ich begangen habe in meiner Verzweiflung und der mich bis heute verfolgt in Form von Angst, diesem Menschen wieder in die Augen schauen zu müssen. Wir werden uns wiedersehen, wohl oder übel sehr bald, es lässt sich kaum vermeiden. Ich wünschte, ich könnte hingehen und fragen "wie gehts?", als wäre nichts, als würden wir uns nur flüchtig kennen. Doch das wird wohl nicht gehen, nicht bei mir. Der Existenzialismus ist wohl nicht meine Philosophie.
Auch die Zukunft, sie fragt mich "Wo gehst du hin?" Das Leben ist voller Möglichkeiten, ich versuche, sie mit Bedacht zu ergreifen und muss doch auf 2, 3 andere verzichten, wenn ich mich für eine entscheide. Kann ich nicht alles haben? Oder: Warum streben Menschen immer nach mehr? Als wir diese Frage am Strand in Bulgarien diskutierten kam mir dieses Streben wie der Himmel vor, als einzige Möglichkeit, sich weioterzuentwickeln. Doch jetzt ist es mehr wie ein Auswegloses Gebilde, etwas unfreiwilliges. Wohin reist du? Aus dem Warten heraus, an das Ende aller Interimszustände, einem neuen Zeitgefühl entgegen. Immernoch beginnt dieses neue Zeitgefühl am 16.07., immernoch sind es fast 3 Wochen bis dorthin. Mal waren es 3 Monate, mal über 300 Tage und trotzdem wird das Warten nicht leichter, nicht schneller durch diese lange Übung. Das Ende aller Interimszustände - und danach? Was, wenn das neue Zeitgefühl nicht das meine ist, wenn es nicht klappt? Was, wenn mein Weg ein anderer ist als der, den ich mir so lange vorgeträumt habe, bis er wie selbstverständlich vor mir lag? Das ist die Unsicherheit, die mich ergreift, das unexistenzialistische Element, was mich nach Absicherungen suchen lässt. Es ist das Gefühl, was mich beim "Das ist es jetzt!" etwas in der Stimme zittern lässt. Unsicherheit in dieser unsicheren Welt war mein problem nie, Unsicherheit in einem sicheren Leben schon.
Der Existenzialismus als Versuch des Ausbruches aus der Sicherheit - er ist tot. Ob in Politik oder Leben: Der Trend geht hin zu mehr Sicherheit, zu weniger Freiheit. Kann ich denn nicht beides haben? Vielleicht ist diese Frage, die so viele Menschen bewegt, eben jene, auf die die Antwort 42 ist.

"So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom - und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu."
27.6.06 17:59


Thomas und Felicitas

Gerade habe ich Anfang und Ende des Buches geschrieben, gestern und heute auch den Höhepunkt. Die perspektive habe ich, wie gesagt, gewechselt. Hin zum Ich-Erzähler, weg vom eher unpersönlichen Er. Es hat seine gewünschte Wirkung getan, das Buch hat nun ein gerüst aus Ereignissesn, einen Rahmen. Als Ich-Erzähler muss man am Anfang immer wissen, wie es ausgeht, da man ja Vergangenes erzählt. ich denke, das ist mir recht gut gelungen, auch, wenn ich große Teile davon noch niemandem gezeigt habe. Es fehlen noch weite Schreibstrecken dazwischen, aber das müsste im Sommer zu schaffen sein. Na ja, am Anfang, im februar 05, dachte ich auch, in 2 Monaten wäre es machbar. Vielleicht ist es ja diesmal kein irrtum.
Eines bleibt immer: Der Wille, diese Geschichte zu beenden. Solange dieser da ist, wird sie auch fertig werden.

PS: ich fühle mich großartig deswegen und wegen der Inspiration, die mir ein bestimmtes Ereignis mit einem Menschen dafür gab.
4.6.06 11:54


Der große Gatsby

"So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom - und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu."
Dies ist der letzte Satz des titelgebenden Buches, was ich in wenigen Stunden gelesen habe. Ein gutes Buch von Francis Scott Fitzgerald, gefällt mir ausnehmend gut. Habe es gerade ausgelesen, weil ich keine Lust mehr zum Lernen hab, meine Konzentration ist am Ende. Vielleicht ist es ein Geschenk, dass ich soviel Zeit habe.
Doch darüber will ich nicht zu viele Worte verlieren, es liegt mir eher nahe, etwas über gestern Abend zu schreiben. Nein, keine politische Diskussion, ich war, bis aufs Kino gestern Nachmittag, nicht einmal draußen. ich saß nur hier, las, und wartete. Warten - wie immer. "Ich warte / Du kommst endlich // Ich gehe / ich bin endlich." Ein Vers, der mir immer wieder in den Sinn kommt. leider funktioniert er praktisch nicht, wenn man auf so etwas besonderes wie das Leben, wie die Inspiration wartet. Ich habe jedenfalls in diesem Warten eine Entscheidung getroffen für meine Zukunft, eine essentielle, weitreichende Entscheidung, die mein Leben, hoffentlich positiv, beeinflussen oder gar bestimmen wird. Eine sehr hypotaktische Entscheidung, wie man merkt. Vielleicht ist es leichtsinnig, vielleicht genau das Richtige. Auf jeden Fall wird es teuer, aber es könnte die richtigste Entscheidung meines Lebens sein, der Meilenstein, der vorher immer gefehlt hat. Der Meilenstein, den man braucht, die Entscheidung, die man treffen muss, um die Welt wirklich verbessern zu können und die den positiven Zukunftsglauben, die Hoffnung über alles rationale stellt.
Des Weiteren habe ich überlegt, ob ich nicht für mein Buch eine bessere Perspektive wähle. Vom Er-Erzähler zum Ich-Erzähler, beides personal. Ich glaube, damit komme ich besser zu Rande, werde es auch bald einmal ausprobieren. Außerdem bauen sich da einige Dinge besser ein.
Mehr bleibt wohl nicht zu sagen, außer: welcome back, summer.
2.6.06 12:03


Fremde

Es war schon eine wunderliche Veranstaltung, diese Bekanntgabe der ABiturnoten. Allein: Ich versteh die Menschen nicht. Es mutete an wie ein Drama, als ginge es um Leben und Tod, um Sein oder Nichtsein, um den 3. Weltkrieg oder eine friedvolle Welt. Spannung überall, die schon von Freud untersuchte weibliche Hysterie selbst bei den Besten der Besten. Warum soviel Aufregung, wenn die meisten, die kurz vor einem Heulkrampf standen, sowieso ohne Probleme bestanden hatten? ich versteh es nicht, vielleicht ist meine Rolle aber auch die des stillen Beobachters.
Vorher, ich lief allein durchs Schulhaus. Still war es, überall Unterricht. Hinter Türen vertraute Stimmen, denen ich bis vor kurzen auch noch mit halb geschlossenen Lidern lauschte. Stimmen, denen ich so nie wieder lauschen werde. Das langsame Anschwillen des Lärmpegels, je näher die Pause rückte, immernoch leere Gänge. Lehrer, die vertraulich mit den ehemaligen Schülern reden, die eigentlich noch nicht exmatrikuliert sind. Und eine Masse, größer werdend, vor der Aula. Fröhliches Wiedersehen mit ein wenig Ironie, Panik, Hysterie. Einige Lehrer waren gekommen, warum, das haben sie nicht verraten.
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Doch darüber wollte ich nicht schreiben, der Titel bezieht sich auf etwas anderes. Ich war heute Abend, mal wieder, mit meinem Vater bei einem Stammtisch des BDS (Bund der Selbstständigen). Herzlicher Empfang durch die wirklich nette Sekretärin. Michael Müller, SPD-Chef Berlins und Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus war geladen. Im Fernsehen war er mir immer unsympathisch gewesen. Nun kommen zu diesen veranstaltungen eben Unternehmer mit ihrem Anhängsel, meist Hanttasche mit Frau, alles von Gucci. Neben mir ein schwitzender Koloss, ich würd ihn gar für einen Titanen halten, aber er ist nur Chefredakteur und Inhaber der Verbandszeitung Merkur. Die Unternehmer: das ist nicht meine Welt. Ihre blasierte Arroganz, ihr teils affektiertes Gehabe, ihre Geringschätzigkeit für die Politik, für die Welt, für alles, was nicht in ihr kapitalistisches Weltbild passt: befremdend. Ihre Autobezogenheit, ihr Getue, ihre Blicke: zerstörend. Michael Müller, wirklich ein brillanter Redner (ob er etwas zu sagen hat bezweifle ich allerdings), gab sich alle Mühe. Seine Reden würden angenommen, ja. Doch mein Eindruck von ihm ist nur noch befremdender. Das ist kein Sozialdemokrat, das ist eher einer vom Schlage Steinbrücks, ein pragmatiker. Ich verabscheue diese Denkensart, die jegliche Ideale ausblendet. Warum will Berlin einen eigenen Wohnungsbestand haben? Begründen konnte er es nicht. Warum das letzte Kitajahr gratis? keine Begründung. Für Kapitalisten bedeutet Geld Gott und die eben genannten Dinge kosten eben sehr viel Glauben. Ich glaube, am schlimmsten war Müllers Blick. Er redete wirklich gut, nach allen regeln der Kunst, vollkommen politikerhaft. Ich saß ihm direkt gegenüber, in den Katakomben, in denen wir saßen, war wenig Abstand zwischen uns. Aber sein Blick war gleichzeitig so kalt, so abschätzig, als wäre ich als Mensch nur Adressat seiner Worte, nur Resonanzboden. Kein Interesse an niemandem, nur die Botschaft zählt. Vielleicht, ja, vielleicht muss man als Politiker so sein, so eine harte, gleichgültige Schale haben. Sein Scherzen mit dem Vorsitzenden des BDS vor- und nachher: vollkommen hohl, der blanke Hohn für Menschen, die für Müller Wahlkampf machen sollen.
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Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben, diese Veranstaltung aber zur Beweisführung nutzen, was mir misslungen ist. Ich bin dabei, mich zu verändern. Ein prozess, den ich vor ziemlich genau einem Jahr in der selben Art und Weise schon einmal durchgemacht habe. Hin zu mehr ENgagement, mehr Selbstbewusstsein, weniger Introvertiertheut. Hin zu mehr Mut, weg von der Feigheit. Immer auf mein Ziel zu, meinen Traum: Die Welt ein bisschen besser machen. Laut auf die Pauke hauen, etwas tun, meine Zeit so sinnvoll wie möglich nutzen. Ich habe viel Zeit im Moment, vielleicht ist mir dadurch der gravierende Rückschritt so sehr aufgefallen, der im herbst letzten Jahres begonnen, im Winter seinen absoluten Höhepunkt in einer dummen Affäre fand. Watergate in klein, nur, dass ich nicht gestürzt wurde wie Reagen.
Ich hoffe, dass diese Verändeurng endgültig sein wird, dass ich Menschen wieder ansprechen kann und nicht ewig darauf warte, angesprochen zu werden. Vielleicht werde ich dann irgendwann der Mensch sein können, der ich sein möchte und das Leben führen, das mir so idealistisch schön vorschwebt. Vielleicht ... bin ich ein Mensch, der mit nichts im Leben je zufrieden sein wird.
31.5.06 22:12


Schön-heit?

Es gibt wenige schöne Dinge auf der Welt. Musik gehört dazu, wenn auch nur bestimmte, oder die Freiheit. Wahrscheinlich auch das strahlende Gesicht eines hübschen Menschen, aber das ist wohl, mehr als anderes, vollkommen subjektiv. Ja, und Freiheit. Heute ist, war, der letzte Schultag meines Lebens. Zwar hatte das, was wir heute veranstaltet haben, wenig mit Schule zu tun, doch ein wenig wehmütig werde ich schon, wenn ich bemerke, dass ich all diese Menschen, die ich zu 90% nicht kenne, mit denen ich aber tagtäglich zur Schule gehe, wohl niemals wieder sehen werde. Einige werde ich wieder treffen in meinem Leben, aber ich glaube kaum, dass viele meinen Weg einschlagen werden. Zu steinig, zu undankbar und doch der dankbarste von allen.
Ich war gelöst heute, fröhlich und bin es noch immer. Es war weniger der Wein (Von dem man mir ins Ohr sagte „Irgendwie war mir klar, dass du Wein trinkst.“), vielmehr die Gewissheit, frei zu sein. Nie wieder all diese Menschen zu sehen – es hat auch sein Gutes. Bald werde ich mich über neue Menschen ärgern können, neue Hoffnungsträger entdecken und verstoßen. Bald werde ich an neuen Menschen lernen und wachsen, mit ihnen lachen und diskutieren. Bald werde ich – andere Menschen verletzen.
Was bleibt als die Erinnerung? Einige Menschen werde ich niemals vergessen. Jenny beispielsweise, auch, wenn wir lange schon nicht mehr miteinander geredet haben. Sie ist und bleibt ein besonderer Mensch, den ich wohl immer mögen werde. Vielleicht, weil wir so lange nicht mehr miteinander geredet haben. Ich weiß nicht genau, warum gerade sie mir einfiel, aber viele andere kommen mir nicht in den Sinn. Ist vielleicht besser so, um frohen Mutes in die Zukunft zu schauen.

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Auch das: Sonntagnacht schaute ich einen Film, „Nichts bereuen“. Wohl ein Jugendfilm, ich weiß es nicht. Vielleicht war ich gerade sehr sensibel, aber er machte mich unglaublich traurig. All diese Zurückweisung, diese unerfüllte Liebe, diese Peinlichkeiten zwischen den Menschen – ich glaube, ich will das nicht. Mag sein, dass es an diesem Tag gerade wieder schlecht lief, dass nichts gelingen wollte so recht und dass ich die ganze Zeit schon angeschlagen war. Ein großer Ekel durchfuhr mich bei der Zurückweisung eines Kusses, wohlgemerkt im Film. Ich kam damit noch nie klar.

Ein Blick, ein blindes Verstehen. Auch das an diesem Tage mit einer Person, die ich immer noch für primitiv halte. Ich bereue nichts, stehe dazu. Trotzdem ist dieses Verständnis, was erst nach ganzen 2 Jahren seine volle Blüte entfaltet hat (Irgendwer nannte es „wie Bruder und Schwester“ – wer auch immer das gesagt haben soll), nichts alltägliches. Auch das etwas, was ich vermissen werden.
Trotzdem besteht mein Tag heute nicht nur aus Vermissen. Ich freue mich sehr auf die Zukunft. Warum auch immer heut eine neue Perspektive dazugekommen ist als ich diese ganzen Schüler auf dem Hof stehen und sitzen, tanzen und springen sah, sie ist da und sie ist, um ein anachronistisches Wort zu nutzen, glorreich. Glorreich, das ist ein Wort, was mir durch den Kopf geht. Vielleicht ist es ein wenig exzentrisch, was ich nach außen hin selten bin, aber ich bekomme es nicht weg. Ich will etwas besonderes schaffen in meinem Leben, ein besonderer Mensch sein. Der Sinn steht mir nicht nach familiärem Glück, nach Glück im Kleinen. Ich will die Welt verbessern, will Menschen helfen und als Dank ein Lächeln, einen Händedruck, ein glückliches Kind. Ich will, ich will ... soviel. Ich bin: anders. Das sagte ich schon und kann es nur wiederholen.
Wohin reist Du? ... einem neuen Zeitgefühl entgegen!
Mein neues Zeitgefühl beginnt heute, nicht erst in 7 Wochen. Vor einiger Zeit habe ich schon wieder angefangen zu schreiben, war doch recht fleißig, wenn auch das nichts ist im Vergleich zu früher. Mein Schreiben ist ernster geworden, gesteuerter, weniger impulsiv. Doch ich schreibe wieder – auch das ist ein Grund zum Feiern.
Nun geht es auf in die Zukunft, kommt mit oder bleibt in der Gegenwart, liebe Leser. Was immer ihr tut: Habt eine schöne Maiwoche.
23.5.06 19:27


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