Startseite
    Wörter
    Bilder
  Über...
  Archiv
  Musik
  Ich mag ...
  Berlin
  Reisen
  Literatur
  Gästebuch
  Abonnieren
 


http://myblog.de/desdinova

Gratis bloggen bei
myblog.de





ob das vielleicht alles ist

Der Blick aus dem Fenster, seit Oktober derselbe, erfüllt mich heut mit einer unglaublichen Ruhe. Da schwankt dunkel der Baum, nichts anderes tut er den gesamten Tag. Da blinkt ein Stern, es sind Lichter zu sehen, nachtblauer Himmel. Vielleicht ist es auch die Musik, oder der Fakt, dass ich hier sitzen kann und nicht sofort wieder weg muss, los, die Welt zu retten. Und mit Zigaretten wiederkehrte.
Wie angekündigt im letzten EIntrag komme ich momentan nicht genug zum reflektieren. Das Leben lebt sich so wahnsinnig schnell, das wort 'viel' erscheint mir passend. Viel Leben. Das ist es, was ich tue. Die Frage drängt sich auf, ob es das wirklich ist, sein kann. So viel will ich tun, so viel mehr. habe Ideen zur verbesserung der Lehre und Betreuung an der Uni, habe politische Ideen, Ideen für Amnesty. Das alles erfordert Zeit, die ich nicht habe, aber trotzdem aufbringen möchte. Aus Überzeugung, dass es gut sei, dass Leuten damit geholfen wird, dass es, vor allem, Sinn macht. Sinn - dieser Ariadnefaden meines Lebens, den ich nie zu verlassen trachte. Und doch: Das Irrationale schwingt immer mit, verlässt mich nie ganz.
Manchmal wünsche ich mir, ganz nach Andrea Nahles, einfach einmal zu fliehen. Weg zu sein für Stunden, unerreichbar. Nur ist da niemand, der mich erreichen wollen würde - was mir nicht unbedingt etwas ausmacht. Vielleicht setze ich mich bald einfach einmal an den Rhein und lese im Sonnenschein, betrachte die vorüberziehenden Wassermassen und die Schiffe, die zu schweben scheinen. Werfe mit Kieseln, sehe die Kraftwerke und Schlote gegenüber. Versichere mir, dass ich anhalten kann, dass ich dieses Leben immernoch stoppen und ein neues beginnen kann. Das ist wichtig für mich, dieser urpolitische Aspekt des Lebens: Das alles auch anders gemacht werden könnte, dass alles auf meiner Entscheidung beruht. Ebenso wie Politik, dessen Merkmal ja unter Anderem ist, dass alles auch anders gemacht werden konnte und im freien Streit der ARgumente so entschieden wurde.
Sie sollen nicht traurig klingen oder resignierend, diese Worte, nicht so, als wäre das alles etwas, was ich nicht wollen würde. Ich lebe dieses Leben gern, sehr gern. Wahrscheinlich erstmalig in meinem kurzen Leben. Doch ich sehe die Gefahr, mich in Kleinteiligkeit zu verlieren. Seit langem verspüre ich nicht mehr den Wunsch, teil einer Jugendbewegung zu sein, wie Daniel es so schön ausdrückt. Nicht, dass mein Drang danach, Großes zu erreichen, ja glorreich zu leben, gestorben wäre. Nur ist er wohl etwas leiser, geht leicht unter in der vielen unbezahlten Arbeit, die ich mache.
Zwei Jahre wird dieses Leben nun noch so gehen, dann kommt der kontinuitätslose Bruch und es beginnt ein neues. Zumindest erscheint es mir heut so, in der Vorschau, in der Wunschvorstellung. Dann ist mein Name wieder Gantenbein, ich habe alle Möglichkeiten, nur mehr Fähigkeiten als beim letzten Mal. Oder es kommt alles ganz anders und es haben sich überregionale Netzwerke gebildet, ich bin eingebunden, werde 'gebraucht'.
Ich suche ein Ende, einen Abschluss, der weniger negativ klingt. Nichts liegt mir ferner, als das zu tun, und doch haben meine Sätze ein literarisches Eigenleben entwickelt. Vielleicht hilft ein Ausblick auf meine Semesterferien, ein Festhalten meiner Vorhaben: Alles lesen, was ich im Semester nicht schaffe; die Amnesty-Gruppe weiter aufbauen; viel in unbekannte Städte reisen; an meiner Geschichte weiterschreiben. Das muss wohl reichen für die 3 Monate, da sowieso mehr dazukommt, als ich glauben möchte.
6.6.07 22:52


Heute verspüre ich zum ersten Mal wieder die Lust, zu schreiben. Das gabs lange nicht mehr. Und es scheint vollkommen grundlos zu sein, wie meine relativ gute verfassung heut allgemein. Vielleicht bedingt durch eine Stunde länger Schlafen, durch weniger Stress jedenfalls nicht.
Die Tage vergehen momentan recht schnell, ich habe wenig Zeit, die ich daheim sitze und einfach einmal lese. Lesen ja - aber meist unterwegs, zwischendurch. Mache viel für den FSR, Amnesty, dafür zu wenig fürs Studium. Und habe mir frei genommen übers Wochenende: Urlaub in Berlin. Ich will wirklich Urlaub machen, einmal etwas entspannen, obwohl das hier wohl besser ginge. Das Wochenende danach geht es nach München, AI-Jahresversammlung, sogar als Delegierter (wer sollte es auch sonst tun?!). Vielleicht gibt es danach einmal etwas Ruhe, etwas Zeit, zu reflektieren, darüber nachzudenken, was ich hier eigentlich tue und ob es das ist, was ich möchte. Momentan fehlt dazu jegliche Muse.
Aber es scheint mir zu gefallen, dieses Leben. Das alles als großer Test, als Lernphase für später, für die wirklich wichtigen DInge. Jetzt, wo es noch um wenig geht, alles noch halb Spiel ist und dadurch Spaß macht. Jetzt, wo alles so wahnsinnig erfolgreich ist, wenn auch nur im unbedeutend Kleinen. Wird es immer so bleiben?
Viele Menschen haben ich im letzten halben Jahr kennen gelernt, mehr, als ich mir jemals zu träumen wagte. Und trotzdem liegt das Leben irgendwo anders, irgendwo zwischen dem ENgagement und meinem Leben mit N. Es scheint wenig greifbar zu sein, hat weniger SUbstanz. Vielleicht, weil ihm der Mittelpunkt fehlt, das Zentrum.
Und wie viel habe ich nur gelernt, seit ich studiere ... Nie hätte ich es für möglich gehalten, so viel lernen zu können. Und doch, es ist zu wenig, es muss mehr hinein in meinen Kopf, mehr Wissen, mehr Fähigkeiten. Nie ist es genug, immer türmen sich die Bücherstapel hier noch höher, bis ich einige davon einfach unausgelesen wieder irgendwo einordne, um nicht so überfordert zu wirken. Vielleicht mache ich diesen Sommer einfach einmal gar nichts, nur lesen und reisen. Und arbeiten, falls ich bald einen billigen Aushilfsjob bekomme. Es wär ja ganz schön, nicht am Ende jedes Monats die letzten 50€ abzuheben, sondern einmal etwas mehr zu haben. Vor allem für Bücher und einige EInrichtungsgegenstände. erwähnte ich schon Bücher?

Das ist das Stichwort, Nicollo Machiavelli wartet auf mich, ebenso wie so viele andere Bücher.
15.5.07 21:22


Was macht eine gute Lehre aus?

Welcher Student kennt es nicht: Überfüllte Lehrveranstaltungen, uninformierte Dozenten, Chaos bei den Prüfungen und schlichtweg fehlende Veranstaltungen, die zum schnellen Studium notwendig werden. Dies soll sich nun, in Zeiten von Studiengebühren, ändern. Seitdem der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner eine Exzellenzinitiative für die Lehre ins Gespräch brachte, häufen sich die Beiträge mit Gedanken, wie diese aussehen könnte und wie man die Lehre verbessern könnte. Bildungsforscher schreiben Zeitungsartikel, Hochschulen schaffen kleinere Preise für eine gute Lehre und die Zeit schreibt ein Expertengremium aus, das derartige Vorschläge bewerten soll. Was aber macht eine gute Lehre aus? Es sollen zuerst die Voraussetzungen des Lehrpersonals erläutert werden und in einem zweiten Abschnitt soll auf die strukturellen Aspekte einer guten Lehre eingegangen werden.

Was vorausgesetzt werden kann und sollte ist die Kompetenz der Lehrenden auf seinem Fachgebiet. Dass damit nicht immer eine spürbare Begeisterung für den zu lehrenden Stoff einhergeht, mag auch an einem Mangel didaktischer Fähigkeiten liegen, auf die später eingegangen wird, ist jedoch für eine gute Lehre nicht zwingend notwendig. Doch wird es heutzutage immer wichtiger, dass die Lehrenden auch ein zumindest überblickartiges Wissen über das gesamte Fach haben, aus dem sie ein Teilgebiet lehren. Auch interdisziplinäres Wissen gewinnt zunehmend an Bedeutung. So können die immer komplexer werdenden Zusammenhänge erklärt werden, beispielsweise das Funktionieren von Teilgebieten der Gesellschaft oder deren Zusammenspiel. Auch dem Wissensdurst der Studierenden, die gerade am Anfang ihres Studiums noch nicht im fachlichen Rahmen denken, kann so beigekommen werden. Dieser kann natürlich auch nur gestillt werden, wenn die Dozenten Fragen innerhalb von Seminaren und auch Vorlesungen zulassen und diese auch nicht nur abwehrend beantworten. Auch in Sprechstunden, am Telefon und per eMail sollten Studenten die Möglichkeit haben, mit den Dozenten auch längere inhaltliche und organisatorische Sachverhalte zu erörtern. Für die letzten beiden Punkte ist es unerlässlich, dass die Dozierenden ein vitales Interesse am Lernerfolg der Studierenden haben, was viele Studenten bei ihnen vermissen.
Um das Wissen herüberzubringen, was die Lehrenden aufgrund ihrer positiven Einstellung zu Studierenden und ihrer Sachkompetenz, über die sie verfügen, ja eigentlich könnten, benötigen sie gewisse didaktische Fähigkeiten. Doch werden sie oftmals, wie Jan-Martin Wierda schrieb, als ‚unausgebildete Hilfslehrer’ in ihren Beruf geworfen, die über solche Fähigkeiten nicht oder kaum verfügen, sofern sie nicht autodidaktisch angeeignet sind. Da dies gehäuft auftritt, kann man es sowohl als individuelles wie auch als strukturelles Problem bezeichnen. Auch dazu gibt es einige gute Ideen wie Weiterbildungszentren (Kompetenzzentren) für Lehrende, in denen ihnen in der vorlesungsfreien Zeit didaktische Fähigkeiten, Präsentationstechniken und technische Möglichkeiten näher gebracht werden, durch die ihre Lehre sich verbessern soll. In Zeiten fortschreitender technischer Entwicklungen ist vor allem der Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln wie Powerpointpräsentationen sowohl für Studierende als auch Lehrende eine große Erleichterung und sollte ausgebaut werden, ohne die klassische Lektüre wissenschaftlicher Literatur zu verdrängen. Zum vitalen Interesse am Lernerfolg der Studierenden gehört natürlich auch die regelmäßige Überarbeitung dieser Unterlagen und Hinweise auf die neuesten Ausgaben von Lehrbüchern und weiterführender Literatur. Auch eine Anknüpfung an neuere Theoriedebatten ist vor allem (aber nicht nur) in höheren Semestern erwünscht und sinnvoll.
Weiterhin lassen Dozenten Kenntnisse über Aufbau und Lernziele der angebotenen Studiengänge und Ziele einzelner Veranstaltungen oft vermissen. Das mag an mangelnder Schulung (strukturell) oder persönlichem Desinteresse (persönlich) liegen, erschwert jedoch die Lehre unnötig und ist, seitdem Studenten mit Studiengebühren belastet sind, nicht mehr hinzunehmen. So kommt es häufig zu Dopplungen von Inhalten, auch in den eigentlich gut strukturierten Bachelor- und Masterstudiengängen. Die Umetikettierung von alten Diplom- in neue Bachelorstudiengänge soll hier nur kurz erwähnt werden und ist zu komplex, um vertiefend darauf einzugehen.
Als wichtigstes strukturelles Problem, welches eine gute Lehre erschwert, ist die schlechte Lehrplanung vieler Institute anzusprechen. Die mit (realen oder fiktiven) Sachzwängen begründeten Beschränkungen auf immer weniger Lehrveranstaltungen mit immer mehr Studierenden gehen eklatant zu Lasten ihrer Qualität. Es ist kaum möglich, eine große Anzahl Studenten mit in die Veranstaltungen mit einzubeziehen, mit und nicht nur zu ihnen zu kommunizieren. Schwierig ist es weiterhin, in Seminaren mit 50-60 Personen zu diskutieren oder in Vorlesungen mit 300 oder mehr Personen Fragen zu stellen. Lehrforschungsprojekte mit mehr als 30 Leuten bieten keinen Raum für Einblicke in die Forschung, eines der für Studenten interessantesten Gebiete des Studiums. Um eine gute Lehre zu ermöglichen, muss 1) sichergestellt werden, dass es zu jeder Teildisziplin des Faches wie im Studienverlaufsplan (Modulhandbuch) Veranstaltungen gibt und dass diese 2) in einem angemessen kleinen Rahmen stattfinden, der jedem Studenten die Möglichkeit zur individuellen Beteiligung gibt. Dazu können die Studiengebühren zu ihrem originären und gesetzlich verankerten Zweck – der Verbesserung der Lehre – eingesetzt werden, ohne dass Landesmittel gestrichen werden.

Es gibt viele Anknüpfungspunkte, wie eine gute Lehre aussehen kann. In diesem Beitrag wurde versucht, sie nach individuellen und strukturellen Punkten zu gliedern und zu problematisieren. Teilweise wurden Beispiele aus der Praxis mit aufgenommen und an die Schwierigkeiten des Bologna-Prozesses an deutschen Hochschulen angeknüpft. Die Punkte sind nicht als abschließende Aufzählung zu betrachten sondern sollen einen kurzen Überblick darüber geben, was eine gute Lehre ausmacht. Dass sie möglich ist, beweisen viele Dozenten, denen die Bewunderung des Autors und vieler anderer Studenten gebührt.


Geschrieben für Zeit Campus - mal schauen, was sie damit oder mit mir machen.
22.4.07 22:32


Herbert Marcuse

Die Reihe 'Große Denker' von Panorama macht gute Bücher - Einführungen in das Leben eben großer Denker. Ich las in weniger als 24 Stunden die Ausgabe über Herbert Marcuse von H. Brunkhort und G. Koch. Was mir wirklich gefiel, ja mich bewegte war seine Verbindung von politischer Theorie und Praxis, die man bei den anderen Vertretern der Kritischen Theorie wohl nie so deutlich findet wie bei ihm. Auch war er der einzige aus der Frankfurter Schule, der nach dem krieg in den USA blieb und lehrte. Hier einige Zitate:

" Unter der konservativen Volksbasis befindet sich jedoch das Substrat der Geächteten und Außenseiter: der Ausgebeuteten und Verfolgten anderer Rassen und Farben, die Arbeitslosen und die Arbeitsunfähigen. Sie existieren außerhalb des demokratischen Prozesses; ihr Leben bedarf am unmittelbarsten und realsten der Abschaffung unerträglicher Verhältnisse und Insitutionen. Damit ist ihre Opposition revolutionär, wenn auch nicht ihre Bewußtsein. Ihre Opposition trifft das System von außen und wird deshalb nicht durch das System abgelenkt; sie ist eine elementare Kraft, die die Regeln des SPiels verletzt und es damit als ein aufgetakeltes Spiel enthüllt. Wenn sie sich zusammenrotten und auf die STraße gehen, ohne Waffe, ohne Schutz, um die primitivtsne Bürgerrechte zu fordern, wissen sie, daß sie Hunden, Steinen und Bomben, dem Gefängnis, Konzentrationslagern, selbst dem Tod gegenüberstehen. Ihre Kraft steht hinter jeder politischen Demonstration für die Opfer von Gesetz und Ordnung. Die Tatsache, daß sie anfangen, sich zu weigern, das SPiel mitzuspielen, kann die Tatsache sein, die den Beginn des Endes einer Periode markiert."


Und an anderer Stelle über das Widerstandsrecht:
"Es gibt kein derartiges Recht für irgendeine Gruppe oder ein Individuum gegen eine verfassungsmäßige Regierung, die von der Mehrheit der Bevölkerunggetragen wird, und es kann ein solches Recht auch nicht geben. Aber ich glaube, daß es für unterdrückte und überwältigte Minderheiten ein >Naturrecht< auf Widerstand gibt, außergesetzliche Mittel anzuwenden, sobald die gesetzlichen sich als unzulänglich herausgestellt haben. ... Es gibt keine anderen Richter über ihnen außer den eingesetzten Behörden, der Polizei und ihrem eigenen Gewissen. Wenn sie Gewalr anwenden, beginnen sie keine neue Kette von gewalttaten, sondern zerbrechen etablierte. Da man sie schlagen wird, kennen sie das Risiko, und wenn sie gewollt sind, es auf sich zu nehmen, hat kein Dritter , und am allerwenigsten der Erzieher und Intellektuelle, das Recht, ihnen Enthaltung zu predigen."

abschließendes Fazit über ihn im Buch:
Die interne STruktur von Marcuses Argumentation zeigt deutlich, daß er sein philosophisches Erbe für ein politisches hielt. Der Kantische Kategorische Imperativ lag ihm da näher als ein subjektiver Materialismus.

Warum sollte uns das nicht Vorbild sein?
22.4.07 22:30


Neudefinition

Das Leben als vollständige Neudefinition des eigenen selbst. Das mag soziologisch klingen oder literarisch, je nach Hintergrund des Rezipienten. Wichtig ist jedoch die dahinter stehende Aussage, auch und vor allem für mich: Das Leben ist eine Veränderung, in der man seinen eigenen Status und die damit verbundenen Rollen ständig neu definiert. Sich neu definiert. Und, wie in meinem Falle, seine Aufgabe.
Ich merke zur Zeit an jedem meiner langen Tage, wie sich dieser Prozess der Neudefinition nicht mehr nur schleichend fortbewegt, sondern aktiv von mir angetrieben und gesteuert wird. Als mir die Richtung dessen klar wurde, als ich wusste, wer oder was ich sein möchte in meinem Leben, ab diesem Zeitpunkt begann alles viel schneller zu gehen. Es muss ungefähr mit meiner Lektüre dutschkes begonnen haben dass ich aufhörte, zu zweifeln. An den Möglichkeiten, die sich nie bieten würden. An meinen Fähigkeiten. Ich bin mir jetzt sicher, dass ich schaffen kann, was immer mir vorschwebt. Und ich weiß, wie ich es schaffen werde.
Mein Selbst bewegt sich immer mehr hin zu einem politischen Aktivisten. Ich mag den Vergleich zu Dutschke nicht und doch sehr. Nicht, weil mir einiges an Fähigkeiten fehlt, die er besaß. Schon, weil er mich antreibt, sein Leben mir als Vorbild dient. Weil seine Ideen in mir wieder aktuell werden (und sicher auch in anderen), aber vor allem seine Art und Weise des Umgangs mit Menschen und Fragestellungen. Ich merke, wie ich weniger sarkastisch und zynisch bin, viel konstruktiver arbeite und auch denke. Und mehr arbeite, mehr lese vor allem. Mehr mache. Es gab keinen Zeitpunkt an dem ich wirklich aufhörte, Privatleben und Beruf zu trennen, aber mir fiel es in den letzten Tagen besonders auf. Welche Hobbies sollen in meinem Lebenslauf, wenn alle Freizeit Beruf und aller Beruf Freizeit ist? Letztlich ist alles Berufung, Selbst-Berufung. Die Zeit des Lebens, die wenige, die jeder von uns doch zur Verfügung hat, ist mir zu schade, um sie zu verschwenden. Um fernzusehen - sinnlosen quatsch. Um stillzustehen, mich über alle Maße auszuruhen. Vielleicht fehlt mir dazu auch das Sinn-Verständnis oder die Ruhe eines Zen-Buddhisten. Vielleicht ist meine übersprudelnde Energie, die mich oft erfasst, einfach nur Unruhe. Unruhe wie heut in dem schlechten Seminar mit dem schlechten Hiwi, der es leitete. Oder wie jeden Tag auf dem Weg zum Bahnhof, den ich unheimlich schnell zurücklege. Oder und und.
Und es läuft gut zur Zeit. Ich schaffe etwas, wohl auch durch den regelmäßigen Tagesablauf. Nie soviel, wie ich will, aber doch mehr als vorher. Und ich weite mein Engagement aus, was mich befriedigt. Es soll noch mehr werden, vor allem aber, ganz in DUtschke-Manier, mehr Kontakte zu potenziell wichtigen Personen. Personen, mit denen ich politisch arbeiten kann. Auch das ein begriff, der erst vor kurzen Einzug in meine persönliche Selbstbeschreibung fand. Politisches Arbeiten bei teilweiser Verachtung der Politikerelite. Elite sein und Elite verachten - in vielen Sinnen - das scheint dialektisch.
Aber es wird mir auch immer klarer, dass es wenige Menschen gibt, die bereit sind, Opfer zu bringen. Opfer, die ich wohl als Bereicherung ansehe wie etwa das aufgeben jeglicher Freizeit durch die Aufgabe des Begriffes. Opfer wie das unbedingte, unopportunistische Einstehen für seine Worte und Taten. Ich denke, dass ich dafür langsam bereit bin: mich für mich selbst zu verantworten, es auch tun zu können. Vielleicht hat das auch immer mehr mit dem Wandel meines Selbstbildes zu tun.
Und immer wieder: die Soziologie. Wozu ist sie da? Heute wieder eine kleine Vorstellungsrunde dazu: warum studiert ihr es? Interesse größtenteils, an der Gesellschaft. Aber auch: Personalabteilung, Marktforschungsinstitut. Sofort exmatrikulieren - das wäre meine Meinung. DIe SOziologie wird mir immer mehr zum Instrument des Verständnisses der Gesellschaft - ihr originärer Anspruch. Aber nicht nur ein Verstehen des Verstehens willen, sondern um zu verändern. Um ansetzen zu können, Hebel zu bewegen. Um lenin auf die Füße zu stellen.
Was jedoch immer mitschwebt ist die Frage, wann der STurz kommt. Es ging immer auf und ab in meinem Leben - wie wohl in den meisten. Dies ist der größte Aufschwung, den ich jemals erlebte. Wann und wie kommt der Abschwung? ich kann und will mich dagegen nicht wappnen, das würde bremsen und ein STück weit Utopien zerstören, die wichtig sind, um vorwärts zu kommen. Die Utopie, dass ich etwas Einfluss hätte vielleicht. oder, dass ich leute bewegen könnte, sich einzusetzen. Wohl verfehlt. Und die Utopie, dass es immer weiter aufwärts gehen kann.
Was sich herauskristallisiert sind vor allem längere Tage und noch kürzere Nächte. Es sind Treffen, die meine Tage füllen, Gremien und Gruppen oder wie man diese Versammlungen auch immer soziologisch fassen will. Es ist ein Leben auf Achse, ein Bahncardleben, ein Traum. Ein Traum, den ich hoffentlich nicht so ganz allein Träume, ein Traum von Fortschritt und der Möglichkeit einer besseren Welt, die nicht auf einer Insel liegt. Die Möglichkeit keiner Insel also.
19.4.07 22:00


auf Reisen.

In Berlin war ich ständig versucht, alle STereotypen über mich mit dem Begriff des "Reisenden" wegzuwischen bzw. auszuschalten. Reisender in doppeltem Sinne: Zwischen verschiedenen Städten, Ländern, jetzt auch Inseln auf der einen Seite, also geographischen Orten und Theorierichtungen, Gedanken, Lebensstilen, Möglichkeiten des Lebens und Wissens auf der anderen. Ein Reisender also theoretisch-praktisch, wie (wieder einmal) Dutschke sagen würde.
Dies kam mir heut wieder in den Sinn und ich kann es nur für mich selbst bestätigen und wiederholen. Der Urlaub auf Borkum tat mir gut, ebenso wie die anderen beiden Reisen unmittelbar davor. Aber vor allem Borkum: auch persönlich sehr schön. Wenig gelesen, dafür entspannt wiedergekommen und eine schöne Insel kennen gelernt, es lohnt sich, dort Urlaub zu machen. J. sagte auch, ich wäre braun geworden - quasi als äußerliche Manifestation der Entspanntheit.
Und es geht mir gut zur Zeit - wohl wissend, wie fragil dieser Zustand ist und nicht ist. Paradox? Ja und nein. Es kann sich sehr schnell ändern, ja, doch ging es mir seit dem Beginn des Studiums nicht mehr richtig schlecht. Immer war - und ist - eine perspektive da. ich glaube, dass ich - wie Star sagt - meinen Weg gefunden habe. Nicht nur die Ziele wie vorher, sondern auch den Lebensstil, den ich pflegen will und muss, um diese zu erreichen. Dutschke hat mir dabei zweifellos geholfen - als Vorbild und Anstoß. Nicht unbedingt seine politischen Vorstellungen sind es, die mich faszinieren (wenn auch teilweise sympathisch), vielmehr der Mensch und seine Lebensweise. Das ständige Infragestellen des eigenen Leben sowie der politischen und gesellschaftlichen realität, das ausdiskutieren jeglicher Probleme und Konflikte und der unbändige Wille, die Welt nach den antiautoritären, sozialistischen Vorstellungen zu verändern sind mehr als vorbildhaft.
EIgentlich sollte mich das viele, was ich so tue, schon ausfüllen. Ich bin zufrieden (denn Glück strebe ich nicht an) mit meinem Leben, allerdings fehlt mir eine wirkliche praktische politische Tätigkeit. Zwar verachte ich teilweise das, was in unserer Gesellschaft als Politik tituliert wird, halte es für strukturell wirkungsschwach. Doch glaube ich, dass eine andere politische Wirklichkeit etabliert werden kann. Eine auf Wissen beruhende, nicht auf Macht. Eine, die den Menschen hilft, nicht sich selbst. Habe noch kein Konzept dafür, aber viele (gute?) Ansätze, die es weiter zu verfolgen lohnt.
bald werde ich 20 - und es bedeutet mir so gar nichts. Das spärliche Reden darüber ist ein Spiel mit der Konvention der Menschen wie der Sprache (und damit wiederum der Menschen), ein Abklatsch ihrer Denkweisen. Ich freue mich vielmehr, dass Samstag Ausflugswetter wird, vielleicht für einen See, Bewegung, kein Stillstand (und weg von den ganzen Anrufen). Freue mich, dass D. wiederkommt - unsere theoretische (und praktische?) Arbeit kann dann hoffentlich endlich beginnen. Vielleicht wird das auch eine Perspektive für ihn, die er so lange gesucht zu haben scheint.
Was bleibt vom Thema des Eintrages, dem Reisen? Falsche Frage, vielmehr sollte es lauten: Wie äußert sich das Reisen in all diesen Handlungen/Gedanken?
Wohl als fortschreiten, besser formuliert: als streben. D. sagte mir letztens, dass ich radikal leben würde - was mich überaschte und zum Nachdenken brachte. Vielleicht hat er recht, auch, wenn er konsequent meinte. Von radikal bin ich zu weit entfernt. Doch Konsequenz ist mir wichtig, im Denken wie dann eben auch im Handeln. Es ist ein zu erstrebendes Ideal, vielleicht ein Grundsatz, den ich befolgen will. Deshalb den ganzen tag lesen, viel engagieren, wenn es sinnvoll erscheint und so vieles mehr, was sich in Kleinigkeiten äußert. Für mich ist das wohl einer der wichtigsten Aspekte von einem Leben, das ich führen kann (muss?).
Genug auf Reisen werde ich niemals gewesen sein, doch weile ich jetzt eine Weile in Duisburg. Zeit, die es zu nutzen gilt um die 10.000 Werke, die noch gelesen werden wollen, zu beginnen und auch mal ein paar Bücher zu beenden. Dutschke hat erst kurz vor seinem Tod ein Buch ausgelesen.
Und nun zurück zu den Büchern, noch bis ~1 Uhr ...
11.4.07 22:28


Ein Revolutionär ist dazu da, Revolution zu machen

Und: andere Tautologien.

Es ist schwer, einen halbwegs passablen Stil zu finden wenn man eben Daniels noch-nicht-sätze las. Nicht, dass ich diesen Stil nicht mochte, er hat etwas von pop-literatur, aber meiner ist er nicht.
Eben fuhr ich zur Uni, nur kurz zur bib, und bei strahlendem Sonnenschein zurück. Mir fiel einiges auf an mir. Ich fühle mich unterfordert. Nicht körperlich, der setzt manchmal aus, aber geistig. Schreibe zwar gute Noten, aber sollte das alles sein? Das kann jeder Streber der viel lernt oder einfach nur klug ist, ohne ein Ziel dahinter zu sehen. Lernen als Selbstzweck – auch das ist meine Sache nicht. Es muss etwas dahinter stehen, ein Arbeiten an einer Sache, die wir hier Revolution nennen wollen. Deshalb auch Che im Titel in seiner wunderbarsten Tautologie – auch gern als Beispiel verwendet in den Methoden (ab jetzt).
Wozu also dieses ganze Lernen? Natürlich, um mit Bloch zu sprechen, um eine bessere Welt anzustreben. Ganz gleich, wie diese aussehen soll. Dessen bin ich mir noch nicht ganz sicher und es gibt wahrlich genug Vorstellungen davon, wohl fast so viele wie Menschen. Doch muss die Soziologie, die von sich sagt, die Wissenschaft von der Gesellschaft zu sein, doch auch Lösungen präsentieren für die probleme der Menschheit – sonst wäre ihr Zweck der Selbsterhalt. Reines analysieren der Gesellschaft, aufstellen von Theorien: das kann nicht nur sich selbst dienen. Oder, um wieder mit Bloch zu kommen: Theorie muss immer auch Praxis sein und Praxis Theorie. Beides beeinflusst sich (was einige als problematisch ansehen), steht in einem ständigen Wechselbild. Er sagte weiter, dass die Welt sich immer weiter verändert (die Materie nicht von vornherein gegeben ist, sondern im Fluss ist). Die Tür zu Veränderungen ist somit in seiner Philosophie gelegt.
Soziologie also, um die Welt zu verstehen und zu verändern. Es mag eine schwierige Wissenschaft sein, voller seltsamer Sprache und Konstrukte, doch auch so wahnsinnig interessant, wenn man sie versteht. Manchmal fühle ich mich wie ein kleines Kind, das gerade eine Lokomotive oder ein Feuerwehrauto entdeckt. Und dann kommt doch wieder das kompromisslose durch, das unabwendbare in meinem Leben. Die permanente Revolution, wie Dutschke u.a. sagen würden.
Langsam keimt in mir das Gefühl auf, dass das Leben so langweilig geradlinig, so relativ konfliktlos weitergeht, wenn ich nichts ändere. Keine großen Umbruche kommen von allein und ich werde mich einreihen in die wissenschaftlichen Assistenten, Doktoren, … . ein sang- und klangloses, erfolgreiches Leben: Das ist es nicht, was ich will. Sinn macht das ganze doch nur, wenn man etwas schafft das bleibt, ein Andenken. Schriftsteller schaffen ein Werk, Künstler ebenso. Doch die extremste Form dieses Werkes ist das retten von Leben und das verbessern der Lebensbedingungen, letztlich der Welt. Was gibt es denn sinnvolleres, als die Welt zu seinem Werke zu machen?
Mir war es immer wichtig, einen Unterschied zu machen, mich abzuheben von anderen. Nicht so ganz als Selbstzweck, eher darum, nicht der kritiklosen Massenkultur zu erliegen oder, wie man heute sagen muss: DEN massenkulturen. Es geht darum, anders zu sein, weil ich es für besser halte, für sinnhaltiger. Die Zeit so gut wie möglich auszunutzen, viel zu lesen, mich nicht zu sehr mit Menschen herumzuärgern, die sowieso nie begreifen werden, worum es geht.
Die Soziologie vermittelt da ein Bild der Gesellschaft, das mich etwas ruhiger hat werden lassen. Es wird wohl immer Menschen geben, die sich selbst wichtiger sind als alle anderen, welche, die an überlieferte Traditionen aus Tradition selbst glauben usw. Doch gibt es auch 10% Postmaterialisten, je nach Konzept etwas mehr oder weniger – beileibe nicht alles Grünen-Wähler.
Worum geht es mir? Darum, dass meinen Worten auch taten folgen – von mir und von anderen. Darum, zu überzeugen, durch gute Konzepte, wie man die Welt besser machen kann.
//
Vielleicht ist dieser vom Wetter her wunderbare Tag der Tag, an dem etwas begann bzw. etwas intensiviert wurde in meinem Leben, was vor langer Zeit aus der Erkenntnis der Sterblichkeit des einzelnen und der Sinnlosigkeit des Lebens heraus geboren wurde.
Kein Neuanfang, das ist nicht notwendig. Vielmehr lächle ich in die Sonne, die prall in mein Gesicht scheint und weiß: ich habe meinen Weg wohl gefunden.
26.3.07 18:38


Anruf aus dem Bundestag

oder: Was ich schon immer von Münte wissen wollte.

Eben klingelte mein Handy, im Display diese unübersehbare Bundestagsnummer (030/227-...). Und dann wollte sie nur zum 3. Mal mein geburtsdatum wissen - alsob das der Sicherheit in den Gebäuden dienen würde.
Am 28. gehts wieder nach Berlin, 3 Tage, alles auf Kosten der Fraktion. "Jugendpressetage" nennt sich das, man isst mit Peter Struck, interviewt Münte, trifft Femi-Andrea (Nahles) und Mutti Nicolette (Kressl). Und viele andere, deren Namen ich vergessen habe. Zu diesem zwecke starte ich hier im Kommentarbereich eine Sammlung eurer Fragen an o.g. personen: Was wolltet ihr schon immer von Münte (o.a.) wissen? Mir fällt so wahnsinnig wenig ein und da ich als Schüler(!)zeitungsredakteur dorthin fahre (übrigens mit Hotelübernachtung und vegeratischem Essen auf Anfrage) sollte ich vielleicht ein paar Fragen parat haben. Vielleicht sollte ich mich von Münte nach der grandiosen Rede letzte Woche im Bundestag mal beraten lassen, was klug ist ("Man kann das alles ignorieren - klug ist das nicht" -> Rente mit 67) oder ihn fragen, ob er wirklich so kaputt ist wie sein zahnarzt mir gegenüber (nach ner Flasche Wein allerdings erst) behauptete.
Na ja.
Gestern auf der Zugfahrt 2 sehr angenehme ältere Menschen kennen gelernt, aus krefeld. Nett unterhalten über Berlin, sie schienen sehr interessiert und vor allem höflich trotz meiner etwas bürgerschreckenden Aufmachung. Kurzes Gespräch über "Das Ende der Armut" von Sachs (Rezension in 2-3 Tagen) und der Gedanke des Mannes, dass über die Rüstungsproduktion der Welt kaum bis gar nicht geredet würde - schon gar nicht kritisch. Recht hat er. ich werde, ganz nach Einstein, dessen Buch "Warum krieg?" (mit Freud & Asimov) ich heut schnell las, immer mehr zu einem militanten Pazifisten. Zwar konnte die Frage, warum es Krieg gibt, in dem Buch ebenso wenig geklärt werden, wie man neuen verhindern könnte. Doch brachte es mir, in Verbindung mit dem Gespräch gestern, die Erkenntnis, dass die Waffenproduktion überwacht und der Waffenhandel stärker kontrolliert werden müsste. Pragmatisch gesprochen. Es kann nicht sein, dass Afrika oder der Irak von Waffen überschwemmt sind und in Anarchie versinken und einige Menschen damit Geld machen. theoretisch gedacht. Wenn es nach mir ginge wären alle Waffen abgeschafft und kriege verboten, die Menschen müssten sich verbal einigen. Dass das nicht möglich oder realistisch ist, ist mir klar, doch als Ziel taugt es, auch für eine Jugendbewegung, nicht aber für unsere. Vielleicht kann man aber Pazifismus predigen, gegenteiliges Anprangern und somit eine größere mediale Aufmerksamkeit schaffen als die 2-wöchigen Darfur-berichte in den Tagesthemen, die schon an sich sehr löblich sind. Nur zu selten und nicht zur Hauptsendezeit.
Also, sammelt Fragen an Münte & Co. Kg
14.3.07 17:15


Markus Werner - Am Hang

Ein Gespräch, das ein Buch ist. Ein sehr gutes Gespräch sogar, filigran würde mir fast in den Sinn kommen, wenn das Ende nicht so brutal plump wäre. Und offen. Ich habe immer wieder meine probleme mit Buchenden.
Es geht um den jungen Scheidungsanwalt Clarin, der ein wenig Urlaub macht in Agra. Er möchte dort über Pfingsten einen Aufsatz schreiben für eine Fachzeitschrift, wird aber daran gehindert, weil er Loos trifft. Seltsame Namen, aber in der Schweiz heißt man wohl so. Sie reden stundenlang miteinander, erst zögrlich annähernd, dann immer intimer. Loos ist ein älterer Herr, Witwer, wie er sagt, dem Treue viel bedeutet. Clarin dagegen ist als Scheidungsanwalt ein vehementer Gegner der Ehe und bezeichnet sich selbst als nicht bindungsfähig. Ebenso sieht wohl sein Leben aus: Voller Affären, ohne Bindungen. An dieser Konfilktlinie verläuft das gesamte Gespräch, ja das gesamte Buch. Doch es kommt nicht zum STreit, vielmehr diskutieren die beiden angeregt miteinander, immer interessiert an der Meinung des anderen, immer auf der Suche nach neuen Standpunkten.
Viel mehr lässt sich inhaltlich nicht sagen, fad mag das klingen, lesenswert ist es trotzdem. Vor allem wohl wegen dem respekt, mit dem die beiden miteinander umgehen. Auch wird das Buch nicht langweilig, eher im Gegenteil: spannender. Das Ende, wie gesagt, empfand ich als grausam, allerdings war es schon nach 2 Uhr morgens, als ich es las und ich totmüde.

Ferner liefen:
Hermann Korte - Soziologie: Eine sehr übersichtliche und gute, aber auch extrem verkürzte Einführung in die Soziologie. Eher etwas für nicht-Soziologen, die sich einen Überblick über diese Wissenschaft verschaffen wollen.

Wilfried Röhrich - Die politischen Systeme der Welt: Eine sehr übersichtliche und mit Beispielen unterlegte Darstellung der drei Grundtypen von politischen Systemen in unserer Welt: Industriestaaten, postkumministische Länder und Entwicklungsländer. Jeweils viele Beispiele zu den teils sehr unterschiedlichen Ausprägungen der Systeme, zusammengenommen ein neter Blick über den Tellerrand Deutschlands hinaus.
12.3.07 14:52


Gretchen Dutschke - Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben

Biographie über Rudi Dutschke

Gretchen Dutschke, gebürtige Amerikanerin, schreibt mit vielen textausschnitten über das Leben des Rudi Dutschke, ihres Mannes, mit dem sie drei Kinder hat. Der Text ist durchsetzt mit vielen Zitaten vor allem aus Rudi Dutschkes Tagebüchern und Briefen, sonst in eher einfachem Deutsch geschrieben.
Es werden die gesamten 39 Jahre des Lebens von R. Dutschke geschildert, bis zu seinem plötzlichen Tod Weihnachten 1979.
Dieses Buch hat mich mehr als andere berührt, wahrscheinlich habe ich deswegen so lange dafür gebraucht. Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass es einen entscheidenden Wendepunkt in meinem Leben darstellt, es hatr mein Denken so radikal verändert. Es zeigt ganz deutlich, dass es eine Alternative gibt zu den herrschenden verhältnissen, dass ein raubtierkapitalismus mit Massenentlassungen jede Woche, dessen Markt eben nicht alles regelt, nicht das einzige ist. Ebensowenig ein realer Sozialismus, wie er 1990 zusammenbrach. Es gibt mehr Staatsformen, über die es sich nachzudenken lohnt ohne von der Demokratie abschied zu nehmen, im Gegenteil: die Demokratie verstärken. Dutschke durchlief in seinem Leben viele Phasen, viele politische Richtungen und trotzdem ist ein roter Faden zu erkennen, der die Freiheit der/des Menschen in den Mittelpunkt stellt, soetwas wie Menschenrechte vertritt und (direkte) Demokratie anhand eines Rätemodells anstrebt. Dutschke setzte sich früher als andere für eine Wiedervereinigung ein - für die Linke in der BRD ein rechtes Thema - und sollte Recht behalten mit seiner Prognose, dass der reale Sozialismus zusammenbrechen müsse.
Den Titel des Buches schrieb er in seinem Abschiedbrief an seine Frau, er drückt so in wenigen Worten ihr leben aus. Einen geregelten Tagesablauf gab es kaum, Geld selten, eine feste Anstellung fast nie. TRotzdem haben sie 2 Kinder groß gezogen, er hat seinen Dr. gemacht und mehrere Bücher verfasst und ständig Reden gehalten, kannte Persönlichkeiten wie Bloch, Fried, Marcuse, Gollwitzer u.a. Seine Frau studierte 2 Fächer, machte in einem einen M.A. Die Familie lebte nach dem Anschlag auf Rudi 1968 in vielen verschiedenen Ländern, zog immer weiter. Ihre Idee, die politische Linke in DE zu organisieren, wurde schließlich in der Grünen Partei manifest. Nach der Aufspaltung der 68er Bewegung in vielen Sekten fanden sie nun wieder - zusammen mit bürgerlichen Kräften - an der ökologischen Frage zusammen. Rudi Dutschke half bis zu seinem Tod mit, diese Partei aufzubauen.
Er war ein faszinierender Mensch. Immer neugierig, ließ sich gern belehren und verlor selten die Fassung. Argumente zählten für ihn, nicht Machtspiele. Argumente und der Mensch. Er stellte sich nicht über andere, wollte aprtout nicht der Sprecher oder Führer der STudentenbewegung werden und las so wahnsinnig viele Bücher, dass selbst mir dabei schwindelig wird.
Das Buch kann und werde ich jede empfehlen, der an dem Thema interessiert ist oder sich tiefer in die 68er Bewegung, aber auch in einen faszinierenden Einzelkämpfer aus Überzeugung hineindenken möchte. Es macht Hoffnung, selbst etwas verändern zu können, in seinem Sinne: undogmatisch.
Lest es, es wird euch verändern.
4.3.07 20:26


Katharina Hacker - Die Habenichtse

Ab jetzt gibt es zu allen Bücher, die ich lese, hier Rezensionen. Und weil das so schön und sogar von einigen Menschen erwünscht ist, fang ich sofort damit an. Habe vorhin das Buch von Hacker beendet und muss sagen, dass ich heut den gesamten Vormittag sehr verstört war wegen des Buches. Es hat mich auf eine sehr destruktive Art berührt und mir vor AUgen geführt, wie schlecht die Welt bzw. die Menschen sein kann/können. Ich weiß wirklich nicht, ob ich das Buch gut finden soll oder nicht bzw., um es weniger normativ zu formulieren: mag oder nicht mag. Es ist anders als die vielen Geschichten, die man kennt, die Handlung wird nur gestreift. Auch lebt dieses Buch von Andeutungen, von Nebensätzen, die Handlung darstellen oder nur geträumt sind, immer unterscheiden kann man das nicht. Es lebt sehr von Stimmungen und von der Sinnlosigkeit, die es einem zeigt, nein: auf die man als leser gestoßen wird. Dass das Leben sinnlos ist erkennen auch die Protagonisten und verstricken sich immer mehr darin, ja suchen nach etwas, was ihrem leben das Gefühl zurückgibt. Eigentlich haben sie alles, was ein junges und erfolgreiches Paar haben sollte - da folge ich dem Klappentext. Doch fehlt dem ganzen ein Sinn, ein Ziel, vielleicht auch ein übergeordneter Plan. Ihr Leben ist ein Treibenlassen, ein indenTagleben, nicht gesteuert. Was immer passiert, sie werden fertig damit, gewinnen ihm etwas Gutes ab.
Es gibt keinen radikalen bruch in dem Buch, wie ich ihn erwartet hatte. Vielmehr schleicht die Sinnlosigkeit sich in das Bewusstsein der Menschen ein, langsam, aber zäh, zeigt ihnen, wie wenig das Leben, das sie führen, ihnen eigentlich bedeutet. Wie wenig das alles eigentlich bedeutet. Immer wieder taucht auch der 11. September auf als großer Knall, als Moment, in dem sie begriffen, wie klein sie eigentlich sind und dass sie auch im nächsten Moment Opfer eines Terroranschlags werden könnten.
Das Ende hat mich, wie so oft, enttäuscht. Ich habe an sich nichts gegen offene Enden, aber dieses sagt so gar nichts aus - ebenso wie das gesamte Buch. Es sei denn, ich bin einfach nicht hinter die Aussage gestiegen, also will ich nicht abstreiten, dass andere Menschen einen Sinn dahinter sehen.
Trotz allem würde ich es empfehlen zu lesen. Weil es anders ist, einen anderen Blick auf die Welt offenbahrt, anders geschrieben ist.
Katharina Hacker, geboren in dem Jahr, als Kurras Benno Ohnesorg erschoss, hat zuvor schon einige Bücher veröffentlicht, doch dieses ist bisher an verkaufszahlen gemessen ihr größter Erfolg.
27.2.07 18:57


einmal leben

Dieses Leben, das andere intellektuell nennen würden, langweilt mich. Es langweilt mich solange, wie es nur aus Wissen ansammeln besteht, nur aus lernen, lesen. Es ist öde, Theorien nur zu kennen, sie nicht anzuwenden. Das mag die Sache anderer sein, meine ist es jedenfalls nicht. Das ist doch kein Leben, dieses bloße Wissen von Dingen, das eben doch nicht Wissen ist, weil die Anwendung fehlt.
Einmal Teil einer Jugendbewegung sein - wie ein Freund schon sagte. Das ist ein Traum. Einmal die Massen bewegen, aufklären, einmal diese taube und stumme Gesellschaft durchbrechen, ihr die eigene Unmündigkeit, Trägheit, ich will fast sagen: Faulheit aufzeigen. Ihr zeigen, was geht, dass es anders geht, dass Gesellschaft eben machbar ist. Was übrigens schon die alten griechen erkannt hatten, doch vieles von dem, was sie damals wussten, ist heut wieder verloren gegangen. Aber keine Idealisierung archaischer, vielleicht schon direktdemokratischer Zustände, das führt zu nichts und wäre vor allem unkritisch.
Die Jugend ist heut entweder auf Spaß aus oder auf Erfolg, manchmal auf beides. Doch wer engagiert sich noch, wer setzt sich ein, nicht nur für die eigenen Ziele? Es widerstrebt mir, solche Menschen Elite zu nennen, doch ist es so, dass sie einander anschauen können und eine Bindung verspüren, eine Art Verwandtschaft der Ziele. Oder, technischer ausgedrückt: sie haben ähnliche Determinanten. Ich fühle mich sehr wohl im Kreise solcher Menschen um nicht gar zu sagen: nur dort. Sie wissen, worum es geht, und vor allem: worum es nicht geht. Nicht ums Aussehen, nicht um den Schein, nicht ums Geld. Nicht darum, sich besser zu fühlen, weil man andere schlecht machen kann. Das kann jeder und es ist ehrlich gesagt sehr trivial, sehr einfach gemacht. Doch kommt es darauf an im Leben keine Party verpasst zu haben um die eigene Jugend noch zu spüren?
Ich sage nein. Die Jugend verspürt man nicht auf der nächstbesten Party, nicht mit seiner Zunge im Hals eines dahergelaufnene. Das ist nicht Jugend, sie bietet soviel mehr. Jugend als Mobilität, als Kraft, wie sie leider oft ideologisch missbraucht wurde. Nicht als Wert an sich, aber als nutzbare Eigenschaft (zugegeben: askriptive Eigenschaft). Jugend als Zeit um aufzubegehren, um etwas entgegenzusetzen, der Gesellschaft, ihrer Verkurstetheit, ihrer Beschäftigung mit dem Unwichtigen. Es hat mich schon immer aufgeregt, dass die Politik sich halbe Jahre mit einer Gesundheitsreform beschäftigt, eine dringend notwendige Bafögerhöhung aber ohne viel Sachverstand innerhalb von 5 Minuten ablehnt. Deutschland die Wissensgesellschaft? ha! Aber warscheinlich haben sie nur nie Denken gelernt im BWL-STudium ...
Und sie kommen durch damit, weil die Betroffnene schweigen. Gab es einen Aufschrei, eine Stimme, die die presse erhört hätte? Nicht einmal Springer meldete sich lautstark zu Wort, nur Agenturmeldungen, kommentarlos. Die Jugend schaut gleichgültig zu.
Das müsste nicht so sein, wenn die Aufklärung sich wirklich durchgesetzt hätte. Kant schrieb vielerichtige Sätze dazu, die leider bei vielen nie angekommen sind. eigene Unmündigkeit? Weit verbreitet. Vernunft? Ha! - wo denn? Vernünftig wäre es, sich gemeinsam für gesellschaftliche Ziele einzusetzen, als Jugendbewegung FÜR etwas zu kämpfen. Aber nichts, niemand setzt etwas ernsthaft dagegen. Jetzt prescht sogar die FDP NRW zurück, will bei Studiengebühren Gesetzeslücken schließen - weil wer etwas tat?
Jedenfalls nicht die Studenten, die es betraf.
25.2.07 16:03


eigentlich geht es mir gut

Ich hatte eigentlich geplant, dieses Blog nicht als Seelenstriptease zu gestalten, nicht so sehr über mich zu schreiben, denn ich bin uninteressant im Gegensatz zu der großen Welt da draußen, die darauf wartet, beschrieben und entdeckt zu werden. Doch musste ich heute eine Feststellung machen, so einfach wie komplex, die mein Lebensgefühl momentan ausdrückt, mich ausdrückt: eigentlich geht es mir gut.
Ich führe genau das Leben, was ich schon immer führen wollte: Frei in der Ausgestaltung, viel lesen und immer wieder Wissen, Wissen, Wissen. ich beginne zu verstehen, wie diese Welt, wie die Gesellschaft als namenloses Großes funktioniert und weiß doch gar nichts. Anwenden kann ich die soziologischen Theorien, kann die Instituationalisierung der Macht anhand meiner selbst erklären und dabei doch so unverständig wirken, als würde ich nicht so recht wissen, was ich da tue. Mich umgeben Menschen, mit denen ich mich umgeben möchte, die ich mir ausgesucht habe als Zeitgenossen, die intelligent sind und belesen, die aber auch eines tun: verstehen. Verstehen, dass es im Leben um mehr geht als viel geld zu verdienen, die Liebe des Lebens zu finden und das konservative Familienbild in seiner Gänze auszufüllen. Verstehen, dass es nict auf die Kleidung und den ersten Eindruck ankommt. Beginnen zu verstehen, dass das Leben nur ein Ziel haben kann: Ewigkeit. Vielleicht erlebe ich zum ersten Mal in meinem Leben soetwas wie wirkliche Freundschaft, zumindest fühlt es sich danach an. Sie tun mir gut und ich hoffe, sie ebenso bereichern zu können durch meine nicht immer Höflichkeitskonforme, aber doch selbst ausgesuchte Art. Nicht zuletzt N., das intellektuelle Hegelwürmchen, tut mir gut. Unsere gemeinsamen Vorhaben, unsere literarischen Experimente und unsere gemeinsame Zeit: so eine Beziehung wollte ich immer führen. Voller gemeinsamen Engagements, voller Literatur, voller Gedanken. Fernab vor allem von dem, was die Jugend heut (und wohl auch gestern) Leben nennt und auch lebt.
Und doch: es bleibt dieser Wunsch nach mehr, der mich schon immer begleitete und nie versiegen wird. Meine Zeit ist jetzt schon knapp und durchgeplant, trotzdem will ich mich mehr engagieren, denn es ist die einzige Möglichkeit. Mein Regal ist voller ungelesener Bücher, doch will ich mehr. Mein Stundenplan ist voll und ich bin oft erschöpft von soviel Uni, trotzdem will ich gern mehr Kurse belegen, mir mehr Wissen aneignen. Nicht um Elite zu sein, um besser zu sein als andere - ich brauche keine Noten zur Bestätigung. Nur, um die Möglichkeit zu bekommen, mir immer mehr Wissen anzueignen, zu lernen, zu forschen. Ein Semester studiert und schon habe ich das Thema für meine Doktorarbeit gefunden, ein Thema, das sich nicht in sich selbst erschöpft. Ein Semester studiert und ich fühle mich eingetaucht in diesen Kosmos der Uni, wo andere noch nicht so recht angekommen sind. Nicht zuletzt will ich mehr tun, um anderen Menschen zu helfen, in einem immer größeren Maßstab als jetzt, doch je mehr ich tue, desto größer wird der Maßstab.
Voller Tatendrang bin ich heut, meine Schreibweise leidet etwas darunter, dass ich soviel gleichzeitig möchte. Darum werde ich jetzte Katharina Hacker auslesen, danach Murakami eine zweite Chance geben gemäß Daniel, der sich so ziemlich jedes Buch empfehlen lässt, ohne Vorurteile zu haben.
21.2.07 23:18


-kommentarlos-

"Besonders schmerzhaft sind tiefe Erfahrungen mit flachen Menschen. Die Oberflächlichen haben nichts, wo du alles hast. Sie lassen dich leiden, sie können nichts dafür. Ihre Oberfläche darf man lieben, aber nie weiter gehen." A.S.
26.1.07 18:22


(Der) soziale Rolle(n)(-begriff in der Soziologie)

"Ein Landbewohner hat mindestens neun Charaktere, einen Berufs-, einen National-, einen Staats-, einen Klassen-, einen geographischen, einen Geschlechts-, einen bewußten, einen unbewußten und vielleicht noch einen privaten Charakter; er vereinigt sie in sich, aber sie lösen ihn auf, und er ist eigentlich nichts als eine kleine, von diesen vielen Rinnsalen ausgewaschene Mulde, in die sie hineinsickern und aus der sie wieder austreten, um mit anderen Bächlein eine andere Mulde zu füllen. Deshalb hat jeder Erdbewohner auch noch einen zehnten Charakter, und dieser ist nichts als die passive Phantasie unausgefüllter Räume; er gestattet dem Menschen alles, nur nicht das eine: das ernst zu nehmen, was seine mindestens neun anderen Charaktere tun und was mit ihnen geschieht; also mit anderen Worten, gerade das nicht, was ihn ausfüllen sollte."
(Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften (Hamburg 1952), S. 35)
22.1.07 13:46


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung